Netz aus Lügen

Von Thomas Eier Erstellt: 25. August 2018, 00:00 Uhr
Netz aus Lügen Netz aus Lügen

Eine perfide Betrugsmasche und
das Urteil gegen eine Mittäterin

Die Gefühle sind zwiespältiger Art. Einerseits macht es Mut, dass es nach einer Vielzahl von Fällen wieder einmal gelungen ist, eine Beteiligte an perfiden Betrügereien übers Telefon dingfest zu machen, andererseits aber sorgt das Strafmaß, das in dieser Woche das Schöffengericht in Pforzheim verhängt hat, für neue Diskussionen: ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, dazu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit – ist das wirklich angemessen?

Anrufer, die sich als Verwandte des Opfers oder als Kriminalbeamte ausgeben und mit ausgefeilten Geschichten versuchen, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen – diese Masche, bei der die Täter ebenso raffiniert wie rücksichtslos vorgehen, muss bei jeder ehrlichen Haut auf Abscheu stoßen. In Wiernsheim hat eine Seniorin, die den findigen Betrügern um ein Haar auf den Leim gegangen wäre, ihrerseits die Falle ausgelegt und so entscheidend dazu beigetragen, eine Mittäterin, die die Beute abholen sollte, zu entlarven. Während die Hintermänner solcher Delikte im Ausland vermutet werden und schwer zu fassen sind, wurde die 36-jährige Geldbotin – siehe oben – jetzt verurteilt.

Die Frau ist Mutter eines minderjährigen Kindes, nicht vorbestraft und geständig, aber dennoch ist sie für das allgemeine Empfinden mit einer Bewährungsstrafe noch sehr gut bedient. Immerhin hat sie sich zur Komplizin eines gewerbsmäßigen Betrugs gemacht, der allein schon wegen der Auswahl der Opfer – in aller Regel ältere Leute, die nicht selten ihre gesamten Rücklagen und den Glauben an die Menschheit verlieren – als besonders verwerflich gilt. Die Folgen für die Opfer, die auf falsche Beschützer aus Reihen der „Kriminalpolizei“ oder, im konkreten Fall, des „Bundeskriminalamts“ hereinfallen, gehen über den materiellen Verlust hinaus, weil Scham und Selbstvorwürfe hinzukommen. Der Schaden ist immens, und schon deshalb ist der Wunsch verständlich, wonach die Täter, wenn sie in seltenen Fällen erwischt werden, die ganze Härte des Gesetzes treffen möge.

Mag sein, dass die Angeklagte im arbeitsteiligen System der international agierenden Banden nur eine Mitläuferin und Handlangerin war, aber entschuldigen lässt sich ihre Beteiligung damit nicht. Geldsorgen dürfen kein Grund sein, alle Skrupel über Bord zu werfen, und immerhin musste sie im Gegensatz zu ihren Auftraggebern dem Opfer persönlich gegenübertreten und sich darüber klar sein, was sie anrichtet. Statt der zugesagten zehn Prozent der Beute gab es für sie ein Verfahren – immerhin.

Die wirksamste Waffe gegen die Betrüger ist Aufklärung, weshalb die Polizei nicht müde wird, vor immer neuen Strategien der Täter zu warnen, die nicht nur mit großer krimineller Energie, sondern auch mit besonderer Überzeugungskraft und Unverfrorenheit agieren, wenn es darum geht, am Telefon ein Netz aus Lügen zu stricken und die Schwachpunkte des Opfers auszuloten. Immer dann, wenn sie erfolgreich sind, wächst der Zorn – auch gegen die „kleinen Fische“, die den Boten spielen.

Thomas Eier

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