„Hockt nicht nur in der Besenwirtschaft!“

Ultraläufer Alfred Maahs ruft seine Generation zum Sport auf

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 12. Juni 2013, 00:00 Uhr
„Hockt nicht nur in der Besenwirtschaft!“ Auch 2013 wieder ein Finisher: Alfred Maahs aus Illingen hat 25 Mal den 100-Kilometer-Lauf in Biel, französisch Bienne, der größten zweisprachigen Stadt der Schweiz, absolviert. Fotos: Eigner/privat

100 Kilometer zu Fuß in kaum mehr als 19 Stunden, und das auch noch über Nacht – davon kann Alfred Maahs offenbar gar nicht genug bekommen. Am Wochenende hat der 75-Jährige aus Illingen ein Jubiläum gefeiert. Zum insgesamt 25. Mal seit 1980 absolvierte er die „100 Kilometer von Biel“.

Biel/Illingen. Wer an die Schweiz denkt, stellt sich möglicherweise verschneite Berge vor und gut präparierte Skipisten. Doch als Alfred Maahs am vergangenen Freitagmorgen durch die Stadtmitte von Biel schlendert, zeigt das Thermometer an einer Apotheke bereits 28 Grad an. „Da war es gerade erst 10 Uhr“, erzählt der Illinger. Nicht unbedingt ideale Bedingungen für den 100-Kilometer-Lauf, der zwölf Stunden später, um 22 Uhr abends, gestartet werden soll. „Es war eine Hitzeschlacht“, fährt Maahs fort und bläst die Backen auf. Doch der aus Kolberg in Pommern stammende Ausdauerläufer hat die Strapazen wieder einmal überstanden. Um 17 Uhr am Samstag, nach exakt 19 Stunden, zwei Minuten und 53 Sekunden erreichte Alfred Maahs das Ziel und wurde gewissermaßen Jubiläums-Finisher, wie die Urkunde beweist: „Anzahl bestandene Läufe: 25“ steht darauf. Auch seine persönliche Bestleistung ist auf dem „Diplôme“ verzeichnet: 12:48:16 Stunden, gelaufen im Jahr 1990. Zum ersten Mal nahm der Illinger 1980 teil, einige Jahre setzte er aus, weil seine Eltern der Pflege bedurften.

„Ich habe natürlich zwischendurch auch Gehpausen eingelegt“, berichtet Alfred Maahs von seinem jüngsten Lauf. Außerdem kehrte er in einige Läden entlang der Strecke ein, um sich über die Verpflegungsstationen hinaus zusätzlich Mineralwasser zu besorgen: „Ich habe bestimmt acht Liter getrunken.“ Am Ende standen Rang 777 im Gesamtklassement und der 18. Platz in seiner Altersklasse M70. Doch Platz und Laufzeit sind dem 75-Jährigen gar nicht so wichtig.

„Ich möchte einfach mal sehen, wo ich gesundheitsmäßig stehe“, nennt Maahs als Beweggrund. Außerdem will er mit seinem Beispiel Altersgenossen animieren, Sport zu treiben, sich zu bewegen: „Leute, tut was! Hockt nicht nur in den Besenwirtschaften!“, appelliert er lachend an seine Generation Ü70. „Orthopädisch habe ich kein Problem. In meinem Alter! Stellen Sie sich das mal vor!“ Dabei bezeichnet sich Alfred Maahs selbst als trainingsfaul.

„Vielleicht habe ich die Gene meines Vaters. Der war zäh“, vermutet er. Denn seine Vorbereitung auf das Rennen in Biel klingt keineswegs nach Schinderei und Askese. „Ich fahre gelegentlich Fahrrad, wandere mal mit meiner Frau 20 Kilometer“, erzählt Maahs. „Außerdem nehme ich an IVV-Wandertagen teil und renne dann die Strecke, so weit ich komme. Dann mache ich Gehpausen.“ Und auch bei der Ernährung achte er auf nichts Besonderes. „Nö, ganz normal“, antwortet er auf die entsprechende Frage. Nur sein Hobby ist eben ein wenig ungewöhnlich.

Weiterlesen

Unter den Härtesten

Las Vegas (pm/eig). Extremsportler Fabian Breitsamer aus Ispringen ist als Vizeweltmeister vom „World‘s toughest mudder“ – zu Deutsch etwa „Der Welt härtestes Dreckrennen“ – zurückgekehrt, das in der Wüste von… »