Teure Geschichte

Von Thomas Eier Erstellt: 4. August 2018, 00:00 Uhr
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Der Sender Mühlacker und der
Preis des Denkmalschutzes

Aus dem Bund der Steuerzahler ist ein Bund der Beitragszahler geworden: Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Zukunft des großen Sendermasts beschäftigt sich der Interessenverband mit der Frage, ob Erlöse aus Rundfunkgebühren für den Erhalt einer – in praktischer Hinsicht – nutzlos gewordenen Stahlnadel verwendet werden dürfen. Die Antwort des Anti-Geldverschwendungs-Vereins liegt auf der Hand: „Natürlich“, heißt es in einem Beitrag im Magazin „Der Steuerzahler“ gehöre es „nicht unbedingt“ zum Auftrag des SWR, ein technisches Relikt in Mühlacker zu bewahren, auch wenn es der Bevölkerung lieb und teuer ist.

Rein pragmatisch gesehen hat die Haltung des BdSt etwas für sich, wenngleich der Bürger auch ohne Sender-Debatte nicht immer glücklich sein dürfte, was die Verwendung der zwangsweise erhobenen Rundfunkbeiträge betrifft. Doch es geht hier nicht um die Qualität des Programms der öffentlich-rechtlichen Anstalten, sondern darum, ob und zu welchem Preis ein anerkanntes technisches Kulturdenkmal erhaltenswert ist. Der Sender Mühlacker, der einst über Mittelwelle die Menschen und Regionen verband, ist eben nicht nur ein ausrangiertes Rohr, sondern steht symbolhaft für fast 90 Jahre Rundfunkgeschichte, deren Bedeutung weit über die Gemarkung hinausreicht. Im Übrigen steht der Sender auch und in erster Linie für die Geschichte des Süddeutschen Rundfunks, der 1998 im SWR aufging. Ein Sender, der im Programm regelmäßig seine Heimatverbundenheit betont.

Im Tauziehen um den Sendermast stehen materielle gegen ideelle Werte, und wer letzteren Aspekt missachtet oder kleinredet, wird dem Thema Denkmalschutz nicht gerecht. Ansonsten müsste auch jeder Euro, der ins Kloster Maulbronn oder in die Burgruine Löffelstelz fließt, unter dem Kriterium der Kosten-Nutzen-Relation auf den Prüfstand. Beide Anlagen haben ihre ursprüngliche Funktion vor Jahrhunderten verloren.

Es gilt wie in jedem Fall abzuwägen zwischen dem Stellenwert eines kulturellen Erbes und dem Bemühen, keine öffentlichen Gelder zu verschleudern, wie es an anderer Stelle von Stuttgart bis Berlin millionenfach geschieht. Beide Seiten, SWR wie Sender-Fans, haben Argumente, doch spätestens mit dem Abriss des kleinen Bruders 2013 ist dem Letzten klargeworden: Was weg ist, ist weg – und wer nun im Stile eines Buchhalters mit spitzem Bleistift das große Pendant zum überflüssigen Ballast erklärt, verkennt die Strahlkraft eines 273 Meter hohen Leuchtturms, den viele als heimatliche Institution empfinden.

Deshalb sind in der Senderstadt Menschen bereit, Zeit und Geld in den Erhalt des Wahrzeichens zu investieren. Ein 170 Mitglieder starker Förderverein hat dem SWR (bislang vergeblich) angeboten, sich an den Unterhaltungskosten zu beteiligen; im Gespräch sind – noch ohne echte Sponsorensuche – fast 10000 Euro jährlich. Zuzüglich der Rundfunkbeiträge der Vereinsmitglieder …

Thomas Eier

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