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Von Frank Goertz Erstellt: 21. Oktober 2017, 00:00 Uhr
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Berufsschul-Fusion: Debatte hätte viel früher geführt werden müssen

Die Debatte um die Zukunft der Mühlacker Berufsschulen ist endlich in der Öffentlichkeit angekommen. Das ist gut so, nur: Sie wird viel zu spät geführt. Eine Fusion, bei der zwei in fast jeder Hinsicht sehr unterschiedliche Schulen unter einem Dach vereint werden, sollte gut vorbereitet sein, damit die zwangsläufigen Reibungsverluste möglichst gering ausfallen. Dass der Schulleiter der Kerschensteiner-Schule, Rainer Schork, 2018 in den Ruhestand geht und damit die Tür für Fusionsgedanken öffnet, ist aber nicht erst seit gestern bekannt.

Katrin Höninger vom Regierungspräsidium und Enzkreis-Schuldezernent Frank Stephan haben in dieser Woche bei einer Informationsveranstaltung in der Aula der Kerschensteiner-Schule erklärt, dass man sich über eine Fusion bereits Gedanken gemacht habe, als vor drei Jahren der Schulleiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, Hans Wagner, in den Ruhestand gegangen sei. Hier stellen sich dann doch die Fragen: Ist der Gedanke damals eigentlich zu Ende gedacht worden? Warum wird das Fass jetzt schon wieder aufgemacht?

Natürlich muss die Entscheidung der Vergangenheit nicht zwangsläufig bindend für die Zukunft sein. Keiner darf die Verantwortlichen daran hindern, klüger zu werden. Aber keiner hat sie auch daran gehindert, eine mögliche Fusion so vorzubereiten, dass sie 2018 reibungslos über die Bühne gehen kann.

„Veränderungen benötigen immer ein bis zwei Jahre Zeit“, hat Landrat Karl Röckinger im Mai 2017 erklärt und betont: „Es ist noch nichts entschieden. Wir sind gerade dabei, alle Fakten zusammenzutragen.“ Seitdem sind wieder fast fünf Monate ins Land gegangen – und das Zeitfenster für eine erfolgreiche Fusion schließt sich immer weiter.

Erschwerend dürfte hinzukommen, dass sich an der Kerschensteiner-Schule heftiger Widerstand gegen eine Fusion regt. Lehrer, Schüler, Personalrat und Eltern befürchten offenbar, dass mit der Steinbeis-Schule ein kränkelnder Patient eine kerngesunde Kerschensteiner-Schule übernehmen soll. Weniger im Stil einer Fusion, eher als feindliche Übernahme. Dass dann auch noch mit Veit Kibele der Kapitän des scheinbar schwächeren Partners das Kommando übernehmen soll, sorgt an der Kerschensteiner-Schule auch nicht unbedingt für gute Stimmung. Die Atmosphäre an den Berufsschulen ist höchst problematisch. Hier stehen die Zeichen nicht auf Zusammenarbeit – auch wenn viele Sachargumente dafür sprechen.

Leidenschaftlich haben Vertreter der Kerschensteiner-Schule auf der Infoveranstaltung ihre Argumente vorgetragen. Veit Kibele und Katrin Höninger hatten hier einen schweren Stand – und keine Unterstützer im Saal. Hier konnten die Fusionsgegner einen Punktsieg für sich verbuchen. Aber die Debatte ist kein sportlicher Schlagabtausch. Sie hätte nur schon viel früher und vor allem viel zielführender auf die Agenda gehört.

Frank Goertz

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