Tennis: Trainer Erick Silva über Vorbilder

Der Tennis-Trainer Erick Silva hat nicht nur die Filzbälle in Lienzingen im Blick und verfolgt die USOpen mit geschultem Auge

Von Silas Schüller Erstellt: 4. September 2019, 00:00 Uhr
Tennis: Trainer Erick Silva über Vorbilder Auf dem Tennisplatz zu Hause: Erick Silva kennt die Anlage in Lienzingen mittlerweile in- und auswendig. In dieser Woche leitet er ein Jugend-Tennis-Camp auf dem Gelände. Foto: Schüller

Während die Sommersaison der Tennis-Clubs kürzlich zu Ende gegangen ist, fliegen in Flushing Meadows noch fleißig die Bälle. Der Lienzinger Cheftrainer Erick Silva, der Rafael Nadal die Daumen drückt, erzählt im Interview, welchen Einfluss die große Bühne für den Sport an der Basis hat.

Herr Silva, die Sommersaison ist vor wenigen Wochen zu Ende gegangen. Geht es danach gleich in die Halle oder können Sie in dieser Phase auch mal Urlaub machen?

Ich hatte tatsächlich eine kleine Auszeit. Zwei Wochen habe ich in Spanien Urlaub gemacht, und in der dritten Woche bin ich als Spieler bei einem Turnier in Filderstadt angetreten, um Punkte für die Rangliste (Ü40) zu sammeln. Daneben habe ich mich schon auf das Tenniscamp vorbereitet, das ich in dieser Woche durchführe.

Sie sind ja das ganze Jahr mit Tennis beschäftigt, können beziehungsweise müssen Sie auch mal komplett abschalten?

Die Sommersaison war sehr anstrengend; ich bin da von Montag bis Samstag immer im Einsatz und steckte viel Energie rein. Deshalb habe ich den Urlaub auch gebraucht, wobei ich zugeben muss, dass ich einige Stunden Paddel-Tennis gespielt habe. In Spanien und in Südamerika ist das ein beliebter Sport, so konnte ich mich fit halten, und ich hatte Spaß.

Demnach werden Sie auch den großen Tennis-Zirkus mit den US Open verfolgen…

Natürlich schaue ich mir das Turnier an, was dazu führt, dass ich momentan weniger Schlaf bekomme (lacht). Um ehrlich zu sein, schaue ich so lange, bis mir die Augen zufallen. Das Achtelfinale zwischen Rafael Nadal und Marin Cilic in der Night-Session habe ich übrigens komplett angeschaut, das war streckenweise richtig spannend.

Wie groß ist das Interesse Ihrer Schüler an den großen Turnieren, können Sie mit dem einen oder anderen über die Matches fachsimpeln oder gar eine Art Video-Coaching betreiben?

Naja, es ist wirklich schwierig jemanden zu finden, der so viel Interesse hat wie ich. Allerdings gibt es durchaus ein paar Schüler, die versuchen, so viele Spiele wie möglich zu schauen. Mit denen tausche ich mich zu Beginn der Trainingseinheiten gerne aus und erzähle meine Meinung zum Spiel. Was das Abschauen von Schlägen oder Bewegungsabläufen angeht, helfen die besten Profis aber nicht immer weiter. Das liegt daran, dass die Profis Aktionen bringen, die für uns Laien gar nicht machbar sind – oder erst wochenlange Übung brauchen. Und wenn man sich dann nur auf diesen Teil konzentriert, werden die anderen Elemente des Spiels vernachlässigt. Also versuche ich immer, eine gute Mischung zu finden, die zu dem Leistungsstand des Schülers passt. Dafür nutze ich unter anderem Theorie-Material vom Verband, das alle Aspekte des Sports abdeckt.

Wie sehr macht sich ein großes Tennisturnier, das viel Beachtung in der Öffentlichkeit findet, bei Ihnen als Lehrer bemerkbar?

