Alles hängt von der Sehne ab

Weltklasse-Triathlet Sebastian Kienle ist wieder ins Lauftraining eingestiegen – Vorbereitung für neue Saison läuft bisher nach Plan

Von Silas Schüller Erstellt: 4. Januar 2019, 00:00 Uhr
Alles hängt von der Sehne ab Erfolge wie bei der Challenge Roth 2018 möchte Sebastian Kienle auch in diesem Jahre erleben. Den ersten kleinen Erfolg konnte der Triathlet übrigens schon verbuchen. Foto: Rauschendorfer

Im November wusste Sebastian Kienle noch nicht, wie lange er seine schmerzende Achillessehne schonen muss. Einige Wochen später kann der Mühlacker Triathlet schon wieder auf dem Laufband trainieren, vom normalen Pensum ist er aber noch weit entfernt.

Mühlacker. „Das Schwimmen geht gerade richtig gut.“ Dass dieser Satz von Sebastian Kienle stammt, ist eigentlich schwer zu glauben. Schließlich läuft der 34-Jährige bei den Rennen vor allem im Wasser Gefahr, wertvolle Zeit auf die Spitze zu verlieren.

Beim Ironman auf Hawaii beendete er die erste Teildisziplin jedoch früher als erwartet, stieg mit optimalen Voraussetzungen auf das (defekte) Fahrrad – und musste kurz nach dem zweiten Wechsel wegen Achillessehnenproblemen aufgeben. Daraufhin machte Kienle, der seit November mit Trainer Philipp Seipp zusammenarbeitet, einen Haken an die Saison, obwohl er noch die Aussicht auf den Gewinn der Wettkampfserie der Challenge Family hatte. Diese Entscheidung erwies sich recht schnell als goldrichtig: Neben dem geteilten ersten Platz bei der Serie konnten sich Kienles Körper und Geist von der kräftezehrenden Saison so weit erholen, dass er schon im Dezember wieder in der Lage war, in Spanien auf dem Rad und im Becken Gas zu geben. „Glücklicherweise spüre ich die Achillessehne eigentlich nur beim Laufen, ansonsten ist das Training davon kaum betroffen“, erklärt der Hawaii-Sieger von 2014. Auf Fuerteventura, wo er laut eigener Schätzung bereits mehr als ein Jahr verbracht hat, fand Kienle wieder zurück in den Vorbereitungsmodus. „Die Bedingungen dort sind top, das Wetter passt, die Landschaft ist für das Radfahren optimal, und das Resort, in dem ich immer bin, hat ein tolles Becken“, schwärmt der 1,80 Meter große Triathlet.

Zurück in der Senderstadt angekommen, setzte Kienle, der regelmäßig zur physiktherapeutischen Behandlung in Pforzheim ist, das Aufbautraining fort. Inzwischen habe er eine 25-Stunden-Trainingswoche, die sich aus täglichen Radeinheiten auf der Rolle, Besuchen im Fitnessstudio und verschiedenen Hallenbädern sowie diversen Athletikübungen zusammensetzt.

Zusätzlich hat er inzwischen angefangen, an jedem dritten Tag fünfmal drei Minuten auf dem Laufband zu verbringen. „Es ist nicht so, dass ich nichts mehr spüre, aber ich merke, dass es vorangeht“, berichtet der Vollprofi. Als er am Ende der Saison 2016 eine noch längere Pause einlegte, um die Achillessehne zu schonen, sei gar kein positiver Effekt spürbar gewesen. Das sei jetzt anders, nichtsdestotrotz müsse man den „kleinen Erfolg“ richtig einordnen und besonnen die nächsten Schritte planen: „Es ist noch ein ganzes Stück zu gehen, das ist klar. Aber ich muss aufpassen, dass ich immer vorsichtig bin und nicht zu viel mache.“ Letztlich entscheide nämlich nicht der eigene Wille, wie die das Wettkampfjahr verläuft, sondern die empfindliche Achillessehne.

Im besten Fall kann Kienle die Belastung sukzessive hochfahren und im Sommer eine Langdistanz absolvieren, die ihm nach dem Erfolg 2014 noch einmal automatisch die Hawaii-Teilnahme sichert. „Das Augenmerk liegt natürlich auf dem Ironman im Oktober“, stellt der 34-Jährige fest. Wie viele Rennen er bis dahin bestritten haben wird, ist momentan noch nicht klar. „Philipp und ich sind noch am Überlegen, wo und wann ich starten werde“, erklärt Kienle, der seine Jahresplanung – anders als in der Vergangenheit – erst allmählich vorantreibt. Das liegt auch daran, dass er sich im Vorfeld „keinen Druck“ machen möchte, ab welchem Zeitpunkt er absolut wettbewerbsfähig sein muss. So bleibt beispielsweise abzuwarten, ob der Sportler vom Tri-Team Heuchelberg seinen Titel bei der Challenge Heilbronn, die am 19. Mai stattfindet, verteidigen kann.

Fest steht jedenfalls, dass es nach dem ersten Wettkampfblock wieder ins Höhentrainingslager nach Italien gehen soll. Im vergangenen Jahr verbrachte Kienle einige Wochen im Alpenort Livigno und fühlte sich bestens gerüstet für den zweiten Weltmeistertitel auf Hawaii. Dass es dort nichts mit dem Siegerkranz wurde, lag eher an einer Verkettung unglücklicher Umstände als an der sportlichen Verfassung des Mühlacker Triathleten.

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