Sende(r)schluss

Erstellt: 2. November 2013, 00:00 Uhr
Sende(r)schluss Sende(r)schluss

Der kleine Mast fällt am Dienstag,
der große könnte ab 2016 folgen

Von Thomas Eier

Ein Kulturdenkmal? Das Wahrzeichen der Stadt? Ein guter Freund und Leuchtturm der Heimat? Oder doch nur ein nutzloses Relikt aus einer Zeit, als es den Süddeutschen Rundfunk noch gab und die Mittelwelle? Was ist er denn nun, „unser“ Sender?

Wie immer geht es um die Perspektive, und während die einen fleißig Unterschriften für den Erhalt der Anlage sammeln, planen andere schon den Teilabriss. Am kommenden Dienstag fällt der kleine Bruder, und vieles spricht dafür, dass der SWR – mit einer Gnadenfrist übers Gartenschaujahr hinweg – auch mit dem großen Sendermast wenig Federlesens macht.

Nicht nur dem Verein „Sender-City“, der die Verbundenheit im Namen trägt, blutet bei der Vorstellung eines Senderhangs ohne Sender das Herz. Doch während in Mühlacker der drohende Abbruch Emotionen weckt, macht der Eigentümer und Betreiber bislang nicht den Eindruck, als fühle er sich der eigenen Tradition verpflichtet. Längst ist auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf Sparkurs getrimmt, es wird knallhart kalkuliert. Kein Sinn und Zweck mehr, nur noch Kosten – sage einer dem SWR einen vernünftigen Grund, warum der Sender stehenbleiben sollte.

Mühlacker Tagblatt sammelt

Geschichten rund um den Sender

Die Argumente für den Erhalt sind Mühlacker Argumente, während in der Stuttgarter Rundfunkzentrale das Thema – zumindest nach den bisherigen Eindrücken und Verlautbarungen – mit sachlicher Distanz behandelt wird. Positive Signale, was ein Museum oder Ähnliches betrifft, gibt es bislang nicht.

Der Sender, der einst der Stadt zum Stadtrecht verhalf, ist ein Teil der Heimatgeschichte, und angesichts des drohenden Endes erscheint die Anlage, die einst für heftige Diskussionen sorgte, plötzlich als unumstritten. Anwohner fürchteten die Strahlung, die es heute nicht mehr gibt, es wurden Gutachten eingeholt und Experten gehört. Der Autor selbst brauchte, als er einige Jahre im Lomersheimer Hagen wohnte, kein Radio, das aktuelle SWR-Programm war auch über den Heizkörper zu hören.

Solche und ähnliche Geschichten möchte unsere Zeitung sammeln und hat deshalb einen Aufruf über das Internet gestartet und die Leser gebeten, ihre persönlichen Erlebnisse und Emotionen rund um den Sender zu schildern (www.muehlacker-tagblatt.de).

Man mag vom Sender, seiner Bedeutung und seiner Ausstrahlung halten, was man will. Doch folgt irgendwann der große Mast dem kleinen nach und kracht auf die Wiese, wird – nomen est omen – der Senderstadt etwas fehlen.

Weiterlesen
Hohe Opferzahl

Hohe Opferzahl

Schwimmbäder sind wichtig. Das zeigt die traurige Statistik der DLRG. 445 Menschen sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres ertrunken – 148 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das meldete die… »