Gucklöcher

Von Thomas Eier Erstellt: 28. April 2018, 00:00 Uhr
Gucklöcher Gucklöcher

Die Stadt Mühlacker rüstet sich
für den Abbruch des Mühlehofs

Der Tag X, an dem ein riesiger Bagger die Zähne seiner Abrissschere in den vertrauten Koloss am Kelterplatz hauen wird, rückt näher, und spätestens mit der Diskussion über das Abbruchkonzept in dieser Woche im Gemeinderat sind die Dimensionen des bevorstehenden Eingriffs richtig ins Bewusstsein gerückt. Der Mühlehof, das sind nicht nur Erinnerungen an gute und weniger gute Zeiten, das sind vor allem auch Tausende von Tonnen Stahlbeton im Kupfermantel, die es nun möglichst schonend zu beseitigen gilt.

Je nach innerer Einstellung und Perspektive verbinden sich mit den Abrissplänen Vorstellungen und Bilder von einstürzenden Decken und gefällten Säulen, von Staubwolken und schwer mit Bauschutt beladenen Lkws – oder aber von einer schmucken, modernen Stadthalle, die ein neues Kapitel im kulturellen Leben Mühlackers einläuten könnte. Eine Mischung aus Wehmut und Aufbruchstimmung macht sich breit, wenn einerseits ein Kultursaal höchster Güte unwiederbringlich verloren geht, andererseits aber eine jahrelange Hängepartie mit Stillstand und zunehmenden Verfall zu Ende geht. In der Übergangszeit sehen wir vor unserem geistigen Auge einen Bauzaun, der eine 3200 Quadratmeter große und stockwerktiefe Grube bis hinab zur Decke des zweiten Untergeschosses abschottet. Vielleicht unterbrochen von einzelnen Gucklöchern, durch die – nach dem Wunsch von Stadträtin und Erzieherin Marie-Sophie Schlegel – neugierige Kinder die Vorgänge auf der Großbaustelle hinter dem Sichtschutz bestaunen könnten.

In den Fragen und Anmerkungen aus Reihen des Gemeinderats, die sich unter anderem auf die Belastungen für die Nachbarschaft bezogen, wurde – bei allem Vertrauen in die Abrissprofis – der Respekt vor den Umwälzungen deutlich, die demnächst im Stadtzentrum in Angriff genommen werden. Die Hoffnung, ein nahtloser Übergang zum Stadthallen-Neubau mit seinen neuen Perspektiven könnte die Begleiterscheinungen des Abbruchs erträglicher machen, hat sich zerschlagen, es wird eine Pause im Stadtzentrum entstehen. Doch allein der Umstand, dass die B10 sowieso für eine Sanierung gesperrt werden müsse, stellte Freie-Wähler-Chef Rolf Leo fest, spreche für einen sofortigen Abriss. Ansonsten wäre ihm ein verwaister Mühlehof lieber gewesen als eine Baugrube.

So oder so: Irgendwann, das stand angesichts der ebenso langwierigen wie fruchtlosen Debatte um die Zukunft des Gebäudes längst fest, muss und wird es so weit sein, und von daher dürften alle, die keine Angst vor Veränderungen haben, dem Tag X mit Spannung entgegensehen. Und mit der Erwartung, dass die Zwangspause ohne großen Veranstaltungssaal, die im Januar 2017 mit der Schließung des Gottlob-Frick-Saals angebrochen war, nicht ewig dauern möge. Wie hieß es so schön im Gemeinderat: Die bevorstehende Baugrube sei auch Mahnung, das Verfahren für eine neue Stadthalle zügig voranzutreiben.

Thomas Eier

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