Zufallstreffer zählen nicht

Mittrainiert: MT-Reporterin Julia Klassen lernt im Billardkurs beim BV Pforzheim, wie man die Kugel trifft, ohne das Tischtuch zu zerstören

Von Julia Klassen Erstellt: 27. Mai 2017, 00:00 Uhr
Zufallstreffer zählen nicht Bei echten Könnern wirbeln die Billardkugeln nicht irgendwie, sondern planvoll über den Tisch. Der Sport, bei dem die Technik zählt, kann im Verein betrieben werden und hat nur wenig mit dem gewöhnlichen Kneipenspiel zu tun. Fotos: Fotomoment

Billard hat nicht das beste Image. Dagegen müssen die Spieler des BV Pforzheim immer wieder ankämpfen. MT-Mitarbeiterin Julia Klassen merkt beim Probetraining: Billard ist viel mehr als ein Kneipensport. Es geht um Konzentration und ganz viel Technik.

Pforzheim. Fast jeder hat schon einmal Billard gespielt. Dabei vielleicht ein Bier getrunken, eingenebelt von Zigarettenqualm. Billard ist ein Kneipenspiel. Dieser Ruf haftet an der Sportart wie Kaugummi auf Asphalt. „Gegen dieses blöde Image müssen wir immer wieder ankämpfen“, sagt Jenny Zehentner. Und wie geht das am besten? Mit sportlichen Erfolgen natürlich. Und die hat die 28-Jährige zu bieten: Sie ist deutsche Vizemeisterin und achtfache Landesmeisterin, in Folge und ungeschlagen. Im Jahr 2015 holte sie mit dem Team Deutschland bei der EM die Silbermedaille, 2016 EM-Bronze und bei der Snooker-WM im ägyptischen Hurghada wurde sie vor zwei Jahren mit einer starken Leistung Neunte.

Ich bin beeindruckt. Für mich war Billard bislang vor allem eines: peinlich. Dieser Moment, wenn alle Augen auf dich gerichtet sind, in Erwartung eines perfekten Stoßes, der die Kugel im Loch versenkt. Und wenn man dann ausholt, um mit voller Wucht das grüne Tischtuch fast aufzuschlitzen oder – nicht weniger peinlich – die weiße Kugel in hohem Bogen vom Billardtisch zu schießen. Ich habe mich daher irgendwann entschieden, lieber Dart oder Tischfußball zu spielen.

Heute jedoch will ich es noch einmal wagen. Vielleicht klappt es ja mit der fachkundigen Hilfe der Profis vom BV Pforzheim. „Es ist alles eine Frage der richtigen Technik“, macht mir Gerald Kny Mut. Er ist zweiter Vorsitzender des BV und spielt in der ersten Mannschaft, die soeben in die Oberliga aufgestiegen ist. Das Vereinsheim des Pforzheimer Billardvereins ist hell erleuchtet, die Luft ist frisch. Bier trinkt hier keiner. Wir suchen uns einen freien Pool-Billardtisch aus und Jenny Zehentner reicht mir ein Queue. Bevor wir loslegen, poliert Gerald Kny die Kugeln noch in einer Art Waschmaschine. Danach kann man sich fast darin spiegeln.

Ich muss zugeben, ich bin etwas nervös vor meinem ersten Stoß. Die peinlichen Kneipenerlebnisse kommen wieder hoch. Doch die Profis erklären mir genau, was zu tun ist. „Das Wichtigste ist“, sagt Gerald Kny, „dass die Kugel gerade rollt.“ Und das erreicht man nur, wenn man sie gerade und mittig trifft. Schon kleinste Abweichungen werden beim Billard bestraft. Das Queue muss gerade zur Stoßrichtung zeigen, der Unterarm bildet eine Linie mit dem Billardstock, der zwischen Daumen und Zeigefinger aufliegt. Dann beugt man sich tief hinunter. Wenn das Queue die Kugel fast berührt, sollte der hintere Unterarm senkrecht zum Boden zeigen. Ein paar Probeschwünge dienen der Kontrolle und dann kommt der Stoß. Wenn man die Kugel nun genau in der Mitte trifft, rollt sie gerade nach vorne. Das klappt mal besser und mal schlechter, aber ich treffe. Nichts hopst und das Tischtuch bleibt heil.

Beim anschließenden Spiel gegen Jenny Zehentner bin ich dann aber gnadenlos unterlegen, auch weil mein einziger Trumpf nicht zum Einsatz kommen kann: der Zufallstreffer. Den gibt es beim Pool-Billard nicht. Vor dem Stoß muss man ansagen, welche Kugel man in welchem Loch versenken will. Mist. Gute Billardspieler planen bis zu drei Kugeln im Voraus. Davon bin ich weit entfernt. Aber ich kann mir nun vorstellen, mich in Zukunft auch in der Öffentlichkeit wieder an einen Tisch zu wagen. Oder noch mal zum Training in den Verein zu gehen. „Viele Leute wissen gar nicht, dass man Billard im Verein spielen kann, geschweige denn, dass es ein richtiges Ligensystem gibt“, sagt Gerald Kny. Er und seine Mitstreiter arbeiten unermüdlich daran, das zu ändern und das Kneipenimage endlich loszuwerden.

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