Bis zum nächsten Mal in Mühlacker

Schwimmen, Rad fahren und laufen: Der Triathlon Mühlacker findet 2019 erneut statt, allerdings ohne Beteiligung der Bundesliga

Von Maik Disselhoff Erstellt: 24. Juli 2018, 00:00 Uhr
Bis zum nächsten Mal in Mühlacker Abwechslung ist Trumpf: Durchs Wasser pflügen, Kilometer auf dem Rad fressen und dann noch Laufen. Triathlon liegt im Trend, wie die Wettbewerbe in Mühlacker beweisen.Fotos: Kutsche

Bereits jetzt steht fest, dass es auch im nächsten Jahr wieder einen Triathlon in Mühlacker geben wird. Allerdings ohne Beteiligung der Bundesliga-Teams. Der Wettbewerb „Swim&Run“ wird jedoch eine Neuauflage erfahren.

Mühlacker. Nach dem sportlichen Großereignis steht die professionelle Aufarbeitung der Veranstaltung auf dem Programm. „Wir werden die Athleten befragen, wie zufrieden sie waren und wo sie Verbesserungsbedarf sehen“, sagt Annette Gasper, die als Geschäftsführerin der Firma Eventpower für den Triathlon in Mühlacker verantwortlich ist. Auch mit dem Ordnungsamt der Stadt wolle sie noch einmal Rücksprache halten, so Gasper am Tag nach der Veranstaltung. Schließlich gehe es darum, sich immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und Stellschrauben so zu drehen, dass das Ausdauersportevent in Mühlacker noch besser werde. Dabei können Gasper und ihr Team eigentlich hochzufrieden sein. Es hat sich bei den Wettkämpfen niemand eine größere Verletzung zugezogen, und auch vom organisatorischen Ablauf her gab es laut Gasper keinerlei Probleme. 2019 wird es am 21. Juli ein Wiedersehen mit den Triathleten in Mühlacker geben, allerdings nicht mit den Bundesligisten, die am Sonntag mit ihrer Schnelligkeit und Athletik viele Zuschauer beeindruckten. Der Grund: „Die 2. Liga war vom sportlichen Aspekt her zweifellos interessant, aber wir wollen die eineinhalb Stunden Sperrzeit, die der Wettbewerb beansprucht, lieber Startern aus Mühlacker und der Region zur Verfügung stellen“, erklärt Gasper. Dies stärke die Identifikation mit dem Triathlon, weil dann noch mehr Fans aus dem Familien- und Freundeskreis an die Strecke kämen. „Das Publikumsinteresse ist gerade bei den Jedermann-Wettbewerben groß“, sagt Gasper. Das habe man im Zielbereich auf dem Kelterplatz deutlich feststellen können. Eine Neuauflage wird der „Heinzelmann Swim&Run“ erfahren, bei dem 70 Kinder und Jugendliche am Samstag zeigten, was sie drauf haben. „Die Premiere war ein voller Erfolg“, so Gasper.

Tatsache ist, dass der sportliche Dreikampf, der vom Wasser über das Rad und zum Schluss übers Laufen ausgefochten wird, boomt. Dass der Triathlon-Sport im Aufwind ist, bestätigt Gasper. Das Interesse sei nach den Erfolgen von deutschen Sportlern wie Jan Frodeno und Sebastian Kienle auf Hawaii deutlich gestiegen. Dazu komme, dass viele Laufsportler in den Triathlon einstiegen. „Das reine Laufen bietet ihnen zu wenig Abwechslung.“ Außerdem profitiere man immens vom Trend hin zum unverbindlichen Individualsport, so Gasper. „Zu uns kommen Menschen, die nicht in einem Verein sein wollen oder können.“ Der Trend „Gesundheitssport“ gebe dem Ausdauersport Triathlon zusätzlich einen Schub. In der Deutschen Triathlon Union (DTU) sind laut der Chefin von Eventpower derzeit 35000 Triathleten gelistet. Diese Zahl bilde jedoch nur ein Drittel der aktiven Sportler ab. Wenn man die Menschen hinzunehme, die wie in Mühlacker bei Jedermann-Wettbewerben teilnähmen, käme man auf eine Zahl von rund 100000 Triathleten in Deutschland.

Auch wenn Triathlon in erster Linie ein Sport für Einzelkämpfer ist, treffen Veranstaltungen wie die in Mühlacker aus unterschiedlichen Gründen einen Nerv. „Jeder gibt für sich sein Bestes, trotzdem geht es darum, gemeinsam etwas zu machen, ein Event zu erleben. Und bei den Staffeln kommt dann auch der Teamgedanke dazu. Und nicht zu vergessen: Triathleten wollen gesehen werden“, sagt Gasper. Gesehen wurden die Sportler in Mühlacker. Die vielen Zuschauer haben die Triathleten angefeuert und großes Interesse am Dreikampf gezeigt. Das haben die Sportler als sehr motivierend empfunden, wie in vielen Gesprächen am Rande der Veranstaltung deutlich wurde. Für Einsteiger muss ein erster Triathlon auch nicht zur Materialschlacht ausarten. So sah man auch in der Wechselzone in Mühlacker immer wieder ganz normale Fahrräder. Wer Blut geleckt hat, rüstet freilich auf. Alles in allem hat Daniel Wilser aus Mühlacker, der sich am Sonntag erstmals auf die Sprintdistanz wagte, „mit Rad, Helm, Laufschuhen etwa 2500 Euro in die Ausrüstung gesteckt“.

Freie Fahrt für Triathleten bedeutete am Sonntag Umleitungsverkehr für Autofahrer. Richtung Enzberg bildeten sich zeitweise längere Warteschlangen, wie der Leiter der Mühlacker Straßenverkehrsbehörde Joachim Woesner bestätigt. „Ab 14 Uhr gab es hier Probleme. Ich habe morgens um 9 Uhr versucht, über die Polizei eine Nachricht an den Verkehrswarnfunk zu geben, doch die wurde vermutlich aufgrund vieler anderer Ereignisse nicht vermeldet.“ Woesner nennt exemplarisch einen Unfall zwischen Serres und Itpingen mit Hubschraubereinsatz und damit einhergehender Vollsperrung sowie Riesenstaus auf der Autobahn. „Wir hatten im Vorfeld auch die Änderung des Ampeltakts am Abzweig Ötisheimer Straße erwogen, dies aber wegen des sehr hohen Aufwands und der Auswirkungen auf andere Signalanlagen verworfen. Man hätte dafür extra ein eigenes Programm schreiben müssen.“ Bis auf die Rückstaus auf der B10 gab es laut Woesner vereinzelt nur kleinere Probleme. „Auch aus Dürrmenz überwiegen die positiven Rückmeldungen.“

Maik Disselhoff

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