Beziehungstaten

Von Thomas Eier Erstellt: 11. August 2018, 00:00 Uhr
Beziehungstaten Beziehungstaten

Mühlacker, Heimsheim, Pforzheim:
drei Fälle mit auffälligen Parallelen

Mühlacker, Heimsheim, Pforzheim – in drei Fällen haben seit Anfang März brutale Angriffe von Männern gegen ihre getrennt lebenden Ehefrauen für Aufsehen gesorgt. Während die Opfer der Attacken in Heimsheim und Pforzheim mit schweren Verletzungen überlebten, kam für die 37-Jährige, die in Mühlacker zur Zielscheibe von Hass und Rachsucht wurde, jede Hilfe zu spät. Der Täter, ein 42-jähriger Syrer, wartet auf seinen Mordprozess.

Drei Beziehungstaten innerhalb von fünf Monaten, und selbst für diejenigen, die aus gutem Grund vor Verallgemeinerungen warnen, sind die Parallelen mehr als auffällig, die sich nicht darauf beschränken, dass jeweils Messer als Tatwaffen eingesetzt wurden. Die Besonderheit der drei Verbrechen liegt in ihrer Vorgeschichte, weil es sich jeweils um Täter und Opfer handelt, die Schutz in Deutschland suchten, wo sich der Traum von einem neuen Leben in einen persönlichen Alptraum verwandelte. Die Täter sind ein Syrer, ein Afghane und ein Eritreer, denen nach den bisherigen Erkenntnissen eines gemeinsam ist: Sie waren offensichtlich unfähig, mit der Trennung von Frau und/oder Familie umzugehen und reagierten mit einem Gewaltausbruch.

Wer gerne Stimmung macht und von der Unvereinbarkeit westlicher und anderer Lebenseinstellungen überzeugt ist, wird sich durch die Serie bestätigt fühlen. Bestes Indiz dafür sind die einschlägigen Kommentare in den sozialen Netzwerken, wo Pauschalurteile in extremer Tonlage gepflegt werden. Wobei es den Urhebern an keiner Stelle um das Schicksal der Opfer geht, das lediglich als Vorwand dafür dient, eigene Überzeugungen und Weltanschauungen am konkreten Beispiel zu untermauern.

Unabhängig von diesen Reaktionen weckt die jüngste Attacke in Pforzheim Erinnerungen an eine Aussage, die im Zusammenhang mit dem Fall des Syrers in Mühlacker der Leiter des örtlichen Polizeireviers getroffen hatte. In der Befürchtung, Fälle von häuslicher Gewalt in Flüchtlingsfamilien könnten sich häufen, sprach er Ende Juni gegenüber unserer Zeitung von einem „Kulturschock“, wenn sich nach einiger Zeit die Frauen und Kinder an das Leben in Deutschland gewöhnten und sich emanzipierten, während die Väter, die weiterhin das traditionelle Rollenverständnis pflegten, nicht mit der veränderten Situation umgehen könnten. Im schlimmsten Fall könne dann ein Streitfall oder eine Trennung in Gewalt münden.

Die Familie integriert, das Familienoberhaupt nicht? Das wäre bedenklich, weil es nicht im Sinne der allgemeinen Integrationsbemühungen sein kann, dass um des häuslichen Friedens willen alle abgeschottet in alten Mustern verharren. Oft genug ist von Parallelgesellschaften die Rede, in denen eigene Regeln gelten. Das Leben in Deutschland ist eben nicht nur sicherer, es folgt anderen Wertmaßstäben, und das müssen alle, die sich hierzulande eine neue Existenz aufbauen wollen, akzeptieren.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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