Mehr Profis für die Basis

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 30. Dezember 2017, 00:00 Uhr
Mehr Profis für die Basis Mehr Profis für die Basis

Auch der Sport vor Ort braucht hauptberufliche Kräfte und dafür Geld

Was soll er nicht alles leisten, der Sportverein?! Er soll die Moppeligen schlank machen, die Gebrechlichen kräftigen, die Unbeweglichen in Schwung bringen, die Kinder selbstbewusst machen, die Jugend von der Straße holen – und ganz nebenbei noch die nächsten Olympiasieger ausbilden. Eine Herkulesaufgabe, wie unser ausführliches Interview mit WLSB-Präsident Andreas Felchle in dieser Woche (Mühlacker Tagblatt vom 27. Dezember) aufgezeigt hat.

Allein mit Ehrenamtlichen ist das nicht zu stemmen, vor allem die Ausbildung international erfolgreicher Top-Athleten wird so scheitern. Spitzensport fängt nicht erst im Leistungszentrum an, er beginnt ganz unten. In den Vereinen in Mühlacker, Maulbronn oder – wie im Fall von Karina Mantai, über die wir an diesem Freitag berichtet haben – beim SV Illingen. In einem der kleinsten Fechtvereine Deutschlands und Baden-Württembergs hat sie den Umgang mit dem Degen erlernt und es 2017 zu den U20-Weltmeisterschaften geschafft.

Damit eine solche Erfolgsgeschichte gelingt, müssen vor allem zwei Dinge zusammenkommen. Ein Kind mit angeborenem Leistungswillen, wie Karina Mantai eines war. Schon mit zehn Jahren konnte ihr das Training selten lang und hart genug sein. Und ein hervorragender, selbst top ausgebildeter Trainer, wie sie ihn seinerzeit im früheren Olympiasieger Wladimir Resnitschenko fand, der schon zu Beginn die richtigen Grundlagen zu legen wusste, auf die sich später im Leistungszentrum aufbauen ließ.

Es braucht also Profis auch an der Basis. Für hauptberufliche Honorartrainer aber fehlt vielerorts das Geld. Gerade in Randsportarten finanzieren sich die Vereine meist ausschließlich durch ihre Mitglieder, tun sich schwer mit der Sponsorensuche – weil das Firmenlogo eben nicht alle 14 Tage beim Heimspiel auf den Trikots zu sehen ist. Und vom Verkauf gespendeter Kuchen beim Heimturnier einmal im Jahr soll auch noch Umsatzsteuer abgeführt werden.

Als gute Vorsätze für 2018 schlagen wir vor: Politiker könnten die Vereine von unnötigen Steuern und Bürokratie entlasten. Und Unternehmer sich eine Sportart und einen Verein in ihrem Ort wählen, die sie dauerhaft unterstützen. Es lohnt sich! Garantiert!

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