Hohe Wellen

Von Thomas Eier Erstellt: 3. August 2019, 00:00 Uhr
Hohe Wellen Hohe Wellen

Warum eine Kündigung durch PlanB
rasch zum Politikum geworden ist

Am Anfang stand die Kündigung von Gabi Esposito, die – auf einer halben Stelle – seit dem Februar 2018 zum Team der mobilen Jugendarbeit in Mühlacker zählte. Was den neuen Träger Plan B zur Trennung veranlasste, ist unklar, aber die allgemeine Aufregung, die aus dieser Personalentscheidung resultierte, kommt nicht von ungefähr. Die Ursachen für die politische Dimension, die über die Reaktionen im mittlerweile ausgedünnten Kolleginnenkreis hinausreichen, liegen im Enzberger Ortskern, wo Gabi Esposito in besonderer Mission tätig war.

Zuständig für die Kindersozialarbeit im Stadtteil, galt ihr Augenmerk insbesondere den Roma-Familien, die von einem auswärtigen Vermieter in seine zusammengekauften Objekte gepfercht und mit ihrem unangepassten Verhalten rasch zum Dauerärgernis für die Nachbarn wurden. Vor dem Hintergrund dieser Spannungen ausgerechnet auf einer eigens geschaffenen und als besonders wichtig empfundenen Stelle in Enzberg eine Vakanz zu verursachen, musste zwangsläufig Proteste von Anwohnern und Stadträten hervorrufen. Gabi Esposito stand mit ihrem Einsatz für das Bemühen, Ruhe zu schaffen, und der neue Träger Plan B schien, indem er das Arbeitsverhältnis beendete, die gemeinsamen Anstrengungen zu torpedieren.

Seither reißen die Diskussionen, die durch den freiwilligen Ausstieg der Kolleginnen Vera Müller und Monika Jerkovic zusätzlich befeuert wurden, nicht mehr ab. Von der Forderung, die Kündigung Gabi Espositos zurückzunehmen, bis hin zu mehr oder minder offen geäußerten Zweifeln an einer weiteren Zusammenarbeit mit Plan B reichen die bisherigen Reaktionen im Gemeinderat. Nächste Woche tagt – mitten in der Sommerpause – der Verwaltungsausschuss, und ein Thema des nichtöffentlichen Teils soll die Jugendarbeit sein.

Ob es mit Plan B weitergeht, und ob die Verantwortlichen mit ihren Plänen für einen (personellen) Neubeginn ab September durchdringen, bleibt spannend, zumal es die weitergehende Forderung aus dem Gemeinderat gibt, die Stadt möge die ganze Sache, also mobile Jugendarbeit, Kindersozialarbeit und die vom Verein Miteinanderleben betreute Schulsozialarbeit, selbst in die Hand nehmen. Der (Kosten-)Aufwand, der dafür anfallen würde, wird, wie vom Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit gewünscht, eben im Rathaus eruiert.

Der kritische Beobachter fragt sich derweil, warum es gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die nach allgemeiner Auffassung feste und vertraute Bezugspersonen brauchen, so schwierig ist, eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Sei es an den Schulen oder beim Streetwork: Jeder Wechsel beim Personal ist – ganz unabhängig von den Gründen für das Ausscheiden im Einzelfall – ein Einschnitt.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Konfliktträchtig

Konfliktträchtig

Wegen der vielen Fahrzeuge gibt es in der Stadt immer mehr Ärger Laut Statistischem Bundesamt kamen im vergangenen Jahr auf 100 private Haushalte ziemlich genau 108 Pkw. Vor zehn Jahren… »