„Wir machen uns gerne schmutzig“

Beim Dirty Darwin kommt es mehr auf den Auftritt als auf die Zeit an – Captain Superhero und seine Super-Woman-Crew am Start

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 21. Juni 2014, 00:00 Uhr
„Wir machen uns gerne schmutzig“ Die schwarz-rot-goldene Körperbemalung von „Jogis Jungs“ geht nicht einmal im Wasserbad ab. Fotos: Eigner

Steine schleppen und durch eine braune Brühe waten, die bis zum Hals steht. Die Teilnehmer des „Dirty Darwin“ am Donnerstag in Wimsheim haben sich genau das als Freizeit-Herausforderung ausgesucht. Und ganz offenbar macht der seltsame Hindernislauf auch noch Spaß.

Wimsheim. Einige traben ganz locker und mit strahlendem Gesicht ins Ziel, andere trotten, stapfen, wanken mit erschöpfter Miene daher. Da können die Heavy-Metal-Beats aus den Lautsprecherboxen noch so antreiben. „Die natürliche Auslese sorgt dafür, dass immer die Stärksten oder die am besten Angepassten überleben“, diese Erkenntnis des Evolutions-Theoretikers Charles Darwin haben die Macher des „Dirty Darwin“ plakativ an den Eingang zum Wimsheimer Sportgelände gehängt. Auf der Strecke bleibt am Ende zwar niemand, aber keine Frage: Was sich Christian Horn da ausgedacht hat, schlaucht.

Der drahtige Wimsheimer, der mit seinen hellblonden Strähnen und dem Acht-Tage-Vollbart jederzeit als Surflehrer auf irgendeiner sonnigen Urlaubsinsel durchgehen würde, grinst über beide Backen. Fast 100 Teilnehmer haben sich zu seinem zweiten „Dirty Darwin“ angemeldet. Wettbewerbe wie der „Highlander“ und der „Strong Man Run“ sowie die skurrile japanische Show „Takeshi’s Castle“, die auch im deutschen Privatfernsehen eine Zeit lang lief, brachten Christian Horn auf die Idee, etwas Ähnliches auch in kleinerem Maßstab in seinem Heimatort mit dem TSV Wimsheim aufzuziehen, wo er in seiner Freizeit als Hobbyfußballer aktiv ist.

Die Ambitionen, mit denen die Teilnehmer zu dem Wettlauf für Schmuddelkinder antreten, scheinen ganz unterschiedlich. Knapp 20 stellen sich am frühen Abend dem Einzelrennen über zehn Kilometer und machen mit ihrer durchweg sportlich-funktionellen Kleidung den Eindruck, dass es ihnen vornehmlich ums Gewinnen geht. Den Sieg feiern schlussendlich Vincent Spott in 54:43 Minuten und Karla Rebhuhn in 1:06:19 Stunde.

Anders hingegen beim zuvor ausgetragenen Fünf-Kilometer-Lauf für Einzelstarter und Teams. Da sind Zeit und Platzierung herzlich wurscht. Hauptsache, der Auftritt stimmt und die johlenden Zuschauer haben ihre Gaudi. Für „Jogis Jungs“ gilt das auf jeden Fall.

Die Heimsheimer haben ihre nackten Oberkörper ganz in Deutschland-Farben getüncht. Wie es scheint, eine hartnäckige Schminke auf Fettbasis, die selbst beim Durchqueren eines mit 40 Kubikmeter Wasser gefüllten Stahlcontainers nicht abgeht. Auf der Oberfläche schwimmen zwar ein paar Luftkissen, doch die Läufer versuchen gar nicht erst, mit deren Hilfe trockenen Fußes durchzukommen. Die meisten tauchen einfach drunter durch, ein Teilnehmer begeistert das Publikum gar mit einem Bauchplatscher ins kalte Nass. Kaum raus aus dem Wasser wartet schon die nächste Abkühlung. Wieder ein Stahlbottich, diesmal mit zehn Kubikmetern Fassungsvermögen und brusthoch mit einer Mischung aus Wasser, Erde und Mulch gefüllt.

Den meisten sind die Strapazen schon anzusehen, als sie durch diese braune Brühe pflügen. Denn der Großteil der Strecke liegt da schon hinter ihnen. Im Wimsheimer Wald hatten Christian Horn und seine Helfer schon einige anstrengende Aufgaben gestellt. Steine waren zu schleppen, ein mehrere Meter langer Wirrwarr von Seilen und Stricken zu durchkrabbeln. Kein Wunder, dass das Team der Freiwilligen Feuerwehr Wimsheim als Letztes wieder ins Stadion hechelt. Die Floriansjünger haben die fünf Kilometer mitsamt Helm und Atemschutzmasken bewältigt.

Das Prädikat, die hübscheste Mannschaft zu sein, beansprucht derweil eine Formation aus Warmbronn und Weil der Stadt mit einigem Recht für sich. „Captain Superhero und seine Super-Woman-Crew“, nennen sich die sechs jungen Mädchen und zwei Kerle. „Ein blöder Name zum Schreien“, gibt Anja Füßer zu, die als schnellste Frau das Ziel erreicht hat. Doch was bewegt zur Teilnahme an einem solchen Wettbewerb? „Es hat sich cool angehört und wir machen uns gerne schmutzig“, flachsen die Mädchen im Team und posieren mit ihren beiden Jungs für ein Foto. „Jetzt aber unter die Dusche“, fordert eine der Läuferinnen. Zusammen? „Ja klar! Die Mannschaft bleibt immer zusammen!“, unterstreicht die Super-Woman-Crew mit einem herzlichen Lachen.

Auch Jogis Jungs haben inzwischen das Ziel erreicht und lassen sich ein kühles Bier als Belohnung schmecken. „Nächstes Jahr wieder, aber in besserer Zeit“, nehmen sich die Jungs schon vor.

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