Besondere Schaukämpfe zur Premiere

Erster MTTTCup und Inklusionsturnier. international erfolgreiche Tischtennis-Behindertensportler zeigen in Mühlacker ihr Können

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 7. Juni 2018, 00:00 Uhr
Besondere Schaukämpfe zur Premiere Der mehrmalige Welt- und Europameister Thomas Brüchle, hier bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro, bestreitet beim Inklusionsturnier in Mühlacker ein Schaumatch. Foto: imago

Außergewöhnliche Tischtennis-Stars sind an diesem Samstag zu Gast beim ersten Inklusionsturnier des TSV Großglattbach und der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, darunter ein Welt- und Europameister. Tags darauf laden TSV Großglattbach und Mühlacker Tagblatt zum ersten „MTTTCup“ ein.

Hartmut Freund präsentiert seine vielen Trophäen und Medaillen.Hartmut Freund präsentiert seine vielen Trophäen und Medaillen.

Mühlacker. Er hat bei den Paralympics 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro jeweils die Silbermedaille mit dem deutschen Team gewonnen, war zweimal Mannschafts-Weltmeister, viermal Mannschafts-Europameister und 2015 auch Europameister im Einzel. Thomas Brüchle ist aktuell die Nummer drei der Weltrangliste im Rollstuhl-Tischtennis und an diesem Samstag zu Gast in der Enztalsporthalle. Dort wird der querschnittsgelähmte 41-Jährige von Salamander Kornwestheim am Samstag um 14 Uhr einen Schaukampf gegen einen nichtbehinderten Bundesliga-Spieler bestreiten.

Brüchles Gegner ist Jan Zibrat vom ASV Grünwettersbach. Der 26-jährige Linkshänder ist Nationalspieler Sloweniens und erreichte 2010 das Halbfinale der Junioren-Europameisterschaft. Für den Rollstuhlfahrer Thomas Brüchle ist ein solches Duell nichts Ungewöhnliches, schon vor seinen Erfolgen im Behindertensport war der gebürtige Lindauer erfolgreich, zeigte in der Landesliga und in der Verbandsklasse, auf welchem Niveau man als Rollstuhl-Spieler im Nichtbehindertensport spielen kann.

Zur selben Zeit beginnt noch ein zweites interessantes Schauduell an der Tischtennisplatte. Reinhard Lämmle vom Vorstand der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker und selbst aktiver Tischtennisspieler beim Bezirksligisten TSV Enzweihingen fordert mit Hartmut Freund einen ganz ungewöhnlichen Spieler heraus.

Hartmut Freund kam wegen Sauerstoffmangels während der Geburt mit einer schweren geistigen Behinderung zur Welt. Der heute 48-Jährige ist rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Er kann nicht alleine zur Toilette, nicht alleine duschen, kann anderen weder mitteilen, ob er friert, Durst hat oder krank ist. Aber eines kann Hartmut Freund richtig gut. nämlich Tischtennis spielen. So gut, dass sogar das Magazin „Der Stern“ Ende 2016 eine ausführliche Reportage über Hartmut Freund online veröffentlichte.

Duelle zwischen behinderten und nicht behinderten Spielern

Gelernt hat er es bereits als Kind, erstmals gespielt als Siebenjähriger bei einem Onkel, der eine Tischtennisplatte hatte. Sonst wirkt Hartmut Freund behäbig, aber an der Platte wird er plötzlich flink und seine Reaktionen sind blitzschnell. Er spielt in der Bundesliga für geistig Behinderte und für den TTC Bietigheim-Bissingen außerdem in der vierten Herren-Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison den Aufstieg aus der Bezirksklasse in die Bezirksliga als Tabellendritter hinter den TTF Gündelbach und dem TSV Ensingen nur knapp verpasst hat. In der Rückrunde gewann Freund sechs von neun Einzelmatches, auch gegen Kontrahenten von TV Enzberg, TTA 08 Mühlacker, Spvgg Zaisersweiher und anderen Clubs der Region. Ob er gewonnen oder verloren hat, erfährt Hartmut Freund erst nach dem Match, denn er kann nicht zählen.

Trainiert wird Hartmut Freund von Norbert Freund, der vor etlichen Jahren extra seine Stelle als Politikredakteur bei der Saarbrücker Zeitung aufgab und wieder ins Elternhaus einzog, um den jüngeren Bruder zu betreuen. Norbert Freund fördert das Tischtennisspiel von Hartmut, weil dieser den Eindruck vermittelt, daran Spaß zu haben. Wirklich artikulieren kann er es nicht, jedoch an der Platte und im Wettkampf scheint er aufzublühen. Zudem ist seine Diabeteserkrankung durch den Sport besser geworden. Inzwischen verdient Hartmut Freund mit Tischtennisspielen sogar seinen Lebensunterhalt. Sein Bruder Norbert fand Sponsoren, die ihn unterstützen, jettet mit Hartmut zu großen Behinderten-Turnieren rund um den Globus. Bilder und Videos von Hartmuts Matches postet er auf Facebook und Youtube, einige der Clips wurden mehrere Tausend Mal geklickt.

Doch nicht nur die Gaststars haben an diesem Wochenende Aufmerksamkeit verdient, sondern auch die Teilnehmer der beiden Tischtennisturniere in der Mühlacker Enztalsporthalle. Rund 30 Teams, jeweils bestehend aus einem behinderten und einem nicht behinderten Spieler, haben sich ins Starterfeld des Inklusionsturniers am Samstag eingeschrieben. „Die kommen aus ganz Baden-Württemberg. Das ist eine Supersache und wird bestimmt richtig gut“, kann es Organisator Volker Langenstein vom TSV Großglattbach kaum erwarten.

Am Sonntag wird dann erstmals der MTTTCup von TSV Großglattbach und Mühlacker Tagblatt ausgetragen. „Da sind die besten Spieler der Region dabei, eine richtige Region-Mühlacker-Meisterschaft. Auch Spieler, die hier in der Gegend wohnen und für Vereine woanders aktiv sind, haben etliche gemeldet“, freut sich Volker Langenstein auch riesig auf die Veranstaltung, die aus vier Wettbewerben besteht. In drei unterschiedlichen Leistungskategorien treten die Männer an. Die Herren B und C spielen von morgens 9 Uhr an, die Finals sind für 14.30 Uhr geplant. Die höchste Kategorie Herren A und die Damen-Konkurrenz beginnen um 13 Uhr, die Endspiele sind für 18 Uhr angesetzt.

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