Handeln – jetzt!

Erstellt: 2. Juni 2018, 00:00 Uhr
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Fünf nach zwölf: Hochwasserschutz ist kein Thema für die lange Bank

Skurrile Chronologie der Ereignisse: In dieser Woche hat die Redaktion unserer Zeitung in den Kommunen unseres Verbreitungsgebiets nachgefragt, was sich bei ihnen in Sachen Hochwasserschutz seit der Flut vom 1. Juni 2013 getan hat. Ergebnis: Pläne gibt es viele, tatsächliche Schutzmaßnahmen lassen auf sich warten. Dafür gibt es viele Gründe: etwa Bürokratie übergeordneter Behörden im Fall Ötisheim, klamme Kassen in Ölbronn-Dürrn oder Probleme beim Grunderwerb in Illingen.

 

In dem Artikel, der in unserer gestrigen Ausgabe erschienen ist, war auch die Rede davon, dass mit jeder Unwetterwarnung die Angst wächst. Und – jetzt wird es fast schon makaber – genau in dem Moment, als unsere Zeitung in der Nacht auf Freitag in Druck gegangen ist, entluden sich heftige Gewitter in der Region – zwar nur kurz, aber mit teils verheerenden Folgen.

 

Wenn ein Feuerwehrmann aus Ötisheim erzählt, dass er in der Nacht auf Freitag in denselben Häusern im Einsatz war, wo er schon häufig war, wenn eine Bürgerin aus Lomersheim resigniert feststellt, dass es für sie schon fast Routine sei, wenn Wasser und Schlamm alles überfluten, und wenn der Wiernsheimer Gemeinderat Wolfgang Hanisch bedauert, dass Hochwasserschutzmaßnahmen häufig daran scheitern, dass Grundstücksbesitzer ihre Flächen nicht verkaufen wollten, macht sich ein Hauch Fassungslosigkeit breit.

 

Wenn dann auch noch Bürokraten oder Bedenkenträger schnelle Maßnahmen blockieren, das Land von den 2013 großspurig versprochenen Zuschüssen und unbürokratischer Hilfe eigentlich nichts mehr wissen will und die Kommunen im Regen stehenlässt, könnte die Fassungslosigkeit in Wut umschlagen. „Keiner denkt an die Flutopfer“, kritisiert Ötisheims Bürgermeister Werner Henle. Wer will ihm widersprechen?

 

Die Zeit ist eigentlich schon abgelaufen, die Uhrzeiger stehen auf fünf nach zwölf. Und Begriffe wie „Jahrhunderthochwasser“, also ein Hochwasser, das nur alle 100 Jahre vorkommt, verschleiern die Wirklichkeit. Jahrhunderthochwasser können sich jederzeit ereignen, heute, morgen und kommenden Monat dann erneut. Der Klimawandel führt den technischen Begriff „Jahrhunderthochwasser“ am Nasenring durch die Manege der Absurditäten.

 

Der Hochwasserschutz ist schon lange kein Thema mehr für die lange Bank. Zum Glück haben die meisten Kommunen konkrete Pläne in den Schubladen und wissen, was zu tun ist. Jetzt muss es nur noch getan werden. Dabei sollte aber niemand der irrigen Hoffnung erliegen, dass dann alle Probleme gelöst seien. Nicht jeder Kanal kann beliebig aufdimensioniert werden. Und wenn der Schlamm von den Feldern gespült wird, ist dagegen kein Kraut gewachsen. Trotzdem: Die Zeit der Sonntagsreden beim Hochwasserschutz ist abgelaufen.

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