Schwere Geburt

Von Ramona Deeg Erstellt: 1. Juni 2019, 00:00 Uhr
Schwere Geburt Schwere Geburt

Kreißsaal-Wiedereröffnung ist
kein leichtes Unterfangen

Hebammen schwärmen von ihrem Beruf, betonen aber im gleichen Atemzug, dass es ihnen manchmal an Anerkennung mangele. Etwa, wenn im Kreißsaal nahezu standardmäßig gefragt wird: „Wann kommt denn der Arzt?“ Dabei ist gesetzlich geregelt, dass ein Arzt eine Hebamme zur Geburt hinzuziehen muss – nicht umgekehrt. Schon das allein unterstreicht die Wichtigkeit dieser Berufsgruppe. Denn ohne sie gibt es keinen Kreißsaal.

Genau das ist in Mühlacker zum zweiten Mal binnen weniger Jahre der Knackpunkt. Die Verantwortlichen des Krankenhauses und der Kreispolitik werden nicht müde, zu betonen, dass sie am Kreißsaal festhalten wollen. Nun werden Ideen und Konzepte überprüft sowie mögliche Szenarien durchgeplant, und am Ende soll eine solide Lösung präsentiert werden. Es wird aber auch betont: Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Honorar-Hebammen, so heißt es mehrfach hinter vorgehaltener Hand, bekäme man frühestens im Januar. Ausbildung und Studium sowie die anschließende Anerkennungsphase nehmen zudem mehrere Jahre Zeit in Anspruch. Sprich: Eine kurzfristige Lösung ist, wenn man sich die Gemengelage nüchtern betrachtet, nicht in Sicht.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich die Verantwortlichen davor scheuen, einen zeitlichen Horizont für eine Wiedereröffnung zu nennen. Denn die Personalgewinnung erweist sich trotz Messeständen und Werbungen auf nahezu allen Kanälen als schwierig – trotz der Betonung von Vorteilen wie Gesundheitsmanagement und Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber auch das ist auf den zweiten Blick nicht ganz überraschend: Berufsanfängerinnen zum Beispiel wollen oft an Kliniken mit hohen Geburtenzahlen Erfahrung sammeln und dazulernen. Hebammen mit einer gewissen Berufserfahrung sind in ihrer Region verwurzelt, haben meist selbst Familie und wollen bedingt durch die Schichtarbeit, die sie nicht selten durch freiberufliche Tätigkeiten in der Nachsorge ergänzen, keine weiten Anfahrtswege auf sich nehmen. Oft, heißt es in mehreren Gesprächen diese Woche, sei schon der Weg zum Arbeiten in den Nachbarlandkreis für viele Hebammen nicht mehr attraktiv.

Diese unterschiedlichen Argumente erklären das Problem, vor dem die Verantwortlichen des RKH Krankenhauses in Mühlacker stehen, zumindest ansatzweise. Sie machen aber eines sehr deutlich: Leicht wird das Projekt Kreißsaal-Wiedereröffnung nicht.

Ramona Deeg

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