Partymüll

Von Thomas Eier Erstellt: 5. Mai 2018, 00:00 Uhr
Partymüll Partymüll

Die Begleiterscheinungen von
Trinkgelagen sind ein Dauerärgernis

Alles neu macht der Mai, heißt es, doch manches kommt uns bekannt vor. Weil das bisherige Festgelände in Mühlhausen abgeschottet wurde, hat sich in diesem Jahr die Abschlussparty der Mai-Wanderungen an den Wullesee verlagert – mit ähnlich unerfreulichen Begleiterscheinungen.

Ohne in den Tonfall einer Gardinenpredigt verfallen zu wollen, sei die Frage erlaubt, warum im Zuge eines allgemeinen Trinkgelages zwingend das Gelände vermüllt und das Mobiliar demoliert werden muss. Auch der Autor ist – damals noch mit simplem Standard-Leiterwagen ohne Lautsprecherboxen – durch die Lande gezogen, und geladen hatte er nicht nur Mineralwasser und Apfelschorle. Doch trotz erhöhter Promillewerte ging es um den Spaß und nicht darum, einen möglichst großen Saustall zu hinterlassen.

Es braucht keinen Heiligenschein und keinen erhobenen Zeigefinger, um festzustellen, dass ein mutwillig zerstörter Tisch und ein Bollerwagen, der in den See geschmissen wird, ebenso wenig von guter Stimmung zeugen wie zerdepperte Flaschen in der Landschaft. Schon eher ist zu vermuten, dass bei manchen mit dem Alkoholpegel nicht die Ausgelassenheit, sondern der Frust wächst. Nicht umsonst ist von „Zerstörungswut“ die Rede, und da passt der unbekannte Schmierfink, der unlängst die Enzgärten heimsuchte, bestens ins Bild. Auf diese Art Spuren zu hinterlassen, wirkt weder originell noch mutig oder cool, sondern im Gegenteil ein wenig trostlos.

Sparen wir uns zum „Mühlacker Frühling“, wenn wieder Tausende von Besuchern eine entsprechende Menge Müll produzieren, die Floskel vom schonenden Umgang mit der Umwelt und bauen stattdessen auf den gesunden Menschenverstand, der eigentlich dagegen sprechen müsste, ohne Not die eigene Umgebung zu verschandeln. Das gilt in der Innenstadt genauso wie in Mühlhausen, am Wullesee oder in den Enzgärten, aber auch an jedem x-beliebigen Grillplatz oder an sonstigen Treffpunkten, wo in der warmen Jahreszeit gerne gemeinsam gebechert wird. Selbst wenn jemand zu faul sein sollte, seinen Abfall wieder mitzunehmen, muss er ihn deshalb nicht weitläufig verteilen. Es sei denn, es geht darum, zu provozieren, weil sich andere, die den fremden Dreck wegräumen müssen, zurecht ärgern.

Sollten also Müll und Scherben, Graffiti und Vandalismus Ausdruck einer modernen Protestbewegung gegen Überflussgesellschaft und Spießertum sein? Eine Auflehnung der Dreckspatzen gegen die Saubermänner dieser Welt? Falls ja, wäre das ziemlicher Müll.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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