Fasching ist hier das ganze Jahr

Mittrainiert: MT-Reporterin Julia Klassen bekommt für ihren Einsatz bei der Pforzheimer Faschingsgesellschaft sogar einen Orden

Von Julia Klassen Erstellt: 3. Februar 2018, 00:00 Uhr
Fasching ist hier das ganze Jahr Griechische Götter und Göttinnen als Motto der diesjährigen Kampagne: MT-Reporterin Julia Klassen im Vordergrund mit Tänzer Marcel Zachara und den Mitgliedern der Tanzgarde. Foto: Fotomoment

Selbst Faschingsmuffeln dürfte es nicht entgangen sein: Die fünfte Jahreszeit ist in vollem Gange. Und bei den großen Prunksitzungen dürfen neben den Büttenreden natürlich auch die Tanzgruppen nicht fehlen. MT-Mitarbeiterin Julia Klassen hat bei der Pforzheimer Faschingsgesellschaft (PFG) mittrainiert.

Griechische Götter und Göttinnen als Motto der diesjährigen Kampagne: MT-Reporterin Julia Klassen im Vordergrund mit Tänzer Marcel Zachara und den Mitgliedern der Tanzgarde.Griechische Götter und Göttinnen als Motto der diesjährigen Kampagne: MT-Reporterin Julia Klassen im Vordergrund mit Tänzer Marcel Zachara und den Mitgliedern der Tanzgarde.

Pforzheim. Eines vorweg: Ich habe mit Fasching nicht viel am Hut. Das gebe ich offen zu. Natürlich war ich in meinen jungen Jahren ab und zu auf Faschingspartys, und ich habe mich auch schon mal verkleidet. Ich weiß auch, dass an Aschermittwoch alles vorbei ist. Aber mit Prunksitzungen, Funkenmariechen, Tanzgarden oder Elferräten habe ich mich bislang überhaupt nicht befasst. Und wenn ich an einen Karnevalsverein denke, dann kommt mir nur der 1. FC Köln in den Sinn.

Kein Wunder, Mühlacker ist ja auch nicht gerade als Faschingshochburg bekannt. Erst Richtung Pforzheim geht es so langsam los mit dem närrischen Treiben. Und dort, bei der Pforzheimer Faschingsgesellschaft, will ich nun erfahren, warum der traditionelle Fasching so viele Menschen in ihren Bann zieht – und was das Ganze mit Sport zu tun haben soll.

Natürlich habe ich mich in alter Strebermanier vorher schlau gemacht. Man unterschiedet bei den karnevalistischen Tänzen zwischen Schau- und Gardetanz. Letzteres machen die Mädchen, die irgendwie alle gleich aussehen – was wohl an den Uniformen und den Perücken liegt – und die schon fast unverschämt gelenkig sind. Die Tänzer der Schautanzgruppen sind zwar auch gelenkig, aber sie müssen sich nicht zwangsläufig verbiegen, um Spaß zu haben – und Spaß zu machen.

Nicht alle im Team waren schon immer faschingsverrückt

Ich darf heute bei der gemischten Schautanzgruppe der PFG mittrainieren. Die nennt sich „Flößer & Friends“ und besteht aus 14 Frauen und zwei Männern im Alter zwischen 17 und 42 Jahren.

„Schon seit März letzten Jahres trainieren wir unsere Choreographie für die diesjährige Kampagne“, sagt die Trainerin Mareike Grom und räumt damit gleich einmal mit dem Vorurteil auf, dass Karnevalsvereine nur in der fünften Jahreszeit aktiv seien. „Bei uns ist das ganze Jahr Fasching“, betont sie. In jeder Kampagne, so nennt man im Faschingsjargon die Karnevalssaison, sucht Mareike Grom ein neues Motto für ihre Schautanzgruppe aus. Dieses Mal gehen die Tänzer als griechische Götter beziehungsweise Göttinnen auf die Bühnen. Ich fühle mich zwar nicht gerade göttlich, darf aber trotzdem mitmachen.

