Triathleten haben Mühlacker im Griff

An der zweiten Auflage des Wettbewerbs nehmen rund 770 Athleten teil – Das sportliche Spektakel ist erneut ein Besuchermagnet

Von Maik Disselhoff Erstellt: 23. Juli 2018, 00:00 Uhr
Triathleten haben Mühlacker im Griff Triathleten haben Mühlacker fest im Griff.

Spätestens nach der zweiten Auflage des „Volksbank Triathlon powered by Stadtwerke Mühlacker“ ist klar: Die Senderstadt verfügt jetzt über ein neues Markenzeichen. Der Dreikampf zieht viele Sportler und Zuschauer an und schärft das Profil Mühlackers.

Mühlacker. Dass irgendetwas anders ist als sonst, wird schnell deutlich an diesem Sonntagmorgen. Auf einem Parkplatz steht ein drahtiger junger Kerl in Unterhose neben seinem Auto. Was sonst für Aufsehen sorgen würde, ist heute völlig normal. Jonathan Möller, der bisher nur im Team startete, zieht sich um für seinen ersten Triathlon als Einzelkämpfer. Der Mann mit der Startnummer 187 ist „sehr aufgeregt“, freut sich aber auch auf seine Teilnahme beim Jedermann-Wettbewerb in Mühlacker: „Mich hat die kleine Einsteigerdistanz gereizt.“

Auch auf der Bahnhofstraße bietet sich zwischen Blumenkübeln, Bänken und Menschen mit Einkaufstaschen ein ungewohntes Bild. Ein sportliches Quartett in rot-weißen Trikots joggt sich in der Gruppe warm. Spätestens jetzt steht fest, wer die Innenstadt an diesem Tag fest im Griff hat: Es sind die Ausdauersportler, die nach Mühlacker gekommen sind, um ihre Kräfte zu messen und Grenzen auszuloten.

Die ersten Wettbewerbe starten im Freibad. Dort lässt Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider als erstes die Schreckschusspistole für die Herren-Teams der 2. Bundesliga knallen. „Schöner Beinschlag, schöner langer Zug“, kommentiert Moderator Roy Fischer die Vorstellung der Spitzenathleten. Die Zuschauer genießen das „Schwimmen in Perfektion“. Elke und Albrecht Cagol feuern ihre 22-jährige Tochter Lea an, die für das Team SV 05 Würzburg in der 2. Liga ins Rennen geht. Das Ehepaar sieht den Triathlon-Sport „im Aufwind“. Elke Cagol sagt, dass dies an den vielen guten deutschen Top-Athleten liege und erwähnt dabei den Namen von Sebastian Kienle aus Mühlacker. „Das motiviert, das ist ein Stück weit wie damals der Becker-Boom im Tennis.“ Kienle wäre gerne in seiner Heimatstadt dabei gewesen, doch ein Höhentrainingslager im Ausland kam dem Profi dazwischen.

Derweil blickt ein zufriedener Bäderchef auf die Bahnen seines großen Schwimmbeckens. „Das ist eine super Veranstaltung. Und die 2. Liga macht das Ganze noch interessanter – eine tolle Werbung für unser Bad“, schwärmt Andreas Pfisterer. Nachdem auch die Autozentrum-Dobler-Jedermann-Wettbewerbe auf die Strecke gegangen sind, rollt die Triathlon-Welle durch Mühlacker.

Die Zuschauer erleben die Wettkampfatmosphäre hautnah. Da gerät beim Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke schon mal kurz ein Schuh auf Abwege, muss in der Wechselzone noch ein platter Reifen ausgetauscht werden und es gibt beinahe eine Kollision zwischen einem schnellen Radler und einer Läuferin. Doch ein lauter Zwischenruf von Carlo Morgante, einem der vielen freiwilligen Helfer, verhindert Schlimmeres. Der grüne Pfeil hält die Triathleten beim Laufen in der Spur und garantiert ihnen Vorfahrt. Dass die Sportler die Innenstadt und die Radstrecke nach Pinache für sich reklamieren, gefällt OB Schneider: „Mich freut die Neuauflage des Wettbewerbs, es macht richtig Spaß“, betont er.

