Stadthalle? Nur?

Von Thomas Eier Erstellt: 22. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Stadthalle? Nur? Stadthalle? Nur?

Ob mit oder ohne Orchestergraben:

Wichtig ist ein attraktives Programm

Stadthalle oder Kulturhalle? Bei nüchterner Betrachtung ist diese vermeintliche Grundsatzentscheidung, mit der sich seit dieser Woche die Kommunalpolitik in Mühlacker beschäftigt, nicht zuletzt eine Frage der Definition. Denn warum sollte eine solide ausgestattete Stadthalle ohne großen Schnickschnack, dafür aber mit attraktivem, hochwertigem Programm, nicht automatisch auch eine Kulturhalle sein? Oder bemisst sich die Güte eines Angebots am (fehlenden) Orchestergraben?

Beispiel „Kulturhalle“ Remchingen, die sich diese selbstbewusste Bezeichnung nicht wegen einer besonders exklusiven Ausstattung oder besonders breiten Bühne verliehen hat, sondern weil hier zusätzlich zu den Veranstaltungen der Vereine ein eigenständiger Kulturbetrieb stattfindet, den die Kommune organisiert und bezahlt – analog zur Stadt Mühlacker, wo das Publikum zwar derzeit auf einen größeren Saal, nicht aber auf ein Kulturprogramm verzichten muss. Vorübergehend ist damit sogar unser altehrwürdiger Uhlandbau so etwas wie eine Kulturhalle geworden.

Ein Dauerzustand ist das nicht, weshalb die Stadtverwaltung nun ein erstes Grobkonzept für eine neue Stadthalle vorgelegt hat, das im neuen Jahr vertieft diskutiert werden soll. Nach den Vorschlägen aus dem Rathaus – und diese Klassifizierung bezieht sich aus Preisgründen auf die baulichen und ausstattungstechnischen Details – wird es keine Kulturhalle, sondern „nur“ eine solide Stadthalle geben. Ohne Orchestergraben und vielleicht ohne Vorbühne, was für den Laien eher zu verschmerzen ist. Deutlich wichtiger wären für ihn bewegliche Podeste für erhöhte Sitzreihen, damit im Zweifelsfall auch die Besucher im hinteren Teil des Saals eine gute Sicht haben. Hier aus Kostengründen Abstriche zu machen, könnte sich als Eigentor erweisen, wenn bei geschätzten 800 Sitzplätzen – die Größenordnung des Mühlehof-Saals – das letzte Drittel des Publikums nicht die Stars auf der Bühne, sondern nur Hinterköpfe sieht. In Remchingen wurden die ausfahrbaren Sitzstufen noch nachträglich installiert, und das nicht ohne Grund.

Über begriffliche Spitzfindigkeiten hinaus ist es wichtig, dass eine Stadthalle, in der hoffentlich ein reges Kulturleben stattfindet, mit einer ordentlichen (und bezahlbaren) Ausstattung allen alltäglichen Anforderungen genügt und so die Möglichkeit gibt, über das begrenzte Repertoire der letzten Mühlehof-Jahre hinaus weitere Veranstaltungsformate anbieten zu können – wie Konzerte regionaler Rockbands, die im kommunalpolitischen Diskurs immer wieder exemplarisch genannt werden.

Stadt- oder Kulturhalle? Wenn das Grundkonzept stimmt, dürfte diese Unterscheidung dem Publikum herzlich egal sein. Hauptsache, es läuft was, und dafür muss der neue Veranstaltungssaal den passenden Rahmen liefern.

Thomas Eier

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