Die Geschichte vom Hasen und vom Igel auf einem Gänseei

Horst Opiola fräst aus Eiern filigrane Kunstwerke

Von Maren Recken Erstellt: 4. April 2015, 06:00 Uhr
Die Geschichte vom Hasen und vom Igel auf einem Gänseei Horst Opiola zeigt zwei seiner kunstvoll bearbeiteten Ostereier. Foto: Maren Recken

Mühlacker/Öhringen. Für Horst Opiola ist das ganze Jahr über Ostern. Zumindest was das Verzieren von Eiern angeht. Denn der pensionierte Lehrer fräst täglich an filigranen Kunstwerken, die er vornehmlich aus Gänseeiern schafft.

Durch sein Hobby hat er auch Mühlacker und Maulbronn schätzen gelernt. „Ich war von 1997 bis 2006 fast jedes Jahr beim Ostereiermarkt in der Historischen Kelter, einem der ersten in der Region, in Mühlacker dabei“, erinnert sich Opiola, Erst seit dieser ab 2008 nicht mehr durchgeführt worden sei, wäre er regelmäßig in Maulbronn mit von der Partie, letztmals Ende Februar diesen Jahres.

Dornröschen an der Spindel, die Tiere der Arche Noah, chinesische Drachen, ein Schwanenpaar oder die Geschichte vom Hasen und vom Igel – an Ideen was er in die Eier fräsen könnte, fehlt es Horst Opiola nicht.

„Häufig bringe ich auch aus meinen Urlauben Ideen für neue Motive mit“, erzählt er. Dazu gehörten neben den chinesischen Drachen beispielsweise die Tiere in Afrika, die Masken in Neuseeland oder die Schlangenboote in Südindien, die ihn zu neuen Kunstwerken inspiriert hätten.

Die filigranen Strukturen in die Eier zu fräsen, bzw. die dünnen Eierschalen so zu gravieren, dass Figuren entstehen, ist ein Hobby, das Geduld braucht. Rund 50 Stunden ist Horst Opiola beschäftigt, bis aus einem Ei ein Kunstwerk entsteht, das so zerbrechlich wirkt, dass man sich kaum getraut es in die Hand zu nehmen.

Steht erst einmal fest, welches Motiv ins Ei gefräst werden soll, sucht sich Opiola die passenden Zeichnungen zusammen. „Ich recherchiere im Internet oder in Büchern“, erklärt er seine Arbeitsweise. Wenn er dort die passende Vorlage gefunden hat, wird diese so verkleinert, dass sie aufs Ei passt. Dann kommt ein Blaupapier auf die Eierschale über das die Vorlage geklebt wird. Mit feinsten Bleistiftstrichen wird anschließend jede Linie auf das Ei übertragen. Dann geht es in den Keller. Dort hat sich Horst Opiola seinen Arbeitsplatz eingerichtet. Ein Stuhl, eine Schreibtischlampe eine hochtourige Fräsmaschine und viele Fräsaufsätze.

„Ich benutze Diamantfräser“, erklärt Opiola. Normalerweise hält ein Fräsaufsatz ein Ei lang durch, dann muss er ersetzt werden. Außer die ganz feinen, bekennt Opiola und schiebt nach: „Von den feinsten, die einen Durchmesser von nur 0,7 Millimetern haben, von denen habe ich teilweise schon bis zu fünf Stück an einem einzigen Ei abgebrochen“.

Ganz wichtig seien auch die Atemmaske und der Lupenaufsatz vor der Brille erklärt Opiola bevor er die Fräsmaschine anschaltet und mit ruhiger Hand kleinste Löcher in die Eierschale fräst. Durch das partielle Wegnehmen der Schale entstehen beispielsweise beim Dornröschenei die Dornenranken oder wird bei dem Ei mit der Geschichte vom Hasen und vom Igel der Weg sichtbar, auf dem die beiden um die Wette laufen. „Es kommt nur noch ganz selten vor, dass mir beim Fräsen und Gravieren mal ein Ei zerbricht“, so Opiola, der erklärt: „Beim Gravieren beispielsweise höre ich genau zu, das ist dann wie ein innerliches Mitzählen. Dadurch weiß ich genau wann die Schale so dünn ist, dass ich aufhören muss“. Dass er sich gerade ein Hobby ausgesucht habe, dass so viel Geduld erfordere, liefe seinem Naturell eigentlich zuwider, meint Opiola bevor er pragmatisch hinzufügt, aber das hilft auch nichts. „Ich muss immer Ruhe bewahren“.

Am liebsten setzt Opiola seine Fräser auf Gänseeiern an. Auch Straußeneier oder Enteneier verziert er gerne. Die Enteneier, weil sie „die reinsten Handschmeichler sind und eine ganz feine Kalkschale haben. Hühnereier taugen seiner Meinung nach gar nicht. „Die Schale ist einfach zu dünn“.
Über 120 Motive hat Opiola bereits in Eier gefräst. Die fertigen, filigranen Kunstwerke verkauft er für rund 400 Euro das Stück. In den eigenen Vitrinen Schrank wandern nur die Exemplare, bei denen dann doch einmal etwas kaputt gegangen ist. Denn nicht nur während der Arbeit achtet Opiola akribisch aufs Detail, auch später muss alles stimmen. Da reicht dann selbst ein feiner Haarriss in einem nur Millimeter breiten Steg, um ein Ei als Ausschuss zu deklarieren.

So bereitwillig Horst Opiola darüber plaudert wie er auf die Motive für seine zerbrechlichen Kunstwerke kommt und welche Arbeitsschritte vom Aufzeichnen bis zum fertig gefrästen Ei notwendig sind, so hartnäckig schweigt er darüber, mit welchem Mittel er als letzten Arbeitsschritt die innere Eihaut aus dem fertig gefrästen Ei löst. „Die meisten nehmen Chlor, ich nicht. Aber was ich nehme, bleibt mein Geheimnis“, so Opiola bevor er wieder die Fräsmaschine ansetzt.

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