Schön, aber …

Von Thomas Eier Erstellt: 6. Juli 2019, 00:00 Uhr
Schön, aber … Schön, aber ...

Was bringt ein moderner Bahnhof,
wenn der Betrieb nicht rund läuft?

Während auf dem Vorplatz weitgehend pünktlich der kleine Empfang zur Einweihung des modernisierten Bahnhofs beginnt, kündigt die Anzeigetafel im Hintergrund den nächsten Zug – in diesem Fall den Intercity der Bahn – mit 20-minütiger Verspätung an. Eine symbolträchtige Szene vom Donnerstagvormittag in Mühlacker, wo die millionenschwere Aufwertung der Infrastruktur überschattet wird von der Unzuverlässigkeit des Betriebs.

Mit dem Einbau der Aufzüge zur Gartenschau 2015 und, als zweitem Schritt, dem nun abgeschlossenen Umbau der Bahnsteige hat die alte Eisenbahnerstadt Mühlacker – sofern demnächst noch die Fußgängerunterführung und die neue Mobilitätszentrale fertig werden – nicht nur einen schmucken, sondern auch gut ausgestatteten Bahnhof. Mit Kiosk, Bäcker, Döner-Restaurant und Schalterservice, dazu mit einer neuen Verleihstation für E-Fahrräder und, in Bälde, einem Car-Sharing-Angebot mit Elektroautos, damit Bahnreisende auch ohne eigenes Auto mobil sind. Alles in allem hat der Haltepunkt Mühlacker, der davor an Bedeutung verloren hatte, einen deutlichen Aufschwung erfahren.

Die Hardware stimmt, und das nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt Mühlacker – die jetzige Modernisierung eingeschlossen – seit der Jahrtausendwende fast dreieinhalb Millionen Euro in die Bahnanlagen, den Bahnhofsvorplatz und das nähere Umfeld investiert hat, während sie als Dank dafür über Jahre hinweg gegen immer neue Sparpläne der Deutschen Bahn für den Kundenservice im Reisezentrum kämpfen musste. Kurz bevor in dieser Woche der gemeinsame Umbauerfolg gefeiert wurde, hatte sich die Bahn – offenbar schwer getroffen durch den Betreiberwechsel auf der Schiene – mit ihrem Personal aus dem Mühlacker Bahnhof verabschiedet.

Inzwischen fahren die privaten Konkurrenten Go-Ahead und Abellio, doch die Probleme sind zumindest in der Anfangsphase dieselben geblieben. „Pünktlichkeit“, schrieb Oberbürgermeister Frank Schneider als Festredner bei der Einweihungsfeier den beteiligten Unternehmen und Verkehrspolitikern ins Stammbuch, sei ein „extrem wichtiger Aspekt“ für die Kundschaft, die schließlich Anschlüsse erreichen und Termine einhalten müsse. „Hier gibt es akuten Handlungsbedarf in Deutschland.“

Oder anders formuliert: Was nützt der schönste Bahnhof, wenn es weder die Deutsche Bahn noch ihre Nachfolger schaffen, einen Fahrplan auch nur annähernd einzuhalten? So wird die Freude über neue Bahnsteige unweigerlich getrübt, wenn der Zug nicht oder wieder einmal mit deutlicher Verspätung fährt.

Ein zuverlässiger, attraktiver Regionalverkehr auf der Schiene erhält mit Millionenaufwand den passenden baulichen Rahmen verliehen – so wäre die richtige Reihenfolge. Stattdessen bleibt es dabei: Der Service hinkt hinterher.

Thomas Eier

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