„Rollstuhlskaten gibt mir ein Gefühl der Freiheit“

Weltklassefahrer David Lebuser gibt Kurse auf der Gartenschau

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 26. Juni 2015, 00:00 Uhr
„Rollstuhlskaten gibt mir ein Gefühl der Freiheit“ David Lebuser zeigt mit dem Rollstuhl spektakuläre Sprünge und Fahrmanöver. Foto: privat

Seit einem Unfall 2008 ist David Lebuser querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Die Fernsehbilder von den Paralympics inspirierten ihn damals zu seiner jetzigen Karriere. Der 28-Jährige ist der erste professionelle Rollstuhlskater Deutschlands und zeigt nächste Woche sein Können in Mühlacker.

Mühlacker. Über den Unfall selbst spricht David Lebuser ungern, dafür umso lieber über die Zeit danach. „Schon in der Reha habe ich gesehen, dass man auch im Rollstuhl sportlich sein kann“, berichtet David Lebuser, der in Frankfurt an der Oder geboren und inzwischen in Dortmund zu Hause ist. Zumal er in der Klinik die Paralympischen Spielen in Peking live im Fernsehen verfolgen konnte. Ein Kumpel zeigte ihm Videos eines amerikanischen Rollstuhlskaters im Internet, und von da an warf Lebuser immer wieder Blicke auf die Skateanlage, die in nächster Nähe zu der Rehaklinik lag.

„Ich habe von einer Minute auf die nächste entschieden, es auszuprobieren. Das war im Nachhinein etwas blöd, weil ich keinen Helm hatte“, schildert David Lebuser seinen ersten Versuch. „Ich bin dabei auch gleich umgekippt, habe mich aber zum Glück nicht verletzt. Auf jeden Fall aber fand ich es einfach toll, mich wieder frei zu fühlen, meinen Körper genauso austesten zu können und wieder Scheiß zu bauen wie vor dem Unfall.“ Ohne Helm und Knieschützer aber fährt er seitdem in keinem Skaterpark mehr.

2014 war David Lebuser der inoffizielle Weltmeister

Was David Lebuser vermisst, sind Wettbewerbe im Rollstuhlskaten. „In Europa gibt es leider keine, ich muss dazu immer in die USA“, bedauert er. Dort allerdings war er im „WheelchairMX“ oder kurz „WCMX“ in jüngster Zeit sehr erfolgreich. Bei den ersten offiziellen Weltmeisterschaften wurde Lebuser in diesem Jahr Dritter. „2014, als es noch die inoffizielle WM war, habe ich sogar gewonnen.“ Inzwischen verdient Lebuser sogar Geld mit dem Rollstuhlskaten. „Leider nicht genug, dass ich allein davon leben könnte“, schränkt er ein. Hauptberuflich arbeitet er in einem Kindersanitätshaus, das unter anderem Rollstühle für Kinder herstellt.

Allerdings beansprucht das Rollstuhlskaten mittlerweile so viel Zeit, dass er seine zweite Sportart Rollstuhlbasketball zur Seite gelegt hat. „Zumindest am Ligabetrieb nehme ich nicht mehr teil. Skaten hat den Vorteil, dass ich da meine Trainingszeiten selbst bestimmen kann. Heute gebe ich 100 Prozent, morgen vielleicht nur 80. Und wenn man auf den Skaterpark gefahren und dann zwei Stunden nur in der Sonne gelegen ist, ist das auch mal okay.“ Das Trainingskonzept könnte einfacher nicht sein: „Ich gehe in den Skatepark und fahre los“, sagt David Lebuser, der von seinem Können gerne weitergibt, zum Beispiel am Samstag kommender Woche im Rahmen des Lebenshilfe-Tags auf der Mühlacker Gartenschau.

Spitzenskater ist bereits gespannt auf den Parcours in Mühlacker

In seinen Kursen stellt sich Lebuser stets individuell auf die Schüler ein. „Es gibt manche Kamikazes, die muss man erst mal bremsen. Andere sind sehr vorsichtig, die muss man etwas anschubsen. Ich hole jeden da ab, wo er gerade ist.“ Zunächst soll es einen Anfängerkurs geben, danach einen Kurs für Fortgeschrittene. Wobei Letzterer nicht unbedingt für jene gedacht ist, die Rollstuhlskaten schon ausprobiert haben. „Wir denken da an Rollis, die ihren Rollstuhl schon richtig gut beherrschen.“ Der Weltklasseskater ist selbst schon gespannt auf Mühlacker, auf die Kursteilnehmer und den Skaterpark auf dem Gartenschau-Gelände. An den wird er sich selbst erst einmal herantasten: „Jeder Skaterpark ist anders. Wenn ich einen neuen Park ausprobiere, dann fahre ich ihn zunächst einfach ab, um ihn kennenzulernen“, sagt David Lebuser.

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