„Es wird nie langweilig“

Die hohe Kunst einer effektiven Selbstverteidigung erlernen in Mühlacker Kampfsportler beim TSD-Training

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 3. Mai 2014, 00:00 Uhr
„Es wird nie langweilig“ Kämpferisch das Selbstbewusstsein stärken und gleichzeitig die Kondition trainieren: Tactical Solutions for Defense (TSD) ist eine moderne Art der Selbstverteidigung. Die Trainer Martin Weiß (vorne.li.) und Stephan Seeg (re.) lehren diesen vielseitigen Kampfsport beim Verein Chang-Hun Taekwon-Do Mühlacker. Foto: Stahlfeld

Sie absolvieren keine Wettkämpfe und legen keine Gürtel-Prüfungen ab. Ernst wird es für eine Gruppe von Mitgliedern des Taekwon-Do-Vereins Chang-Hun Mühlacker höchstens dann, wenn sie auf der Straße angegriffen werden.

Mühlacker. Für den Ernstfall sehen sich diese Kampfsportler gut gerüstet. Der Grund: sie praktizieren Tactical Solutions for Defense (TSD). Kampfsport basiert normalerweise auf festen Regeln. Aber wissen das auch potenzielle Angreifer? Halten sie sich auch an Regeln? Martin Weiß (25 Jahre) und Stephan Seeg (31 Jahre) unterrichten beim Verein Chang-Hun Mühlacker eine Kampfsportart, die sich eben nicht stur an feste Regeln klammert: Tactical Solutions for Defense heißt ihre Art der Selbstverteidigung, die viele unterschiedliche Einflüsse in sich vereint.

TSD beinhaltet Elemente des Jeet Kune Do, einem Kampfstil, der von Bruce Lee entwickelt wurde, und der Filipino Martial Arts, die als Oberbegriff für eine breite Palette von philippinischen Kampfkünsten steht. Im TSD werden verschiedene Bewegungsabläufe aus unterschiedlichen Kampfsportschulen der heutigen Zeit entsprechend angepasst und in komprimierter Form zu einer Kunst der effektiven Selbstverteidigung verdichtet.

„Wir haben viele Einflüsse, wir saugen Vieles auf“, sagt der Maulbronner Seeg, der ebenso wie Weiß im Verein bereits den „normalen“ Kampfsport Taekwon-Do trainierte. Beim Taekwon-Do würden vor allem Füße und Hände eingesetzt, das Boxen spiele dabei eine untergeordnete Rolle, so Weiß. TSD ist seiner Ansicht nach viel flexibler. Der Trainer unterscheidet vier Distanzen zum Gegner, in denen sich der Kampf mit verschiedenen Tricks und Kniffen abspielt: Die Kickboxing Range, die Boxing Range, den Clinch und den Kampf am Boden. „Es wird nie langweilig“, betont der Kampfsportfan aus Ochsenbach, der bereits seit seinem achten Lebensjahr Kampfsport macht. Neben dem Körper werde auch der Geist geschult. Ideal zum „Abschalten“ ist TSD deshalb für den Industriekaufmann Michael Frank (25 Jahre) aus Ochsenbach. Körperliche Fitness, gepaart mit der Fähigkeit zur Selbstverteidigung, erhoffte sich Sascha Kolb vom TSD, als er vor knapp einem Jahr im Verein mit dem Training begann.

Das Training verbessert Reflexe, Fußarbeit und Koordination

Der 40-jährige Lienzinger hatte zuvor noch keinen Kampfsport ausgeübt, das aber ist für Weiß und Seeg kein Problem: „Man muss keine Vorkenntnisse haben. Wir kümmern uns um die Leute.“ Da es weder Wettkämpfe und neben dem Trainerschein keine weiteren Leistungsproben gibt, dient das Training einzig dazu, jeden Sportler individuell voranzubringen. Stetig würden die Kämpfer-Attribute verbessert. Zu diesen Attributen zählen Weiß und Seeg unter anderem Reflexe, Fußarbeit und Koordination. Mit der Zeit werden die Übungen und die Bewegungsabläufe komplexer. Weiß: „Man wächst an sich selber.“ Der gelernte Buchhalter weiß, dass TSD als Selbstverteidigung funktioniert. Er berichtet von einem Mann, der mit einem Messer attackiert worden sei. Der geschulte Sportler sei relativ ruhig geblieben und habe sich in der brenzligen Situation gut verteidigen können.

Weiß war noch nie in einen realen Kampf verstrickt, und es gehe ja nicht nur darum, sich auf einen Schlagabtausch vorzubereiten. TSD stärke ganz allgemein das Selbstbewusstsein. Und wenn doch einmal Gefahr drohe, könne ein selbstsicherer Auftritt vielleicht einen Angriff verhindern. Weiß und Seeg trainieren mit ihrer Gruppe zweimal die Woche. 20 Mitglieder, von denen nicht alle aktiv sind, zählt ihre Abteilung. Interessierte seien jederzeit willkommen, so das Trainerduo.

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