Die Erwärmung unterscheidet sich nicht groß von der in anderen Sportarten. Nein, niemand wirft mit Konfetti um sich. Und auch nicht mit Bonbons – oder Gutsle, wie es richtig heißen muss. Stattdessen gibt es Step-Aerobic gepaart mit einigen Schritttechniken, die auch in der späteren Choreographie vorkommen werden. Es folgen anstrengende Bauchmuskel- und andere schweißtreibende Übungen. Noch ein bisschen dehnen und wir sind auf Betriebstemperatur.

„Wir üben jetzt die Zugabe“, erklärt mir Mareike Grom, „denn es ist ziemlich doof, wenn das Publikum nach einer Show eine einfordert und man nichts zu bieten hat.“ Ich stelle mich also in die letzte Reihe, hoffe, dass mich niemand sieht.

Mareike Grom erklärt die Schrittfolgen ganz langsam, für mich quasi zum Mitschreiben, so dass ich überraschenderweise gut mitkomme. Zumindest so lange, bis die Trainerin sagt: „Und jetzt im normalen Tempo.“ Haha, ich bin dann mal raus. Erst recht als auch noch die Musik dazukommt. Trotzdem versichern mir die Tänzerinnen, dass ich gut gewesen sei. Ich finde das sehr nett.

Nun will sich Mareike Grom natürlich auch noch die ganze Choreographie anschauen. Ich schaue mit. Am Sonntag ist der nächste große Auftritt bei der PFG- Prunksitzung für Senioren und Menschen mit Behinderung im CongressCentrum, da muss der Auftritt sitzen. Und das tut er auch. Ihre Kostüme haben die Tänzerinnen und Tänzer zwar nicht an, aber mit den Flaggen und dem Musik-Medley mit Liedern mit Griechenland-Bezug, kommt dennoch schon Stimmung auf. Mareike Grom ist zufrieden. Seit 20 Jahren ist die 36-jährige Trainerin bei der Faschingsgesellschaft, mittlerweile ist sie auch Leiterin die Tanzsportabteilung. Seit sie sechs Jahre alt ist, tanzt die Pforzheimerin selbst. „Wir sind eine große Gemeinschaft“, beschreibt sie ihre Motivation, „teilweise tanzen wir seit mehr als 25 Jahren zusammen.“

Neben dem Training kommt dabei – wie es sich für einen Karnevalsverein gehört – auch der Spaß nie zu kurz.

Doch nicht alle im Team waren schon immer faschingsverrückt. Marcel Zachara zum Beispiel ging es wie mir. Fasching war nicht sein Ding. Dafür das seiner jetzigen Frau. Und so landete der heute 34-Jährige dann irgendwann doch bei Flößer & Friends. „Es hat mir tatsächlich Spaß gemacht, jetzt finde ich Fasching toll und will es nicht mehr missen“, erzählt er. Sogar im Elferrat der PFG ist der Pforzheimer mittlerweile aktiv. Manchmal kann er das selbst kaum glauben: „Dass ich einmal in einem Faschingsverein tanze, hätte ich wirklich niemals für möglich gehalten.“

Genau wie ich. Und jetzt stehe ich hier, bereit für die nächste Zugabe, bei der ich – natürlich in der hintersten Reihe – wieder dabei bin.

Ich komme wider Erwarten ganz gut mit dieses Mal und es macht auch richtig Spaß. Ganz ohne Konfetti und Kamelle. Und als ich zum Schluss noch den goldenen Orden der PFG verliehen bekomme, haben sie es geschafft. Ich werde mein Faschingsmuffeltum doch noch mal überdenken.

Und ich verspreche an dieser Stelle hoch und heilig: Ich werde den 1. FC Köln niemals mehr als Karnevalsverein bezeichnen. Karnevalsvereine sind nämlich richtig gut.

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