Sauerei

Von Thomas Eier Erstellt: 30. Juni 2018, 00:00 Uhr
Sauerei Sauerei

Die Polizeistatistik und das Problem
der Schmierfinken und Vandalen

Es gibt wie so oft zwei Seiten der Medaille. Einerseits wirkt es beruhigend, wenn in einer Gemeinderatssitzung, in der es um die Kriminalität in der Stadt geht, weniger über schwere Verbrechen als über Schmierereien und mutwillige Sachbeschädigungen gesprochen wird. Andererseits aber sind die Schäden viel zu massiv, als dass Fälle von Vandalismus als harmlose Kavaliersdelikte oder Dummejungenstreiche durchgehen könnten. Es handle sich, sagte OB Frank Schneider, um Straftaten und zudem, wie ein zorniger Rathauschef anmerkte, um „eine Sauerei“.

Konkreter Anlass für den Ärger waren die Schriftzüge und Aufkleber, die Unbekannte auf den bebilderten Infotafeln am Löffelstelzweg hinterlassen hatten, die im Zuge eines Bürgerprojekts zur Gartenschau installiert worden waren. Ihre Verunstaltung gilt – nach diversen anderen Fällen in den Enzgärten und andernorts – als Paradebeispiel dafür, wie rücksichts- und respektlos manche mit jenen Dingen umgehen, die andere mit viel Einsatz und Herzblut auf den Weg bringen. Der Verdacht von Revierleiter Karlheinz Lachstädter: Die mutmaßlich jungen Täter machten sich über die Folgen ihres Handelns keine großen Gedanken – womit er die Sachbeschädigungen aber keinesfalls verharmlosen oder entschuldigen wollte. Macht doch die Sinnlosigkeit der Zerstörungen das Ganze umso ärgerlicher.

Was tun? Die Polizei bittet, alle Anzeichen von Zerstörungswut und sonstige verdächtige Beobachtungen umgehend zu melden, und auf Hinweise hofft auch das Bürger- und Ordnungsamt der Stadt, während die Stadtwerke Mühlacker, die ebenfalls über Schmierereien und Sachbeschädigungen an ihren Trafohäuschen und anderen Liegenschaften klagen, sogar eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt haben. Eine Reaktion, die zeigt, dass das Problem gewichtig und deshalb verstärkt im Fokus ist.

„Mühlacker bleibt ein sicheres Pflaster“, titelte unsere Zeitung nach der Präsentation der Polizeistatistik im Gemeinderat – und ein Leser hat prompt widersprochen. „Mühlacker war ein sicheres Pflaster“, lautet seine Einschätzung, nachdem Vandalen (oder Metalldiebe) beim Versuch, ein Bronzeornament vom Grab des Sohnes auf dem Friedhof St. Peter zu stehlen, den Grabstein schwer beschädigt hätten – ein besonders verwerflicher Vorgang und dazu kein Einzelfall. „Für die Betroffenen blieb Mühlacker natürlich kein sicheres Pflaster“, merkt der Leser an und zeigt damit die Grenzen einer statistischen Erhebung auf. Jede Straftat sei eine zu viel, sagt Revierleiter Lachstädter, und das gilt für Gewalttaten und Diebstähle genauso wie für grundlose Sachbeschädigungen zulasten der Allgemeinheit.

Thomas Eier

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