Kontaktverbot

Von Thomas Eier Erstellt: 28. März 2020, 00:00 Uhr
Kontaktverbot Kontaktverbot

Die Abstandsregel und der Umgang
der Polizei mit Unruhestiftern

Die erste Woche mit Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot ist (fast) vorüber, und manche Anti-Coronavirus-Verhaltensregeln – zum Beispiel, einen Bogen um andere zu machen, um Abstand zu halten – sind fast schon zur Routine geworden. Umso wichtiger ist es, wie alle Experten und Behörden betonen, bloß nicht nachlässig zu werden, und wer daran zweifelt, sei an den ersten Todesfall im Enzkreis erinnert, der in dieser Woche Ötisheim getroffen hat. Es geht eben nicht nur um neue Fallzahlen, die zur Einordnung wichtig sind, sondern um Menschen.

Allzu menschlich sind auch die vielen Facetten der aktuellen Notsituation, die von unverständlichen Ausrastern bis hin zu bemerkenswerten Zeichen der Solidarität reichen. Beispielhaft für unzählige Initiativen und freiwillige Helfer, die anderen zur Seite stehen, sei hier das Team eines italienischen Restaurants in Vaihingen genannt, das Mitte der Woche die Belegschaft der Enzkreis-Kliniken Mühlacker mit einer Wagenladung Gratis-Pizzen überraschte, um sich für den Einsatz von Ärzten und Pflegepersonal zu bedanken. Solche Gesten werden uns, gemeinsam mit allen kleinen und großen Hilfsangeboten, in beruhigender Weise im Gedächtnis haften bleiben: Es kümmert sich eben doch nicht jeder nur um sich selbst.

Andererseits gibt es auch Episoden, die Zweifel am gesunden Menschenverstand wecken, wenn rabiate Zeitgenossen mit ihrer Streitlust die Polizei auf den Plan rufen und Beamte dazu zwingen, trotz Ansteckungsgefahr auf Tuchfühlung zu gehen, um Störenfriede zu bändigen. Der Fall von Pforzheim, wo sich ein Kunde eines Supermarkts erst nicht an die Abstands- und dann nicht mal an die simpelsten Anstandsregeln halten wollte, macht nachdenklich. Geschrei, Gerangel, Gewaltausbruch – ein 60-Jähriger wird in mehrfacher Hinsicht zum Sicherheitsrisiko, und aus Sicht von Otto Normalverbraucher kann es sich nur um einen Betrunkenen oder Verwirrten gehandelt haben. Wobei wenige Stunden später, ebenfalls in Pforzheim, die Polizei ein streitendes Brüderpaar in Griff bekommen musste.

Neben dem medizinischen Personal und den Einsatz- und Rettungskräften gehören Polizisten zu den Berufsgruppen, die ihre Aufgaben nicht immer aus sicherer Entfernung erledigen können, und umso wichtiger wäre, dass die Urheber in dieser besonderen Zeit auch besonders konsequent bestraft werden. Abgesehen davon, dass Widerstand gegen die Polizei kein Kavaliersdelikt ist, erfüllt momentan jeder Ausraster, der Beamte oder Unbeteiligte zum Einschreiten zwingt, für sich gesehen den Tatbestand der Körperverletzung.

Auch wenn die aktuelle Situation viele ängstigt und alle nervt, gilt es durchzuhalten, und dabei helfen die Mutmacher, die im Zweifelsfall in einer kostenlosen Pizza bestehen können. Überhaupt benehmen sich, was die Polizei bestätigt, die Allermeisten sehr vernünftig und der Lage angemessen. Und Ausnahmen von der Regel gibt es leider immer – selbst im Ausnahmezustand.

Thomas Eier

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