Gut behandelt?

Von Thomas Eier Erstellt: 13. Januar 2018, 00:00 Uhr
Gut behandelt? Gut behandelt?

Die Enzkreis-Kliniken Mühlacker und
die Frage nach Fehlern im System

Nach der Berichterstattung über Klagen von Angehörigen einer Notfallpatientin meldet sich telefonisch eine Leserin aus Illingen und bricht eine Lanze für die Enzkreis-Kliniken Mühlacker. Sie habe sich als Patientin ausgesprochen wohl gefühlt und sei sehr gut versorgt worden, betont sie. Die Kritik könne sie deshalb nicht nachvollziehen.

Ein Beispiel, das zeigt, wie unterschiedlich im Einzelfall die Bewertungen ausfallen, wenn es um medizinische Leistungen geht. Das betrifft niedergelassene Haus- und Fachärzte ebenso wie die Krankenhäuser, die angesichts der großen Zahl an Patienten und der regionalen Bedeutung einer Klinik naturgemäß noch stärker im Fokus stehen. Wer nach einer erfolgreichen, freundlichen und fachlich einwandfreien Behandlung entlassen wird, ist voll des Lobes, und wer sich im wahrsten Wortsinn weniger gut behandelt fühlt, wird sich beklagen.

Im Fall der 72-jährigen Maulbronnerin, der die Angehörigen zur Kritik am Krankenhaus-System veranlasste, stehen die Eindrücke und Emotionen der Betroffenen gegen die Einschätzung der Klinik – auch diese Konstellation ist keine Seltenheit, und ein objektives Urteil fällt dem Außenstehenden schwer. Generell genießen die Mühlacker Enzkreis-Kliniken, die mit großem Aufwand modernisiert wurden, einen guten Ruf, und selbst die Beschwerdeführer betonen ausdrücklich, die Kritik richte sich nicht gegen die Ärzte und Pflegekräfte vor Ort, sondern gegen die Strukturen, weil unter dem wachsenden Kostendruck und mit (zu) wenig Personal eine fürsorgliche Behandlung von Patienten gar nicht mehr möglich sei.

Im konkreten Einzelfall, widerspricht die Klinik, sei das System nicht schuld. Darüber hinaus spielt das Geld natürlich eine Rolle; man frage nur die Kreisräte des Enzkreises, die sich regelmäßig mit den Defiziten im Krankenhaus-Sektor beschäftigen müssen. Auch als Teil einer Holding ist Mühlacker wie alle Kliniken im Land gezwungen, auf die Ausgaben zu achten; zumal dann, wenn die Vergütung nach Fallpauschalen sinkt und gleichzeitig die Kosten – zum Beispiel wegen berechtigter Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter – steigen.

Der Wunsch nach mehr Personal, sagt die Klinik-Leitung, sei verständlich, doch müsse alles – zumal für kleinere Häuser der Regelversorgung – auch bezahlbar bleiben. Weil aber die Krankenhaus-Finanzierung im Tauziehen um ein funktionierendes und finanzierbares Gesundheitssystem ein politischer Dauerbrenner ist, der die Menschen bewegt, liegt es nahe, für vermeintliche und tatsächliche Missstände nach höheren Ursachen zu suchen. Auch dann, wenn
– im konkreten Einzelfall – die Gesundheitspolitik nicht an allem schuld ist.

Thomas Eier

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