Fankurven

Von Thomas Eier Erstellt: 10. Februar 2018, 00:00 Uhr
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Was die Anhänger des VfB Stuttgart und die Parteifunktionäre verbindet

Als VfB-Fan und Parteifunktionär, scherzte dieser Tage der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Mühlacker, Philipp Ziegler, erlebe er derzeit einen doppelten Härtetest. Tatsächlich sind bei näherer Betrachtung die Parallelen frappierend und beschränken sich beileibe nicht auf die Vereinsfarben. Hier wie dort hat die Führungscrew alle Mühe, die Anhänger bei der Stange zu halten, und hier wie dort grassiert unter den Roten die Angst vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit.

Hier wie dort sind es nicht nur taktische Fehler und mangelndes Spielverständnis, die für eine prekäre Tabellensituation verantwortlich gemacht werden, auch die Personalentscheidungen sind für jene, die auf Kontinuität setzen, nicht immer nachvollziehbar. Schulz für Gabriel, Nahles für Schulz – häufige Wechsel in der sportlichen Leitung können, wenn der Glaube an Besserung fehlt, auch auf Ablehnung bei der Gefolgschaft stoßen. Man frage nach bei Tayfun Korkut. Die Fans von SPD und VfB vereint der Wunsch nach einer klaren Strategie, einem schlagkräftigen Kader und einer mutigen Spielweise, um wieder in jene Regionen vorzudringen, in die man nach eigenem Selbstverständnis gehört. Verein wie Partei leben bis dahin von den Erinnerungen an alte Erfolge, die irgendwann verblassen.

Ein schwacher Trost ist, dass auch in anderen Clubs, die mehr Punkte auf dem Konto haben, die Laune nicht zwangsläufig besser sein muss. Im Block der sieggewohnten Schwarzen schwenken, um im Bild zu bleiben, viele bereits die düstere St. Pauli-Totenkopfflagge, um der Vorstandsriege samt Vereinspräsidentin ihren Protest gegen eine allzu defensive Einkaufspolitik zu signalisieren. Obwohl weiterhin unangefochten an der Spitze der Bundesliga, hat in der CDU das alte „Mir san mir“-Gefühl doch spürbar gelitten, und die prominenten Abgänge, die sich mit dem Koalitionsvertrag ankündigen, schmerzen.

In großen Traditionsvereinen herrscht also lange vor Aschermittwoch Katerstimmung, und was die geplante Spielgemeinschaft betrifft, ist von Euphorie keine Spur. Rot und Schwarz ergibt irgendwas zwischen Eintracht Frankfurt und AC Milan – beide im vorderen Mittelfeld, aber auch nicht spitze. So gesehen bleibt Philipp Ziegler und anderen Leidensgenossen nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Und die Gewissheit: Es bleibt spannend – hier wie dort.

Thomas Eier

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