Raus aus der Enz, ab aufs Rad: In der Wechselzone geht es immer hektisch zu.

Von Silas Schüller Erstellt: 22. Juli 2019, 00:00 Uhr
Raus aus der Enz, ab aufs Rad: In der Wechselzone geht es immer hektisch zu. Raus aus der Enz, ab aufs Rad: In der Wechselzone geht es immer hektisch zu. Foto: Fotomoment, Schüller, Ingo Kutsche, privat

Viel besser hätte es für die Organisatoren und Sportler nicht laufen können: Bei wunderbaren Bedingungen säumten Hunderte Zuschauer die Straßen und feuerten die rund 600 Triathleten energisch an. In der Königsdisziplin gab es eine Titelverteidigung und einen im wahrsten Sinne des Wortes „überraschenden“ Sieg.

Mühlacker. Mühlacker. Manchmal muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das wissen nicht nur ehrgeizige Einzelsportler, von denen es gestern in der Senderstadt Hunderte zu sehen gab. Auch einige Vertreter der Stadt wirkten bei der Großveranstaltung tatkräftig mit – wenn auch in verschiedenen Rollen. So leitete etwa der Leiter des Straßenverkehrsamts, Joachim Woesner, die Autofahrer an der Kreuzung vor der Enzbrücke in Lomersheim höchstpersönlich in Richtung Pinache um. „Hier fehlen zwei Schilder, die die Leute auf die Sperrung hinter dem Ort hinweisen. Eigentlich müsste ich nicht hier stehen, aber so kann ich den Ärger der Autofahrer vermeiden, die sonst bis vor die Absperrung fahren würden“, erklärte Woesner, der so nicht die Zuschauerrolle am Streckenrand einnehmen konnte.

Ganz anders erging es da Oberbürgermeister Frank Schneider, der den Triathlon mit einem Startschuss eröffnete und später mit den Sponsoren die Siegerehrung übernahm. Routiniert schickte der OB die Jedermänner- beziehungsweise Frauen mit der Schreckschusspistole auf die Reise und sah einen umjubelten Auftakt im gut gefüllten Freibad. Ein weiterer Vertreter der Verwaltung, Ulrich Saur, war weder dienstlich noch repräsentativ unterwegs. Der Ordnungsamtsleiter ging wie bereits in den Vorjahren selbst an den Start und steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr in der olympischen Distanz um fast 16 Minuten (2:49,42 Stunden). Allen Dreien dürfte einmal mehr aufgefallen sein, wie fest der Triathlon mittlerweile in Mühlacker verwurzelt ist.

An nahezu allen Streckenrändern, sei es am Enzufer, an den Straßen oder in der Innenstadt, waren begeisterte Besucher unterwegs, die die Sportler anfeuerten. Ebenso verhielt es sich in Pinache, wo die Radfahrer kurz vor der Ampelkreuzung kehrt machten, um zurück ins Enztal zu rauschen. „Wir sind jedes Mal hier und schauen gerne zu“, sagte eine Anwohnerin, die froh ist, dass der Triathlon Station im Wiernsheimer Teilort macht: „Hier ist doch sonst nichts los, da freut man sich natürlich, wenn es so eine Veranstaltung gibt.“ Wie sie hatten sich zwei Dutzend Einheimische an die Strecke begeben, wo alle paar Minuten ein Bekannter vorbeifuhr und einen Extra-Applaus bekommt. Ganz ungefährlich war die 180-Grad-Kurve indes nicht, immer wieder verbremsten sich Fahrer und mussten einen Riesenbogen um die Pylone drehen.

Nicht ganz so glimpflich endete ein Manöver eines Teilnehmers am Plattenwald, der sich bei einem Sturz leichte Verletzungen zuzog. Wie das DRK Mühlkacker, das mit der DLRG knapp 50 Helfer einsetzte, nach dem Rennen bekanntgab, mussten der Gestürzte sowie ein weiterer Sportler (internistischer Zwischenfall) mit zwei Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Ansonsten habe man einen weitestgehend ruhigen Sanitätsdienst erlebt, was angesichts der Temperaturen von knapp 30 Grad auf der Strecke nicht selbstverständlich ist.

Für Thomas Heuschmidt gestaltete sich der Sonntagvormittag ebenfalls recht entspannt. Warum sich der Vorjahressieger auf der Olympischen Distanz (750 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen) erneut recht tat, konnte er sich selbst nicht erklären: „Ich hab mich vor dem Start nicht mega gut und auch nicht mega schlecht gefühlt, es war irgendwas dazwischen.“ Der Mann vom TV Forst Triathlon machte wenige Minuten nach dem Einlauf auf dem Kelterplatz (2:05,52) nicht den Eindruck, als habe er sich schinden müssen, und wie er später bei der Siegerehrung erklärte, kam er nicht einmal ins Schwitzen: „Ich bin vom Typ her nicht so der Schwitzer, was aber natürlich nicht heißt, dass ich mich nicht anstrengen muss.“ Sein weibliches Pendant, Claudia Richter, erging es während des Rennens etwas anders. „Die Radstrecke hat es wirklich in sich, vor allem die letzten beiden Anstiege sind ziemlich kräfteraubend“, gestand die Mühlackerin, die zum Tri-Team der Stadtwerke zählt. Bei ihrer dritten Teilnahme ganz oben zu landen, wäre Richter laut eigenem Bekunden nie in den Sinn gekommen. Selbst als sie das Schwimmen und das Radfahren absolviert hatte, wusste Richter noch nicht, dass sie auf dem Weg zum Titel war. „Erst im Ziel (2:52,58) habe ich von meinem Glück erfahren“, erzählte die Gewinnerin, die auch im kommenden Jahr wieder angreifen möchte. Von Überraschungen wie dieser könnte Organisatorin Annette Gasper ein Liedchen singen. Die eventpower-Geschäftsführerin veranstaltet neben drei Triathlons pro Jahr einige weitere Laufveranstaltungen und erlebt immer wieder bemerkenswerte Geschichten. Trotzdem – und vielleicht gerade deshalb – schlägt ihr Puls vor den Rennen ein bisschen höher. „Ich war auch diesmal ein bisschen aufgeregt, schließlich kann doch hier und da was passieren“, sagte Gasper, deren Team am Donnerstag aus Darmstadt angereist war und bis zum heutigen Montag in Mühlacker bleibt. Abgesehen von den beiden DRK-Einsätzen lief die Großveranstaltung jedoch nach Plan, die Bedenken lösten sich mit zunehmender Renndauer auf.

„Wir können wieder sehr zufrieden mit dem Ablauf sein, das Wetter hat gepasst und die Innenstadt war gut besucht“, stellte die Organisatorin fest. Gerade die Maßnahme mit der Streckenänderung an der Plattensteige (wir berichteten) habe sich als richtig erwiesen, das Gleiche gelte für die Entscheidung, den Metterstensteg aus Sicherheitsgründen für Besucher zu sperren. Angesichts der zahlreichen positiven Rückmeldungen von diversen Seiten sowie der Nachfrage Schneiders, ob es denn auch 2020 einen Mühlacker Triathlon gebe, plant Gasper fest mit einer weiteren Ausgabe im kommenden Sommer. Thomas Heuschmidt wollte sich derweil nicht festlegen, ob er zum Mission Titel-Hattrick antritt: „Es kann gut sein, dass ich wieder dabei bin, aber ganz genau kann das noch nicht sagen.“

Alle Ergebnisse finden Sie im Sportteil der morgigen Ausgabe des Mühlacker Tagblatt

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