Schlüsselfertig

Erstellt: 31. Januar 2015, 00:00 Uhr
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Was bei der Kinderkrippe funktioniert hat, geht beim Jugendhaus daneben

Von Thomas Eier

Einst galten öffentliche Aufträge als Sahnestücke für das heimische Handwerk, das besonders gerne vor eigenem Publikum seine Leistungsfähigkeit demonstriert. Ein echtes Vorzeigeprojekt ist – theoretisch – auch das neue zentrale Jugendhaus in Mühlacker, das am Rande des Gartenschau-Geländes durch eine markante Architektur und ein modernes Innenleben besticht. Nicht zufällig sind in diesem Fall etliche Betriebe aus Mühlacker und Umgebung mit im Boot, die in ihren jeweiligen Sparten für fachliche Qualität und Zuverlässigkeit stehen. Allein: Es hilft ihnen wenig.

Vorbei die Zeiten, da öffentliche Aufträge reibungslose Abläufe und satte Gewinne garantierten. Der Kostendruck regiert, und in vielen Fällen verzichten die ortsansässigen Firmen, die solide Löhne bezahlen, bereits freiwillig auf eine Teilnahme am Wettkampf um ein städtisches Bauprojekt, den sie gegen die billigere Konkurrenz kaum gewinnen können – zum großen Leidwesen der Kommune und ihres Gemeinderats, die nur zu gerne ihre heimischen Betriebe bevorzugen würden und es aus vergaberechtlichen Gründen nicht dürfen.

Nun der Sonderfall: Zum Pauschalpreis von einer Million Euro baut ein Generalunternehmer ein städtisches Jugendhaus, setzt dafür seinen bevorzugten Architekten als Bauleiter ein und regelt die Aufträge für einzelne Gewerke im direkten Kontakt mit den Handwerkern. Am Ende übernimmt die Stadt ein schlüsselfertiges Gebäude, das genau den Wünschen und vor allem den Vorgaben im Vertrag entspricht. Soweit die Theorie, die im Fall der Kinderkrippe „Rabennest II“ erst unlängst zur schönen Realität geworden ist.

Den Kontrast liefert das neue Jugendhaus, wo es – wie zu hören ist – beim „schlüsselfertigen Bauen“ keinesfalls Hand in Hand ging, sondern eher drunter und drüber. Ohne echte Bauleitung, klagen die beteiligten Betriebe, sei teilweise mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet worden. Und wenn trotz aller Hürden die Arbeit doch geschafft ist, fließt noch nicht einmal Geld.

Die Stadt ist mehrfach betroffen: Für ihr Geld, das sie dem Generalunternehmer pünktlich überwiesen hat, wird sie in Teilbereichen mit Pfusch am Bau belohnt, die Zeit drängt, und die Handwerker klopfen an und erinnern den öffentlichen Bauherrn an seine moralische Verantwortung. Unabhängig vom drohenden Rechtsstreit ist zu befürchten, dass die echte Schlussrechnung höher ausfallen wird als der Pauschalpreis.

Die Lehren? Ein gesundes Misstrauen, was den auserwählten Generalunternehmer betrifft, ständige Kontrollen auf der Baustelle oder aber – wie von der Handwerkskammer gefordert – gleich eine direkte Zusammenarbeit mit den Betrieben wie in der guten alten Zeit. Nicht unbedingt sparsam diese Variante, aber ziemlich sicher ihren Preis wert.

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