Härtetest

Von Thomas Eier Erstellt: 9. Juni 2018, 00:00 Uhr
Härtetest Härtetest

Eine Baustelle, zwei Umleitungen
und unzählige Tücken im Detail

Lärm, Abgase, schlechte Luft: Normalerweise stöhnt die Stadt Mühlacker unter den Belastungen durch den Durchgangsverkehr auf der innerstädtischen B10 – aber jetzt gilt: Wehe, er fließt nicht!

Mit der monatelangen Sperrung vor Augen schwankt die Stadt zwischen Hoffen und Bangen, weil sich die vielen offenen Fragen erst mit dem praktischen Härtetest endgültig werden beantworten lassen. Können die kleinräumigen Umleitungsrouten, auf denen das Regierungspräsidium trotz Widerstand der Stadt beharrt hat, die 16000 Fahrzeuge täglich bewältigen? Mitten durch die Stadt beziehungsweise mitten durch Lomersheim? Hier vorbei am Enzkindergarten, wo für die Kinder eine Druckknopfampel eingerichtet ist, und wenige Meter weiter durchs Nadelöhr beim Stadtteilrathaus? Als Brennpunkte in umgekehrter Richtung, wo über die Osttangente, Lienzinger Straße und Ziegeleistraße umgeleitet wird, gelten der chronisch überlastete Kreisverkehr auf der Ötisheimer Straße und die Einmündung in die B10/Pforzheimer Straße, wo Sattelzüge gewaltig ausholen müssen.

Ampelschaltungen sind modifiziert, der Feuerwehr wurden für Rettungseinsätze Freigaben für „Schleichwege“ erteilt, das Linksabbiegen zur Aral-Tankstelle an der Pforzheimer Straße ist untersagt, um zusätzliche Stockungen zu vermeiden – doch alle Vorsorgemaßnahmen ändern nichts an der Sorge, es könnte chaotisch zugehen. Spätestens dann, wenn ein größerer Unfall die Autobahn lahm legt, und die Ausweichroute für die A8, weil die Öschelbronner Ortsdurchfahrt gerade gesperrt ist, ebenfalls über die Enzstraße und die Herrenwaagbrücke auf die Platte führt.

Die Angst vor dem verkehrstechnischen Super-GAU wird Mühlacker die nächsten viereinhalb Monate begleiten, und an Tücken im Detail mangelt es nicht. Beispiel: Eine Wanderbaustelle zur Verlegung von Glasfaserkabeln auf der Ortsdurchfahrt in Lomersheim, die bereits vor Bekanntwerden der Sanierungspläne für die B10 genehmigt worden war, wird auf der Umleitungsroute zum zusätzlichen Hindernis mit Baustellenampel. Oder anderes Beispiel: Die Anwohner rund um den Reutweg – in Fahrtrichtung Illingen auf der Anhöhe rechts von der Stuttgarter Straße gelegen – sollen während der ersten Etappe, wenn die Anbindung an die Stuttgarter Straße/B10 blockiert ist, über die enge und steile Ulrichstraße auf die Enzstraße ausfahren, wo sich nicht nur der Umleitungsverkehr vorbeiwälzt, sondern am Fuß, in Richtung Stadtmitte, eine anspruchsvolle Spitzkehre wartet …

Klingt kompliziert? Ist es auch, und ob tatsächlich jeder Aspekt berücksichtigt wurde oder die alltäglichen Unwägbarkeiten überwiegen, wird sich ab Montag weisen. Bei der städtischen Verkehrsbehörde, die unabhängig von den überregionalen Verantwortlichkeiten für die Baustelle immer als erster Ansprechpartner für den Bürger dient, glühten schon im Vorfeld die Drähte. Mit weiteren Anrufern ist zu rechnen.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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