Abgezockt

Von Thomas Eier Erstellt: 12. August 2017, 00:00 Uhr
Abgezockt Abgezockt

Trickbetrüger nehmen mit Vorliebe
ältere Menschen ins Visier

Hätte es noch einen Beweis dafür gebraucht, wie aktuell das Thema der betrügerischen Abzocke von Senioren ist, der aktuelle Polizeibericht hätte dafür ausgereicht: Im Parkhaus „Zentrum/Katzenbuckel“ an der Bahnhofstraße in Mühlacker hat am Donnerstagmorgen ein Verbrecher einen 90-Jährigen um 1000 Euro betrogen. In diesem Fall wandte der Täter den sogenannten „Geldwechseltrick“ an und stahl seinem Opfer, als der Senior dem Fremden hilfsbereit eine Zwei-Euro-Münze für den Kassenautomaten wechseln wollte, die Geldscheine aus dem Portemonnaie. Der etwa 30 Jahre alte und 1,80 Meter große Täter, der dunkle Haare hat und sportliche Kleidung trug, flüchtete aus dem Gebäude. Die Fahndung der Polizei blieb erfolglos.

Der Diebstahl in der Innenstadt reiht sich nahtlos ein in eine unsägliche Serie von Betrugsmaschen und immer neuen Fällen, in denen mit besonderer Vorliebe ältere Menschen um ihr Hab und Gut gebracht werden. Geldwechseltrick, Enkeltrick, falsche Handwerker an der Haustür und falsche Polizeibeamte am Telefon – während die verbrecherischen Strategien variieren, bleiben die Folgen für die Opfer die gleichen. Zum Schock und zu den Selbstvorwürfen kommt der tiefe Vertrauensverlust, was die Ehrlichkeit der Mitmenschen und der Umwelt betrifft. Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit, die für sich gesehen sich keine negativen Eigenschaften sind, werden aufs Übelste ausgenutzt.

Wer die Opfer für besonders naiv und sich selbst für besonders clever hält, sollte vorsichtig sein. Nach den Erkenntnissen der Ermittler, die scheinbar gegen Windmühlen kämpfen, handelt es sich bei den Tätern – zumal jenen, die übers Telefon agieren – nicht nur um rücksichtslose, sondern auch sehr raffinierte und buchstäblich windige Zeitgenossen, die sich offenbar perfekt auf jede Situation einstellen. Da wird virtuos mit den Gefühlen, den Ängsten, der Unsicherheit oder dem schlechten Gewissen des Opfers gespielt, wenn der „arme Verwandte“ oder der „fürsorgliche Polizeibeamte“ mit seinen Lügen skrupellos sein kriminelles Ziel verfolgt.

Eine, mit Verlaub, echte Schweinerei, die noch herausragt aus der Vielzahl sonstiger Gaunereien, mit denen Täter schnell und bequem ans Geld anderer Leute kommen wollen. Immerhin geht es um alte Menschen, die durch den Betrug nicht selten die Früchte eines harten Arbeitslebens einbüßen, nur weil ein Anderer zu faul für einen ehrlichen Broterwerb ist. Der Umstand, dass die Urheber mutmaßlich gut organisiert aus dem Ausland operieren und deshalb schwer zu fassen sind, trägt seinen Teil zur allgemeinen Verunsicherung bei.

Die Polizei wird nicht müde, zu mahnen und ans gesunde Misstrauen zu appellieren, das durch immer neue Maschen auf die Probe gestellt wird. Denn die Täter haben überhaupt nur eine Chance, weil nach wie vor die allermeisten Menschen tatsächlich ehrlich und vertrauenswürdig sind – wenn sie zum Beispiel darum bitten, ihnen Geld für den Parkscheinautomaten zu wechseln.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Angekratzt

Angekratzt

Diesel-Skandal, Schadstoffwerte unddie Folgen für die Automobil-Region Würden Sie zurzeit noch guten Gewissens im Lokal ein „Diesel“ bestellen? Andererseits ist die Lage zu ernst, als dass man darüber spotten sollte…. »