Ohne General

Von Thomas Eier Erstellt: 12. Januar 2019, 00:00 Uhr
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Die Erfahrungen der Stadt Mühlacker
mit dem schlüsselfertigen Bauen

Ein schmucker Neubau, der für einen (günstigen) Festpreis zu einem festgelegten Termin bezugsfertig übernommen werden kann – diese verlockende Vorstellung hat, gepaart mit gehörigem Zeitdruck und dem Wunsch, die Verwaltung zu entlasten, die Stadt Mühlacker einst dazu verleitet, drei größere Projekte an Generalunternehmer zu vergeben. Erfüllt wurden die Erwartungen nur in einem Fall – beim Bau der neuen Kinderkrippe Hauptmannstraße –, während die Entstehungsgeschichten des Jugendhauses und des Feuerwehrhauses in Enzberg geprägt waren von immer neuen Hiobsbotschaften. Pfusch am Bau und lange Mängellisten, Nachbesserungen, Verzögerungen und, als Krönung, die Kündigung der Verträge mit dem Jugendhaus-Generalunternehmer, der Insolvenz anmeldete.

Unterm Strich keine Erfolgsgeschichte, auch wenn alle drei Vorhaben zumindest preislich im Rahmen blieben. Von der Vorstellung, die Zusammenarbeit mit einem einzigen Partner garantiere reibungslose Abläufe und ein Gebäude aus einem Guss, haben sich Verwaltung und Gemeinderat nach den Erfahrungen der Vergangenheit verabschiedet – und dennoch schlägt das Thema, sozusagen als Epilog, noch einmal in negativer Weise auf. In Form eines Rüffels der Gemeindeprüfungsanstalt, die in ihrem Bericht das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren rügt.

So bleibt auch in rechtlicher Hinsicht ein Nachgeschmack, wenngleich die Verwaltung in einem Punkt beruhigen kann: Weil im Verfahren mit Generalunternehmern ein – wenn auch eingeschränkter – Wettbewerb stattgefunden hat, gebe es für Firmen, die nicht zum Zuge gekommen seien, keinen Ansatz für späte Regressforderungen.

Immerhin, mag der Bürger und Steuerzahler denken, aber noch schöner wäre es, wenn ganz unabhängig von der Schuldfrage im Einzelfall die Bauprojekte der öffentlichen Hand ohne Probleme oder Mehrkosten über die Bühne gehen würden. So bereitete an der Lindach-Sporthalle lange das undichte Dach – auch hier ging die zuständige Firma in Insolvenz – Kopfzerbrechen, während die Hauptfeuerwache am Senderhang zwar im klassischen Verfahren mit einzelnen Gewerken ausgeschrieben, dafür aber ständig teuerer wurde.

Das nächste Millionenprojekt kündigt sich mit dem Bau einer neuen Stadthalle an, aber wer heute schon davon ausgeht, dass sie teurer werden wird als gedacht, ist ein hoffnungsloser Pessimist.

Thomas Eier

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