Hilfestellung

Von Thomas Eier Erstellt: 10. März 2018, 00:00 Uhr
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Nach dem Tod einer syrischen Mutter
geht es um das Wohl der Kinder

Der Fall beschäftigt die Behörden und lässt keinen der Beteiligten kalt. Diese Feststellung bezieht sich eine Woche nach den tödlichen Messerstichen von Mühlacker nicht allein auf die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern vor allem auf jene Stellen, die sich um die Kinder kümmern. Deren Schicksal lässt keinen, der ein bisschen Mitgefühl hat, unberührt, und viele stellten sich diese Woche die Frage, wie es für sie weitergehen und was aus ihnen werden soll.

Pflegefamilie, Jugendamt und andere Institutionen wie die Enzkreis-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Mühlacker arbeiten seit dem vergangenen Freitag Hand in Hand, um zu retten, was zu retten ist. Vier Kinder im Alter zwischen sieben und 13 Jahren, die schon Kriegswirren und Flucht erlebten, verlieren in ihrer neuen Heimat, kaum, dass sie sich eingewöhnt haben, beide Eltern durch eine Gewalttat, die sich teilweise vor ihren Augen abspielt. Die Mutter tot, der Vater und Täter auf unbestimmte Zeit im Gefängnis – eine Situation, die auch routinierte Jugend- und Sozialarbeiter vor besondere Herausforderungen stellt.

Erste Aufgabe in dieser Woche war es, ein Netzwerk zu knüpfen, in dem vertraute Bezugspersonen ebenso eine Rolle spielen wie geschulte Fachkräfte, um die vielen offenen Fragen zu beantworten, die bei ganz simplen Dingen beginnen. Was wollen und brauchen die Kinder, die kurzfristig bei Pflegeeltern untergebracht werden mussten, aus ihrem Zuhause, das zum Tatort geworden ist? Wie soll die Trauerfeier aussehen? Wie können der 13-jährige Sohn, der stark vom Vater beeinflusst war, und seine Geschwister wieder zusammenfinden? Was soll mittel- und langfristig aus den vier Kindern werden? Können sie in Mühlacker bleiben, wo sie bislang die Schule besuchten und Freunde haben?

Einige der Aufgaben wurden, wie aus den zuständigen Stellen zu hören ist, im Laufe der Woche angegangen, ohne dass sich schon in jeder Hinsicht Lösungen abzeichnen könnten. Der tödliche Angriff des Vaters auf die Mutter bleibt damit über die juristische Aufarbeitung hinaus eine menschliche Tragödie, und die Tatsache, dass laut Polizeistatistik die Zahl der „Delikte gegen das Leben“ speziell in der Gruppe der Flüchtlinge und Asylbewerber im Zuständigkeitsgebiet des Präsidiums Karlsruhe – nach fünf Fällen im Jahr 2015 und sechs Fällen 2016 – zuletzt annähernd gegen null gesunken ist, ändert nichts an den dramatischen Folgen im Einzelfall.

Thomas Eier

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