Todesstoß?

Erstellt: 2. Mai 2015, 00:00 Uhr
Todesstoß? Todesstoß?

Die Chancen auf eine Rettung des
Sendermasts sind deutlich gesunken

Von Thomas Eier

So ist das manchmal mit den Ideen und Visionen – ruck, zuck werden sie von der Realität eingeholt. Für die Sender-Fans in und um Mühlacker hat ein Ortstermin in dieser Woche eine deutliche Ernüchterung mit sich gebracht. Ihr Konzept für eine neue Nutzung der Senderanlagen ist für den Papierkorb bestimmt, weil der Südwestrundfunk nun – im Gegensatz zu früheren, vagen Signalen – einem Verkauf des Geländes eine klare Absage erteilt. Es war mutig, fremdes Eigentum ohne Zusage gedanklich zu verplanen, doch ohne die Hallen und Gebäude muss sich nun niemand mehr Gedanken über neue Einnahmequellen machen.

War das schon der Todesstoß für den großen Sendermast, der vielen als das einzig wahre Wahrzeichen der Senderstadt gilt? Gegner eines Abbruchs werden nicht müde, die herausragende Bedeutung des stählernen „Spargels“ für Mühlacker und seine Geschichte zu betonen, während Pragmatiker gewaltig ins Grübeln kommen. Im Gemeinderat gibt es trotz aller emotionaler Verbundenheit keine Anzeichen dafür, dass eine Mehrheit gewillt wäre, auf Dauer in eine Instandhaltung des Masts zu investieren, und beim Eigentümer SWR hält sich die Wehmut ohnehin in Grenzen. Wie sollte der öffentlich-rechtliche Sender auch gegenüber den Beitragszahlern aus anderen Landesteilen begründen, dass ein nutzlos gewordenes Rundfunk-Relikt weiterhin mit viel Geld am Leben erhalten werden soll?

Die Summen, die im Raum stehen, sind kein Pappenstiel, und hinter der Variante, dass ein Verein mit ehrenamtlichen Mitstreitern allein über Beiträge und Sponsoren auf lange Sicht 80000 Euro jährlich aufbringen könnte, steht ein dickes Fragezeichen. 2016 müsste der Sendermast turnusgemäß für bis zu 300000 Euro frisch gestrichen werden, um ihn gegen Rost zu schützen. Wer aber soll für diese Kosten aufkommen?

Täuscht der Eindruck aus dieser Woche nicht – auch die Vertreter des Fördervereins wirkten auf Anhieb ratlos –, dann hat die Zeit des Abschiednehmens begonnen, weil der große Mast seinem kleinen Bruder, der schon 2013 gefallen ist, nachfolgen wird. Sieht man von dem wenig beeindruckenden Mini-Eiffelturm mit seinen Mobilfunkantennen ab, der danach allein den Senderstandort repräsentieren wird, werden in absehbarer Zeit alle, die an der Senderstadt hängen, auf Reminiszenzen wie die Senderstraße, die Sender-Apotheke oder die Senderstädter Bratwurst angewiesen sein, um die Erinnerung zu pflegen.

Es sei „kein guter Tag für den Verein“ stellte angesichts der deutlichen Aussagen vonseiten des SWR der Vorsitzende Frank-Ulrich Seemann fest. Vielleicht war es ein vorentscheidender Tag …

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