„Freiwillig“

Von Frank Goertz Erstellt: 21. April 2018, 00:00 Uhr
„Freiwillig“ „Freiwillig“

Pflichtaufgabe: Kommunen müssen für leistungsfähige Feuerwehr sorgen

Immer wieder ist die Rede von der „Freiwilligen Feuerwehr“. Aber bei näherer Betrachtung schwankt dieser Begriff zwischen „missverständlich“, „vage“ und „falsch“. Denn die Feuerwehr ist nicht so „freiwillig“, wie der Name auf den ersten Blick vielleicht glauben lässt. Jede Gemeinde muss auf ihre Kosten eine leistungsfähige Feuerwehr auf die Beine stellen. So steht es im Feuerwehrgesetz. Von „freiwillig“ ist nicht die Rede, sondern von einer Pflichtaufgabe.

Freiwillig ist nur der Einsatz der ehrenamtlichen Männer und Frauen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen und dabei nötigenfalls sogar ihre Gesundheit riskieren. Jedem Bürgermeister ist bewusst, was er an ihnen hat. Würde es sie nicht geben, müssten die Städte und Gemeinden Hauptamtliche anheuern und dafür tief in die Kasse greifen. Da wäre dann kein Geld mehr für andere Freiwilligkeitsleistungen – etwa die Förderung von Vereinen oder des kulturellen Lebens.

Und obwohl die Kommunen viel daran setzen, ihre Feuerwehren vernünftig auszustatten, und der Einsatz der Rettungskräfte Wertschätzung erfährt, stoßen viele Feuerwehren an ihre Leistungsgrenzen. So hat beispielsweise die Illinger Wehr in dieser Woche beim Thema Feuerwehrbedarfsplan Tacheles geredet und deutlich gemacht, warum sie in vielen Fällen die Hilfsfristen nicht einhalten kann.

Nur zum Teil sind äußere Umstände schuld. Oft ist es eine Frage der „Manpower“. Vor allem tagsüber sind nicht immer genug Einsatzkräfte verfügbar. Durch Kooperationen mit Feuerwehren aus den Nachbarorten lassen sich die Konsequenzen dieser Notlage zum Glück einigermaßen mildern. Und auch nicht immer muss bei jedem Einsatz eine vollständige Rettungstruppe innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein. Aber nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Großfeuer ausbricht, bei dem es dann eben doch um Minuten geht…

Letzten Endes kommt es darauf an, dass genügend Feuerwehrleute im Notfall einsatzbereit sind. Das Feuerwehrgesetz enthält in diesem Zusammenhang übrigens auch noch einige Passagen, die festlegen, wie die Kommunen ihre Pflichtaufgaben beim Brandschutz auch erfüllen können. Sie müssen nicht unbedingt nur Hauptamtliche einstellen. Theoretisch könnten sie auch jeden Bürger im Alter zwischen 18 und 50 Jahren zum Dienst in der Feuerwehr verpflichten. Denn jeder Bürger ab dem 18. Lebensjahr ist „feuerwehrpflichtig“. Wie sinnvoll diese „Zwangsrekrutierung“ dann wäre, sei dahingestellt.

Frank Goertz

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