Sichere Stadt?

Von Lukas Huber Erstellt: 30. April 2016, 00:00 Uhr
Sichere Stadt? Sichere Stadt?

Nachtleben: Konzept der Pforzheimer Wirte ist gut, reicht aber nicht aus

„Wenn Leute feiern gehen, wollen sie Spaß haben“, sagte Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager Anfang der Woche bei einer Pressekonferenz. Am Montag informierte er mit der „Gastro Initiative Pforzheim e.V.“ und dem Stadtmarketing WSP über das Projekt „Sicheres Ausgehen“. 26 Lokalitäten haben sich vereint, um gegen Störenfriede des Nachtlebens vorzugehen. Kommt es etwa zu einer Schlägerei, kann der Wirt ein Lokalverbot aussprechen und die Polizei rufen. Dieses gilt dann in allen an der Initiative teilnehmenden Gaststätten. Dadurch soll eine Art Gruppendynamik erzeugt werden: Begleiter eines aggressiven Gasts sollen auf ihn einwirken, damit künftige gemeinsame Kneipenbesuche nicht verwehrt bleiben.

 

Oft müssen sich der OB und die Wirte den Vorwurf gefallen lassen, Pforzheim sei „unsicher“. Und das, obwohl die Beteiligten betonen, dass es sich bei gewalttätigen Auseinandersetzungen um Einzelfälle handle – erzeugt von Menschen unter massiver Alkoholeinwirkung. Pforzheim sei aber nicht gefährlicher als andere Städte, so Hager.

 

Dass Wirte, Verwaltung und Polizei die Ängste der Menschen ernst nehmen und die Initiative ergreifen, um dem negativen Ruf der Ausgehstadt entgegenzuwirken, ist ein lobenswerter Ansatz. Gut denkbar, dass so der Gewalt in den Lokalen entgegengewirkt werden kann.

 

Doch man muss sich die Frage stellen, ob die Initiative nicht am eigentlichen Problem vorbeigeht. Eine Analyse der Polizeiberichte hat ergeben, dass es in den ersten Monaten dieses Jahres bereits zu einigen gewalttätigen Übergriffen gekommen ist. Zu handfesten Konflikten kam es dabei meist auf der Straße, etwa am Bahnhof, im Park oder auf dem Heimweg der Feiernden. Dazu ein besonders schockierendes Beispiel: Am späten Abend des 5. März wurde ein 30-Jähriger an der Altstädter Straße ohne nennenswerten Grund mit einem Messer angegriffen und dabei lebensgefährlich verletzt.

 

Die Initiative „Sicheres Ausgehen“ ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Doch scheinen Bars und Diskotheken – stützt man sich auf die Polizeiberichte – nicht Hauptschauplätze von Gewalt zu sein. Um also das Ziel zu erreichen, das Sicherheitsgefühl der Menschen in Pforzheim zu erhöhen, reicht das Projekt nicht aus. Möglicherweise können Sicherheitsdienste an exponierten Stellen oder mehr Streifenfahrten am Wochenende helfen. Doch das kostet Geld, und es dürfte jedem klar sein, dass nicht jeder Winkel der Stadt immer überwacht werden kann.

Ein Artikel zu dem Thema lesen Sie hier.

Lukas Huber

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