Radschläge

Von Thomas Eier Erstellt: 14. Juli 2018, 00:00 Uhr
Radschläge Radschläge

Ein Konzept als Hoffnungsträger
für die umweltfreundliche Mobilität

Der Autor zählt sich zu den klassischen Gelegenheitshobbyausflugsradlern. Für die Arbeit braucht er das Auto, und Einkäufe mit Rad und Rucksack sind ihm zu lästig. Aufs Mountainbike steigt er nur bei schönem Wetter und wenn er Lust dazu hat. Was er keinesfalls ist: ein Überzeugungstäter, der jeden abgestrampelten Kilometer für einen persönlichen Beitrag zur Rettung des Weltklimas hält. Das Fahrrad ist für ihn vor allem ein netter Zeitvertreib.

Fraglich also, ob der Autor, wenn es um den Zustand der Radwege in Mühlacker geht, überhaupt die nötige Qualifikation für ein Urteil mitbringt. Andererseits kennt er beide Seiten, weil ihn als Autofahrer die lästigen Radler und als Radler die Drängler auf vier Rädern nerven. Die Erkenntnis einer bipolaren Persönlichkeit: Ein Freizeitradler, der sich entspannt fortbewegen will, wird sich bemühen, dem fließenden Verkehr, der sich hierzulande vor allem über motorisierte Fahrzeuge definiert, nicht allzu sehr in die Quere zu kommen. Deshalb würde er, um ein Beispiel zu nennen, niemals über die Ötisheimer Straße mit ihrer zweispurigen Einmündung fahren und von hier aus auf die vierspurige B10 einbiegen. Dies käme einer Provokation und Mutprobe gleich, folglich sucht er sich lieber gefahrlose Schleichwege in Richtung Freibad und Enztalradweg, die im Zweifelsfall über Gehwege und Fußgängerampeln führen.

Verboten? Seien wir realistisch: Geht es in Mühlacker um das Fahrrad als Alternative, wird niemand ein ähnlich lückenlos und breitspurig ausgebautes Straßennetz erwarten, wie es fürs Auto selbstverständlicher Standard ist. Der Radfahrer muss mit Tücken und Kompromissen leben und damit, dass er als Verkehrsteilnehmer nur dann vollständig akzeptiert ist, wenn er sich auf einsamen Feldwegen bewegt. Ein Schild angebracht, und alles ist gut? Einen Randstreifen auf die Straße gepinselt, fertig ist der Radweg? So etwas funktioniert nur, wenn Rücksicht genommen wird, und das ist leider nicht garantiert.

Die Radwegekonzeption, die in Mühlacker umgesetzt werden soll, wird nicht jedes Problem lösen, jedes Risiko ausschalten, jede Barriere und jeden Bordstein glätten. Vor allem dort, wo Lücken klaffen, die nur mit größerem baulichen Aufwand geschlossen werden können, ist mehr Komfort für Radler am Ende eine Geldfrage, doch unabhängig davon kann schon das Bemühen um Verbesserungen dazu beitragen, den Blick für die Bedürfnisse jener zu schärfen, die sich ohne Auto durch die Stadt bewegen.

Schön wäre es, wenn offensichtliche Stolperfallen und Gefahrenstellen angegangen würden, und noch schöner wäre es, wenn irgendwann das Kopfzerbrechen über sichere und bequeme Routen überflüssig wäre, weil sie in allen Richtungen vorhanden sind. Doch um diesen Idealzustand zu erreichen, muss sich Mühlacker noch gewaltig abstrampeln.

Zum Thema Sicherheit auf zwei Rädern
siehe auch Interview auf Seite 10.

Thomas Eier

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