Zwei ältere Damen sitzen auf einer Bank an der Enz und erinnern sich daran, wie sie in ihrer Jugend in dem Fluss geschwommen sind. Aber nicht so, wie die Sportler, die bei der olympischen Distanz und im Sprint gegen die Strömung der Enz und gegen die Uhr kämpfen. Der Enzsteg entpuppt sich einmal mehr als idealer Platz für das Publikum. Ob die Athleten, die bei 19,8 Grad Wassertemperatur im Neoprenanzug unterwegs sind, den Applaus der Zuschauer oben auf der Brücke hören? Auf die helfenden Hände, die das DLRG beim Ausstieg aus der Enz bietet, können sie sich jedenfalls verlassen. Zusammen mit 15 Einsatzkräften der Feuerwehr sorgen 27 DLRG-Mitglieder für einen reibungslosen Ablauf der Schwimm-Disziplin. Das DRK hat sein Hauptquartier in der Nähe des Zielbereichs auf dem Kelterplatz aufgeschlagen und ist mit 14 Ehrenamtlichen für Notfälle aller Art gerüstet. Der Musikverein Mühlacker sorgt im Zielbereich mit rund 70 Helfern für Bewirtung. „Wir sind gerne Teil dieser Veranstaltung“, betont der MV-Vorsitzende Wolfgang Sailer.

Dieter Vogel ist vor allem wegen der Räder zum Zuschauen an die Enzstraße gekommen. Der 80-Jährige war selbst immer sportlich aktiv und interessiert sich als ehemaliger Kfz-Mechaniker für die Hightech-Rennmaschinen der Triathleten. „Die faszinieren mich – die leichten Rahmen, die Bremsen.“ Auch der ehemalige Hobby-Triathlet Stefan Prieger schaut in Mühlacker vorbei und staunt über die geballte Energie der Bundesliga-Starter, die ordentlich in die Pedale treten: „Da ist richtig Krawall dahinter, die nehmen schier ihre Räder auseinander.“ Vor dem Start müssen diejenigen, die in der Enz schwimmen, eine ganz spezielle Disziplin meistern. Den Neoprenanzug anzuziehen, erfordert Geduld. Frank Heim lacht, als er sich umständlich in die Gummihaut zwängt. Aus dem Raum Esslingen ist er wegen des Flairs nach Mühlacker gekommen. „Hier ist die Stimmung einfach gut.“ Für die Motivation der Sportler sorgt das begeisterte Publikum vor der Feuerwache sogar mit Pauke, Becken und Trompete.

Am Ende dürfte es vielen gehen wie Triathlon-Einsteiger Simon Olt, der sich nach dem Zieleinlauf von Physiotherapeut René Erhardt die Waden kneten lässt. „Im Ziel über den blauen Teppich zu laufen, hat sich gut angefühlt“, sagt der 23-jährige Dürrmenzer.

Mit deutlichem Vorsprung kommt der Sieger der olympischen Distanz, Thomas Heuschmidt, ins Ziel. In zwei Stunden, 15 Minuten und einer Sekunde legt der 34-Jährige die 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen zurück. Für den überlegenen Gewinner, der sich erst am Morgen entschieden hatte, in Mühlacker zu starten, war der Anstieg nach Pinache „mal etwas anderes im Vergleich zu den üblichen Strecken“. Bei den Frauen belegt auf der olympischen Distanz Melanie Altenbeck mit 02:35:08 Stunden den ersten Platz.

Annette Gasper, Chefin der Firma Eventpower, macht am Sonntagnachmittag trotz des heftigen Regen-Finales ein zufriedenes Gesicht. „Es hat alles gut geklappt. Im nächsten Jahr wieder zur gleichen Zeit am gleichen Ort“, verspricht die Macherin Teil drei der Mühlacker Triathlon-Erfolgsstory.

 

Alle Ergebnisse in der Ausgabe am Dienstag.

Maik Disselhoff

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