Wetterlagen

Von Thomas Eier Erstellt: 7. Juli 2018, 00:00 Uhr
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Dunkle Wolken über dem Land – und es geht nicht um Fußball und Politik

In dieser Woche hat es gefühlt nur drei Gesprächsthemen gegeben: die Fußball-WM ohne deutsche Beteiligung, die Berliner Posse um die Asylpolitik und – das Wetter. Wir entscheiden uns, wenngleich wir auf allen Feldern eine dezidierte Meinung haben, an dieser Stelle bewusst für letzteres Themengebiet, das in seiner Tragweite noch deutlich über einen südkoreanischen Strafraum und die bayerischen Außengrenzen hinausreicht. „Nicht jede Wolke erzeugt ein Gewitter“, wusste schon Shakespeare, obwohl er weder Joachim Löw noch Horst Seehofer kannte.

Es scheint, als sei – gemeint ist das Wetter – einiges durcheinandergeraten, und zu spüren bekommen das vor allem diejenigen, die von und mit der Natur leben. Die Bauern der Region starten so früh wie selten zuvor mit ihrer Getreideernte, für die Wengerter fallen die Sommerferien aus, weil die Weinlese geschätzte drei Wochen eher beginnen kann, und die Forstleute fürchten Waldbrände – die warme Jahreszeit ist in diesem Jahr besonders zeitig mit voller Wucht hereingebrochen, bis es zum Ende der Woche eine Verschnaufpause gab.

Die Natur lechzte nach Wasser, doch es gibt eine Kehrseite: Immer dann, wenn Gewitter mit Platzregen angekündigt sind, beginnt das Glücksspiel aufs Neue: Wen wird es dieses Mal treffen? Nur um wenige Kilometer hat das Unheil zuletzt den Enzkreis verfehlt, um sich im Raum Ludwigsburg, Bietigheim und Korntal-Münchingen zu entladen. Die Unwetter, die für viele Experten ein Resultat globaler Klimaveränderungen sind, werden zur lokalen Angelegenheit mit zwar räumlich begrenzten, dafür umso heftigeren Folgen. Wirklich beruhigend ist diese Gewitter-Lotterie nicht; zumal nach den Erfahrungen von Anfang Juni, als Mühlacker im Zentrum eines Unwetters lag und erfahren musste, wie rasch es mit der Freude über einen erfrischenden Guss vorbei sein kann.

Immer häufiger, so scheint’s, braut sich am Himmel etwas zusammen, nachdem sich der Planet aufheizt. Seit Mai herrschte auffallend oft ein schwülwarmes Klima, das nicht nur den Organismus stresst, sondern auch Warnungen des Wetterdienstes nach sich zieht: Örtlich drohen Gewitter mit Starkregen, Hagel und Überschwemmungen – nur wo? Exakte Vorhersagen gibt es nicht, und während einst die Hochwassergefahr vor allem die Anwohner der Enz umtrieb, kann heute jeder kleine Bachlauf, jedes überlastete Kanalrohr und jede abschüssige Straße, über die das Wasser hinabschießt, zur Bedrohung fürs Eigentum und Eigenheim werden.

Vieles wirkt – womit sich der Kreis schließt zum Fußball und zur Politik – heute unberechenbarer als in der vielzitierten guten, alten Zeit. Aber vielleicht sind die vermeintlichen Turbulenzen auch nur eine Momentaufnahme und Teil einer allgemeinen Verunsicherung, weil die Welt insgesamt immer undurchsichtiger erscheint. „Unser Wohlbefinden“, heißt es in Frankreich, „ist oft nur eine Wetterfrage.“ Demnach wären Fußballprofis und Politiker, was das Klima im Land betrifft, außen vor.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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