Klimadebatte

Von Frank Goertz Erstellt: 15. Februar 2020, 00:00 Uhr
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Klimanotstand: Enzkreis hat schon
reagiert, als Greta sieben Jahre alt war

Der Enzkreis ist der einzige Landkreis in Baden-Württemberg, der mit dem European Energy Award in Gold ausgezeichnet wurde (siehe Artikel Seite 12). Wenige Tage zuvor haben sich Vertreter der Bewegung Fridays for Future mit den Verwaltungsspitzen aus dem Kreis und der Stadt Pforzheim sowie zahlreichen Fraktionsvorsitzenden im Landratsamt getroffen. Die globale Klimadebatte ist definitiv in der Region angekommen.

„Wir brauchen doch nicht in Sack und Asche gehen“, grummelte CDU-Fraktionschef Günter Bächle bei dem Treffen mit Fridays for Future, wenn er das Gefühl hatte, die jungen Leute seien zu fordernd. Nein, in Sack und Asche gehen muss zumindest der Enzkreis wirklich nicht. Aber es ist das Recht der Jugend, fordernd zu sein – vor allem, wenn es um ihre Zukunft geht.

Die Klimawende ist beim Enzkreis tatsächlich schon angekommen, als das Thema noch nicht die Schlagzeilen dominierte. Bereits 2010 bezeichnete sich der Enzkreis als Klimaschutz-Wendekreis und hat Klimaziele definiert. Da war Greta Thunberg sieben Jahre alt. Jetzt hat er zum dritten Mal beim European Energy Award den Gold-Status errungen. Nicht jeder Landkreis kann für sich in Anspruch nehmen, ein Klimaschutzkonzept zu haben.

Dennoch haben die Vertreter von Fridays for Future darauf gepocht, dass Pforzheim und der Enzkreis den Klimanotstand ausrufen. Ist das – zumindest was den Enzkreis betrifft – angesichts dessen Anstrengungen nicht überzogen? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Definitiv leben wir in einer Welt des Klimanotstands – auch wenn der Vertreter der AfD bei dem Spitzengespräch immer noch steif und fest behauptet hat, der Klimawandel sei nicht menschengemacht. Da hat er recht. Die Erde ist ja auch bekanntlich eine Scheibe.

Was bringt es, den Klimanotstand auszurufen? Genau genommen: nichts. Der Enzkreis hat ihn schon erkannt, als es den Begriff noch gar nicht gab. Ob er ihn jetzt ausruft oder nicht, ist eigentlich völlig egal. Man könnte aber auch fragen: Warum eigentlich nicht? Warum wehren sich die Verwaltungsspitze und zahlreiche lokale Spitzenpolitiker so vehement gegen die Symbolgeste? Viel mehr als das Scheingefecht um den Klimanotstand ließ ein anderes Thema bei dem Treffen aufhorchen. Warum lehnen viele Kreistagsmitglieder ab, dass die Vertreter von Fridays for Future im Gesamtgremium ihre Positionen darstellen? Welcher Zacken bricht ihnen aus der Krone, wenn sie den Klimaaktivisten ein weiteres Podium bieten?

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