Triathleten testen die stille Enz

Wasserfreunde Mühlacker bieten in Zusammenarbeit mit der DLRG-Ortsgruppe die Chance, die Schwimmstrecke kennenzulernen

Von Thomas Eier Erstellt: 8. Juli 2019, 00:00 Uhr
Triathleten testen die stille Enz Härtetest: Ein knappes Dutzend Teilnehmer nutzen - auf Einladung der Wasserfreunde und begleitet von der DLRG - die Möglichkeit, die Schwimmstrecke des Mühlacker Triathlons zu erproben. Fotos: Eier

Ruhig angehen, taktisch klug schwimmen und nicht zu früh verausgaben, damit am Ende die Körner reichen: Ein Tipp des Wasserfreunde-Vorsitzenden Maximilian Haase an die Starter, die zwei Wochen vor dem dritten Mühlacker Triathlon die Chance nutzen, die Schwimmstrecke in der Enz zu testen.

Mühlacker. Gemessen am Wettkampf in 14 Tagen, bei dem sich wiederum mehrere Hundert Athleten in den Fluss stürzen werden, herrscht an diesem Sonntag an der stillen Enz die Ruhe vor dem Sturm. Wobei das sportliche Großereignis längst seine Schatten voraus wirft, wie unter anderem Dieter Pfeifer erkennen muss. Das Mitglied des ASV Mühlacker hat wie gewohnt am Ufer auf Höhe der Enztalsporthalle die Angel ausgeworfen, doch an diesem Morgen ist für ihn spätestens um 10 Uhr Schluss. „Nicht, dass es mir geht wie vor einigen Jahren“, schmunzelt der 66-Jährige. „Da hatte ich am See in Linkenheim einen Sporttaucher am Haken.“

Im aktuellen Fall könnte der besonders dicke Fang ein(e) Triathlet(in) sein, weshalb das Angeln für die Zeit des Trainings im Fluss verboten ist. Doch Dieter Pfeifer hat volles Verständnis und räumt, mit einigen kleineren Rotaugen in seinem Eimer, die nächste Woche im Aquarium beim Fischerfest am Wullesee den Besuchern gezeigt werden, gerne das Feld für jene, die es weniger gemütlich angehen lassen. In schöner Tradition haben die Wasserfreunde Mühlacker in Zusammenarbeit mit der DLRG-Ortsgruppe die Möglichkeit geboten, unter Realbedingungen die – je nach gewählter Triathlon-Disziplin – entweder 750 oder 1500 Meter lange Schwimmstrecke in der Enz zu erproben. Der Großteil der Trainingsgruppe wird zwar „nur“ die kürzere Halbdistanz angehen, dennoch gilt: Ein Härtetest kann nicht schaden.

Und: Wie viel Grad hat das Wasser? Selbst die DLRG-Helfer Sven Geißler und Jan Schaarschmidt, die für den Fall der Fälle die Trainingseinheit auf ihren Rettungsbrettern begleiten, tun sich schwer mit einer Schätzung. Am Ende werden, passend zu den Außentemperaturen, etwa 21 Grad angenommen, und aus Sicht von routinierten Teilnehmern wäre diese Konstellation auch in zwei Wochen perfekt. Der Tag nicht zu kalt und nicht zu heiß, dazu die Enz richtig temperiert – der Probelauf macht bei den Teilnehmern Lust auf mehr. Wobei Felicitas Detroy aus Ludwigsburg, die in Mühlacker erst ihren zweiten Triathlon bestreiten wird und ihre Premiere in der Enz feiert, vorab kein reines Vergnügen erwartet: Es werde, vermutet sie, wohl kälter sein als im Freibad oder Badesee, außerdem wirke das Wasser trüber.

Tatsächlich, bestätigt Wasserfreunde-Vorsitzender Maximilian Haase als Organisator des Einschwimmens, sei die (schlechte) Sicht und schwierige Orientierung das größte Problem im Fluss. „Im Becken sieht man immer den Boden, dadurch weiß man, wo man ist.“ Die besonderen Tücken sind auch danach, beim Praxistest, gut zu erkennen: Während die Routiniers unter den elf Trainingsteilnehmern kerzengerade durchziehen, driften andere, die ebenfalls aufs Kraulen setzen, zum Teil in Richtung der Uferböschung ab und lassen bei ihren Kurskorrekturen unnötig Kraft.

Gut also, dass Dieter Pfeifer die Angelschnur eingezogen hat. Die überschaubare Zuschauerkulisse besteht ansonsten aus Familienangehörigen, den Helfern der beiden Vereine sowie zufällig vorbeikommenden Joggern und Spaziergängern. Als kleinen Vorgeschmack auf den Ansturm, der beim dritten „Volksbank Triathlon Mühlacker powered bei Stadtwerke Mühlacker“ auf der Strecke und am Ufer erwartet wird, kämpft an diesem Sonntag ein kleines Grüppchen gegen die Strömung an, die nach allgemeiner Einschätzung an der „stillen Enz“, die ihrem Namen alle Ehre macht, keine größeren Probleme bereitet.

Wie im Wettkampf zieht sich das Feld der Trainingsgruppe, die sich zwischen aufgeschreckten Enten durchs Wasser pflügt, in kurzer Zeit weit auseinander. Manche kraulen ruck, zuck ihre 1500 Meter runter, während es andere im Bruststil oder phasenweise als Rückenschwimmer deutlich ruhiger angehen – gemäß der Empfehlung von Maximilian Haase, sich beim Massenstart am 21. Juli keinesfalls unter Druck setzen zu lassen, sondern taktisch klug zu schwimmen, damit die Kraft reicht. So gibt es neben der Möglichkeit, die Verhältnisse zu beschnuppern, einige praktische Tipps – und am Ende Beifall der Teilnehmer für die gastgebenden Vereine, zumal alles ohne Zwischenfälle verläuft und die DLRG nicht eingreifen muss.

Mit der Zahl der Anmeldungen zeigte sich Maximilian Haase zufrieden, auch wenn es bei den Vorgängerveranstaltungen schon mehr waren. Etliche Starter, vermutet er, hätten nach zwei Auflagen des Mühlacker Triathlons bereits die nötigen Erfahrungen gesammelt, während das Enztraining gerade für Neulinge wichtig sei. Wie für Enrico Riebe vom SSV Ettlingen, der erstmals in Mühlacker antreten wird und bislang vorrangig Schwimmstrecken in Seen absolviert hat. „Wie im See – nur ist weniger zu sehen“, lautet eine halbe Stunde später sein Fazit aus der Begegnung mit dem Enzwasser. Felicitas Detroy wiederum fand es ohne Neoprenanzug, den die meisten Kollegen tragen, „kalt, saukalt!“, aber für das Angebot an sich ist sie dankbar: „Es war gut, dabei zu sein.“

Thomas Eier

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