Pfeife!?

Von Thomas Eier Erstellt: 9. November 2019, 00:00 Uhr
Pfeife!? Pfeife!?

Schiedsrichter machen Fehler, haben
aber dennoch Respekt verdient

Als Vater eines Jugendfußballers steht der Autor regelmäßig am Spielfeldrand und hat unlängst erlebt, wie leicht eine Situation aus dem Ruder laufen kann. Im konkreten Fall trug die nach Ansicht der Heimelf überharte Gangart des Gegners dazu bei, dass mit fortschreitender Dauer die Emotionen hochkochten, während sich der noch jugendliche Schiedsrichter bemühte, seine Altersgenossen im Zaum zu halten. Am Ende verließen die Gastgeber auf Wink ihrer Trainer das Feld, und während diese Entscheidung zwischen Protest und Fürsorge formell als „Spielabbruch“ deklariert wird, musste sich der junge Unparteiische einiges anhören.

Beim Vater am Spielfeldrand, der früher selbst gegen den Ball trat, bleiben zwiespältige Gefühle zurück. Einerseits schätzt und versteht er die beiden Trainer, die ihr eigenes Team zur Fairness anhalten, andererseits respektiert er die Leistung und Bedeutung engagierter (Nachwuchs-)Schiedsrichter, die mit ihrem Einsatz einen funktionierenden Spielbetrieb erst möglich machen. Deshalb zieht er ausdrücklich den Hut vor dem jungen Mann, denn um nach weniger schönen Erfahrungen im Schiedsrichteramt nicht die Flinte – oder besser: Pfeife – ins Korn zu werfen, braucht es eine Menge Sportsgeist und Courage.

Warum tut sich jemand so etwas an?, fragen sich viele, die zwar den Fußball lieben, sich selbst jedoch nie zutrauen würden, ein Spiel zu leiten. Zuletzt, nach dem brutalen Faustschlag gegen einen Schiedsrichter bei einer C-Liga-Partie in Hessen, wurde viel über die Motivation und den Mut der ehrenamtlichen Unparteiischen gesagt und geschrieben – und über das Aggressionspotenzial im deutschen Amateurfußball. Von Respekt und Hochachtung gegenüber dem Mann oder der Frau an der Pfeife ist oftmals nicht viel zu spüren, während sich Betreuer und Zuschauer ereifern und bei mehr oder minder talentierten Kickern, die sich chronisch benachteiligt fühlen, die Hemmschwelle sinkt. Entscheidungen sportlich fair zu akzeptieren, ist offenbar nicht jedermanns Sache, und Negativbeispiele gab es in den vergangenen Wochen auch auf den Sportplätzen in der Region.

Wer als Ausrede für Beleidigungen und sonstige Anfeindungen Begriffe wie Temperament oder Emotionen bemüht, die „zum Fußball dazugehören“, sollte sich bewusst sein, dass es Grenzen gibt, die das Gefühl für Anstand lange vor einem Faustschlag ins Gesicht zieht. Der ist am Ende nur die Spitze des Eisbergs.

Der Fußball braucht die Schiedsrichter, aber umgekehrt ..? Händeringend suchen die Obmänner der Verbände nach Kandidaten, und weil es nur gemeinsam geht, hier der x-te Appell: Gehen wir fair und respektvoll miteinander um – und das beginnt bei jedem Vater und jeder Mutter am Spielfeldrand.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Graffiti?

Graffiti?

Junge Täter werden eingespannt,um Schmierereien zu entfernen Über Wochen und Monate hinweg hatten Fußballparolen, die nicht nur VfB-Anhängern ein Dorn im Auge waren, an der Unterführung beim Kreisel der Ötisheimer… »