Mündige Bürger

Von Thomas Eier Erstellt: 9. Mai 2020, 00:00 Uhr
Mündige Bürger Mündige Bürger

Im Zeichen der Lockerungen ist
umso mehr Rücksichtnahme gefragt

Passend zum Wonnemonat Mai und den sommerlichen Temperaturen haben Politiker und Behörden in dieser Woche das von freiheitsliebenden Demonstranten beklagte Gängelband der Corona-Verordnungen deutlich gelockert. Nach und nach wird das öffentliche Leben wieder von der Leine gelassen, und wer sich zuletzt bevormundet fühlte, darf alte Freiheiten neu genießen. Wobei die vielen Tücken im Detail zeigen, dass es einfacher ist, ein Land stillzulegen, als es unter den Vorzeichen einer weiterhin grassierenden Virus-Pandemie wieder hochzufahren.

Auf Drängen der Regierungschefs in den Ländern ist die Verantwortung von der Bundesebene nach unten delegiert, wo die Landkreise ihre Infektionszahlen künftig noch wachsamer im Auge behalten werden und Landräte wie Bastian Rosenau – siehe Interview in dieser Ausgabe – vor allzu großer Sorglosigkeit warnen. Am Ende werden die mündigen Bürger selbst entscheiden, welches Risiko sie für sich und andere eingehen wollen, und darüber, ob sich der wochenlange Stillstand, der das Land teuer zu stehen kommt, nachhaltig gelohnt hat. Wenn sich, ob beim Einkauf oder beim Friseurbesuch oder demnächst wieder im Restaurant oder im Fitnessstudio, alle weiterhin an die Regeln halten, kann der Spagat gelingen. Im Zweifelsfall dürfte uns die Maskenpflicht, gepaart mit dem Verzicht auf liebgewonnene Dinge vom Flugplatzfest bis zum Stadionbesuch, daran erinnern, dass längst nicht alles ist wie im vergangenen Jahr.

Manche, die das Ganze ohnehin für völlig übertrieben oder sogar für politisch motiviert und gesteuert halten, rechnen auf der Basis der aktuellen Fallzahlen das Problem klein, als sei der Enzkreis eine Insel und als hätte es die Horrorbilder aus Italien, Spanien, New York etc. nie gegeben. Doch wer weiß, wie die Lage hierzulande wäre, hätte der Staat nicht reagiert, sondern dem Virus freien Lauf gelassen. Verschwörungstheorien seien, sagt deshalb nicht nur der Landrat, „völliger Unsinn“.

Wer sich in der Hochphase der Krise unterdrückt fühlte, hat nun die Chance, sein Verantwortungsbewusstsein zu demonstrieren, indem er über die schrittweise Rückkehr zum Alltag nicht die Rücksichtnahme auf Andere, Schwächere vergisst. Die Wirtschaft wieder anzuschieben, um Betriebe und Geschäfte vor dem Aus zu bewahren, ist richtig und wichtig, aber solange das Virus nicht besiegt ist, braucht es Pragmatismus und keinen Egoismus.

Thomas Eier

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