Keine Reserve

Erstellt: 29. November 2014, 00:00 Uhr
Keine Reserve Keine Reserve

Schulen suchen händeringend
nach Vertretungslehrern

Von Thomas Eier

Sollte uns das irgendwie bekannt vorkommen? Das Schuljahr hat noch nicht einmal die erste Halbzeit überstanden, da schrillen schon wieder die Alarmglocken: Den Schulen in der Region gehen die Lehrer aus, klagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW und meint insbesondere den eklatanten Mangel an Vertretungslehrern. Weil an der Spitze der regionalen Lehrergewerkschaft zwei Rektoren stehen, dürfen wir getrost davon ausgehen, dass die Beschwerde Hand und Fuß hat und weit davon entfernt ist, Meinung zu machen gegen die grün-rote Landesregierung.

Der Ausfall von Schulstunden gehört zum Schulalltag, und es müssen nicht immer plötzliche Erkrankungen sein, die den planmäßigen Unterricht ausbremsen. Auch freudige Umstände wie die Schwangerschaft einer Lehrerin können den Lehrplan, obgleich sich die Vakanz monatelang ankündigt, rasch ins Wanken bringen, weil die pädagogische Reserve fehlt. Stelle sich nach Weihnachten keine Konstanz ein, klagte dieser Tage die Mutter eines Mühlacker Ganztagsschülers, „dann reicht’s mir, dann nehme ich ihn raus“. Die etatmäßige Klassenlehrerin hat Nachwuchs bekommen, der dem Kollegium, das die Lücke irgendwie schließen muss, fehlt. Eine Übergangslösung läuft dieser Tage aus, womit sich die Grundschüler ab Montag mit der dritten Lehrkraft in diesem Schuljahr anfreunden müssen.

Was, wenn die Grippe ausbricht?

Ob Grün-Rot oder zuvor Schwarz-Gelb: Es ist kaum ein Schuljahr in Erinnerung geblieben, in dem die personelle Ausstattung der Schulen keine Klagen hervorgerufen hätte. Häufig fehlen (zusätzliche) Lehrer genau dort, wo neue Konzepte ohnehin auf dem Prüfstand stehen – Ganztagsangebote zum Beispiel, die von der Verlässlichkeit leben. Inzwischen, berichten die Maulbronner und Eisinger Rektoren Eichhorn und Gerhards, gebe es keine Bewerber mehr auf dem Arbeitsmarkt. Junge, gut ausgebildete Lehrer wanderten ab in andere Bundesländer oder die Schweiz, weil ihnen in Baden-Württemberg – wenn überhaupt – nur befristete und schlecht dotierte Stellen angeboten würden.

Was, wenn die Grippe ausbricht? Die Schüler mögen jede Freistunde begrüßen, doch die Eltern stehen in diesem Fall eher auf der Seite der Schulleitung: Es braucht – bei allem Zwang zum Sparen – eine solide Krankheitsreserve, um zumindest Extremfälle wie jenen der Ganztagsklasse zu vermeiden. Man müsse ja nicht jeden Fehler, der erkannt sei, jedes Jahr wiederholen, sagen die Rektoren Gerhards und Eichhorn. Aha: Deshalb kam uns das bekannt vor.

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