Beim vierten Mal wird’s tiefgründig

Sebastian Kienle trägt sich im Mühlacker Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein und plaudert locker aus dem Nähkästchen

Von Silas Schüller Erstellt: 25. Oktober 2019, 00:00 Uhr
Beim vierten Mal wird’s tiefgründig Fast schon Gewohnheit: Sebastian Kienle beim Eintrag in das Goldene Buch. Im Hintergrund ist seine Frau Christine Schleifer zu sehen. Foto: Fotomoment

Der Mühlacker Weltklasse-Triathlet Sebastian Kienle ist knapp zwei Wochen nach der Ironman-WM in Hawaii von Oberbürgermeister Frank Schneider geehrt worden. Im Beisein seiner Familie durfte er sich zum vierten Mal in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Mühlacker. Offizielle Ehrungen stehen immer im Verdacht, zu einer Aneinanderreihung gegenseitiger Lobhudeleien zu verkommen. Umso erfrischender ist es dann, wenn der Protagonist bei seiner „heure d’honneur“ zum Plaudern und Scherzen aufgelegt ist.

Sebastian Kienle, der für seine reflektierte und teilweise nüchterne Art bekannt ist, tat den zahlreichen Stadt- und Medienvertretern diesen Gefallen und vermied bei seiner Dankesrede die gängigen Plattitüden. Als es darum ging, dass der 35-Jährige bereits drei Einträge im Goldenen Buch hat, sorgte er mit seinem Kommentar zu seinem Sitznachbarn und Gastgeber Frank Schneider für Erheiterung: „Nur weil ich hier schon so oft drinstehe, lasse ich mich bei der nächsten Bürgermeisterwahl nicht aufstellen.“ Und als es darum ging, was denn nun auf die freie Seite zu schreiben sei, stellte der Extremsportler fest, dass man früher einfach unterschrieben habe, heute aber immer etwas Schlaues dabeistehen müsse.

Dementsprechend bedeutungsvoll artikulierte sich Kienle bei seinem Kommentar neben seiner Unterschrift: „Ohana (hawaiianisch: Familie) – Einmal um die Welt, um zu wissen, wo man zu Hause ist“. Er hoffe, dass dieses Statement für den Anlass tiefgründig genug sei, woraufhin ihm niemand widersprechen wollte. Angesichts seiner langen Trainingsphasen, die ihn, kombiniert mit den Wettkämpfen, an 200 Tagen im Jahr in die weite Welt führten, schätze er es sehr, Zeit in seiner Heimat zu verbringen. „Oft denkt man, dass das Gras woanders viel grüner ist“, erzählt Kienle, „aber das stimmt einfach nicht“. Wenn er an die vielen Lauf- und Radwege in der Region denke und das mit Hawaii vergleiche, wo es ungleich weniger Strecken dieser Art gebe, könne er mit der hiesigen Region sehr zufrieden sein. Neben den guten Trainingsmöglichkeiten genieße er es ferner, den Rückhalt der Familie zu spüren und gemeinsame Feste zu feiern. Freilich würde er auch mal gerne am Mühlacker Triathlon teilnehmen, wenn es der Zeitplan erlauben sollte.

Dass er dabei ausdrücklich willkommen ist, machte Schneider in seiner Rede mehrmals deutlich. Um seine Worte zu unterstreichen, hatte der Rathauschef ein Triathlon-Outfit des Titelsponsors Stadtwerke Mühlacker mitgebracht, welches der Beschenkte strahlend in Empfang nahm. Es wäre sehr schön, so Schneider, wenn Kienle als sportliches Aushängeschild das Rennen in der Senderstadt bereichern würde. Die Leistungen des 35-Jährigen würden ihn wie auch Gerhard Maresch von der städtischen Pressestelle immer wieder beeindrucken: „Sie sind mit Ihren Leistungen ein Werbeträger für Mühlacker.“

Daraufhin sprach der Ironman-Weltmeister von 2014 der Stadt seinen großen Dank aus und gab das Ziel aus, im nächsten Jahr als Triumphator aus Hawaii zurückkehren zu wollen. Generell halte er es – mit einem Augenzwinkern – für sinnvoll, nur für Titel eingeladen zu werden. Heuer gaben der zweite Platz 2016 und der dritte Platz 2019 auf Hawaii Anlass für den Eintrag; für Kienle Resultate, die es zu steigern gilt. Im Hinblick auf die nächsten Jahre als Profi-Triathlet scheint es jedenfalls unwahrscheinlich, dass es bei dem einen tiefgründigen Spruch bleibt.

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