Abschied

Von Frank Goertz Erstellt: 17. Juli 2018, 00:00 Uhr
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Ingeborg Beller scheidet aus dem Rat aus. Ein Verlust für die Gemeinde

Nicht nur die Sprecher der anderen Fraktionen haben versucht, sie umzustimmen; auch Bürgermeister Harald Eiberger würde am liebsten ein Veto einlegen. Aber der Entschluss von Ingeborg Beller steht fest: Am 25. Juli scheidet sie aus dem Gemeinderat aus, den sie fast 32 Jahre geprägt hat. Ihre Stimme zählt dann nicht mehr. Etwa, wenn es im weiteren Verlauf der Sitzung um die Frage geht, ob der Bürgerentscheid gegen das Caritasprojekt trotz eines Formfehlers der „Initiative für den Erhalt des Wiesentals“ zugelassen oder abgeschmettert wird. Auch wenn ihre Stimme nicht zählt, macht Beller im Gespräch mit unserer Zeitung aus ihrer Meinung keinen Hehl: „Ich würde den Bürgerentscheid ungeachtet des Formfehlers durchwinken.“

Da ist sie dann wieder: eine Kommunalpolitikerin, die für Realpolitik steht, die weiß, dass der Bürgerentscheid nicht verhindert, sondern höchstens verzögert werden kann. Und eine Frau, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen. Auch wenn sie damit aneckt.

Der Illinger Rat könnte viel mehr Ingeborg Bellers gebrauchen. Vor allem im Hinblick auf den Umstand, dass er nach der Kommunalwahl sein Gesicht massiv verändern wird. Viele erfahrene Mitglieder werden nicht mehr kandidieren. Einige sind frustriert. Und tatsächlich scheint das Klima in Illingen rauer zu sein als in anderen Gemeinden, die Bürger kritischer. Dabei steht Illingen viel besser da als viele vergleichbare Kommunen. Was ein Verdienst des Gemeinderats und der Verwaltung mit Bürgermeister Harald Eiberger an der Spitze ist. Warum diese Leistungen so wenig Wertschätzung erfahren? Gute Frage!

Die Tatsache, dass auch Bürgermeister Eiberger unglücklich über das Ausscheiden von Beller ist, spricht Bände. Denn sie hat ihm nie nach dem Mund geredet, so wie sie niemanden nach dem Mund redet. Und wenn es Kritik am Führungsstil des Schultes gab, hat Beller damit nicht hinter dem Berg gehalten. Aber ihre Kritik war stets sachlich und konstruktiv, auch wenn man nicht immer ihrer Meinung sein musste.

Das gilt auch für den Autor dieser Zeilen, der ihre Arbeit im Gemeinderat seit 2003 begleitet. Mehr als einmal hat er gedacht: „Na ja, das kann man auch ganz anders sehen.“

Trotzdem hat Beller stets das Allgemeinwohl der Gemeinde im Blick gehabt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber in einer Gesellschaft, die zunehmend von Egoismen und Partikularinteressen geleitet wird, dann eben doch keine Selbstverständlichkeit. Des halb ist Bellers Ausscheiden aus dem Gemeinderat ein Verlust für Illingen.

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