Ich stelle immer wieder fest, dass Schüler, die bei mir häufiger trainieren, mehr Gas geben, wenn sie selbst Tennis schauen. Solche Vorbilder braucht jeder Tennis-Spieler, um sich motivieren zu können.

Wie sieht es mit dem Interesse von Auswärtigen aus, gibt es hier mehr Zulauf, wenn ein deutscher Spieler bei einem Grand Slam erfolgreich ist?

Das Beispiel aus der Becker-Graf-Zeit zeigt den Einfluss von erfolgreichen Profis auf die Bevölkerung. Nur deshalb gibt es heutzutage so viele Tennisplätze in den Städten und auf dem Land. Fast jeder hat damals Tennis gespielt, weil man sich mit den beiden identifizieren konnte.

Jetzt haben wir eine andere Situation, die großen Stars kommen gerade nicht aus Deutschland. Mein Eindruck ist, dass auch Alexander Zverev, der als bester Deutscher seit Längerem in den Top Ten steht, jetzt aber leider schon wieder vorzeitig ausgeschieden ist, die Jugend nicht so richtig mitreißt. Vielleicht braucht es da mal einfach einen Grand-Slam-Sieg in den nächsten Jahren.

Mit Dominik Koepfer hat ein anderer junger Deutscher für positive Schlagzeilen gesorgt, er gewann sogar den ersten Satz im Achtelfinale gegen Daniil Medwedew. Wie schätzen Sie diese Leistung ein?

Von Köpfer habe ich zwei Spiele gesehen, in denen er mich echt überzeugt hat. Er war nervenstark bei Big Points, hat sich immer gut bewegt und schnelle Ballwechsel gezeigt. Ihm kam sicherlich zugute, dass er als ehemaliger College-Spieler die amerikanischen Hartplätze kennt. Die erfolgreiche Qualifikation hat ihm sicherlich Aufwind gegeben, so dass er mit viel Selbstvertrauen in die Hauptrunde gehen konnte. Wenn er so weitermacht, ist für noch einiges möglich.

Aus lokaler Sicht gab es mit Cedrik-Marcel Stebe eine erfreuliche Personalie. Der Enzweihinger hat nach seiner Final-Teilnahme von Gstaad die zweite Runde in New York erreicht…

Das ist eine schöne Geschichte, Cedrik hatte zuletzt lange mit Verletzungen zu kämpfen und ist jetzt endlich wieder auf der Tour unterwegs. Ich kenne ihn schon lange; sein Vater, der ja auch Tennistrainer ist, hat mich vor ungefähr 15 Jahren gefragt, ob ich seinem Junior einmal pro Woche eine Einzelstunde geben möchte. Damals konnte ich noch nicht sagen, wohin die Reise für den Jungen hingehen wird, sein späterer Werdegang hat mich dann aber doch überrascht.

Was mir schon damals auffiel, war sein großer Ehrgeiz. Er wollte immer gewinnen, egal ob im Spiel oder im Training. Ich habe ihn dann auch ein paarmal gewinnen lassen, obwohl ich mit meinen 27 Jahren (noch) der bessere Spieler war. Normalerweise sagt man, dass ein Spieler, der eine lange Verletzungspause einlegen musste, anschließend die doppelte Zeit braucht, um wieder auf das alte Niveau zu kommen. Damit wäre Cedrik noch in der Rückkehrer-Phase. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in der Weltrangliste (Platz 217) weiter vorrückt.

Mit Roger Federer und Rafael Nadal stehen zwei Spieler im Viertelfinale, die im ATP-Ranking ganz oben stehen. Wer holt sich den Titel?

Ab jetzt kann alles passieren, das Feld ist so offen wie selten. Nichtsdestotrotz sehe ich Rafael Nadal und Roger Federer in der Favoritenrolle, weil sie viel mehr Erfahrung haben als die anderen verbliebenen Spieler. David Schwarzmann, gegen den Nadal heute Nacht spielt, sollte man nicht unterschätzen, aber ganz vorne sehe ich ihn eigentlich nicht.

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