Turnen ist viel zu cool, um ganz davon zu lassen

Sportlerwahl-Sieger heute: Maike Roll studiert inzwischen Sport auf Lehramt, arbeitet als Trainerin – und turnt auch selbst noch

Von Ulrike Stahlfeld und Steffen-Michael Eigner Erstellt: 3. Januar 2017, 00:00 Uhr
Turnen ist viel zu cool, um ganz davon zu lassen Trotz Studium und Trainerjob immer noch sportlich erfolgreich: Maike Roll bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im November 2016, wo sie den Wettbewerb am Balken gewann. Foto: Gerhard

Das Mühlacker Tagblatt steuert wieder schnurstracks auf eine Sportlerwahl zu. Grund genug, einmal nachzuforschen, was aus früheren Sportlerwahl-Siegern geworden ist, die in jüngster Zeit nicht mehr mit Schlagzeilen von sich reden gemacht haben. Heute: Maike Roll, Siegerin der Sportlerwahl 2013.

Ötisheim. Die Ballsportarten sind nicht so „ihr Ding“. Das Turnen dafür umso mehr. Über Jahre hinweg hat der Turnsport das Leben von Maike Roll bestimmt. Auch heute nimmt er noch gehörig Einfluss: Die Ötisheimerin, Siegerin der MT-Sportlerwahl 2013 in der Kategorie Sportlerinnen, ist noch immer sportlich aktiv.

„Ich verbringe noch immer sehr viel Zeit in der Sporthalle“, erzählte die 23-Jährige, als sich das Mühlacker Tagblatt bei ihr meldet, um nachzufragen, was die einstige Hochleistungssportlerin heute so macht. Der Anruf erreicht Maike Roll in ihrer Wohngemeinschaft in Karlsruhe. „Noch ein gutes Jahr, dann kommt das Referendariat“, erzählt die Turnerin aus Ötisheim von ihrem Lehramts-Studium. Ihre Schüler wird sie eines Tages in Mathematik und Sport unterrichten.

Nicht zuletzt wegen ihres Studiums spielt der Sport im Leben von Maike Roll noch immer eine große Rolle. Wie schon in ihrer Jugend: Ihre erfolgreiche Karriere hat sie einst beim TV Mühlacker begonnen. Ihre Schulzeit verbrachte sie zum Teil in Sportschulen. 25 bis 30 Stunden pro Woche hat die Turnerin damals trainiert: „Die Schule lief nebenher.“

Das fleißige Training zahlte sich aus. Maike Roll turnte bis 2010 für die TG Karlsruhe-Söllingen in der 1.Bundesliga, später war sie mit dem TSV Tittmoning in der ersten und zweiten Liga aktiv. Die Sportlerwahl 2013 gewann Maike Roll auch dank ihrer Comeback-Qualitäten: Nach eineinhalb Jahren Pause wegen einer Sprunggelenks-Verletzung kam sie 2012 erfolgreich zurück und feierte mit der Riege des TSV Tittmoning den dritten Platz in der 2. Bundesliga und via Relegation den Aufstieg zur 1. Bundesliga.

Ihr wohl erfolgreichstes Jahr aber hatte Maike Roll bereits 2009, als sie DM-Dritte am Stufenbarren hinter Anja Brinker und Kim Bui wurde, daraufhin den Deutschen Turnerbund bei den Weltmeisterschaften in London vertrat. Noch im selben Jahr errang sie beim Weltcup in Stuttgart Silber am Schwebebalken. Von 2012 an musste sie das Training mit ihrem nun begonnenen Studium vereinbaren, dennoch wurde die Ötisheimerin 2014 Deutsche Vizemeisterin am Balken. Und es war erneut der Schwebebalken, der ihr im vergangenen Herbst zu einem weiteren sportlichen Erfolg verhalf: Maike Roll wurde an diesem Gerät Deutsche Hochschulmeisterin.

Das „Uniturnen“, ist aber nur eines der aktuellen sportlichen Betätigungsfelder von Maike Roll. Etwa elf Stunden pro Woche ist sie als Trainerin im Mädchenturnen bei ihrem Verein, dem TSV Grötzingen, tätig. Für die einstige Hochleistungssportlerin ist es interessant, mit den Fünf- bis Elfjährigen zu trainieren: „Man geht mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten um.“ Maike Rolls Mädchenturngruppe ist nicht nur auf Leistung und den sportlichen Erfolg aus. Es geht auch um den Spaß am Sport. Vielleicht sammelt die Lehramts-Studentin, die während ihres Sportstudiums feststellte, dass die Ballsportarten nicht „ihr Ding“ sind, im Verein auch erste Erfahrungen für den Umgang mit ihren künftigen Schülern.

„Ich komme aus dem Turnen, habe Zug dahinter“, meint Maike Roll und räumt ein, dass sie vielleicht nicht zuviel erwarten darf und andere Maßstäbe ansetzen muss: „Aber es hat auch was, wenn man etwas geschafft hat. Für sie persönlich war der Leistungssport in jedem Fall prägend: „In allen Facetten.“

Sogar der Leistungssport reizt sie noch immer. Vielleicht als Trainerin, eine wie sie einräumt schlecht bezahlte Arbeit. Und auch als Turnerin gäbe es noch Möglichkeiten. „Da geht doch noch was“, weiß Maike Roll spätestens seit ihrem Erfolg bei den Universitäts-Meisterschaften im November. „Aber dann müsste ich viel Zeit investieren“, denkt sie im Gespräch laut weiter. In jedem Fall hat der Sport Maike Roll nicht losgelassen. Und sie weiß auch den Grund: „Dafür ist das Turnen dann doch zu cool.“

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