Auf den Spuren von Bruce Lee

Mittrainiert: Bei Kampfkunst Mühlacker lernt Julia Klassen praxisnahe Selbstverteidigung kennen

Von Julia Klassen Erstellt: 5. Mai 2018, 00:00 Uhr
Auf den Spuren von Bruce Lee Julia Klassen (re.) bekommt eine erste Einweisung in den Stockkampf. Foto: Fotomoment

Wer sich selbst verteidigen kann, geht sicherer durchs Leben. Sich im Notfall zur Wehr setzen zu können, ist nicht nur für Frauen wichtig. Beim T.S.D.-Training im Verein Kampfkunst Mühlacker erfährt MT-Mitarbeiterin Julia Klassen, wie effektive Selbstverteidigung funktionieren kann.

Richtig zu fallen will gelernt sein, stellt Julia Klassen beim Falltraining mit Anja Kirschenhuber fest.Richtig zu fallen will gelernt sein, stellt Julia Klassen beim Falltraining mit Anja Kirschenhuber fest.

Mühlacker. Ein bisschen fühle ich mich wie Bruce Lee, als mir Martin Weiß die Holzstöcke in die Hand drückt. Der Trainer des Vereins Kampfkunst Mühlacker, der bis vor Kurzem noch Chang Hun Taekwon-Do Verein Mühlacker hieß, erklärt mir genau, was ich damit machen muss. Nämlich kämpfen, beziehungsweise, mich verteidigen.

Mittlerweile habe ich einige Kampfsportarten kennengelernt. Es gibt so viele verschiedene, dass man fast den Überblick verlieren kann. Heute also steht Tactical Solutions for Defense auf dem Programm. Kurz T.S.D. genannt. So richtig kann ich mir darunter eigentlich nichts vorstellen. Klar, es geht um Selbstverteidigung. Und sich selbst verteidigen zu können, sagt Martin Weiß, werde immer wichtiger. „Die Bereitschaft der Gesellschaft, Konflikten mit körperlicher Gewalt zu begegnen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen“, fügt er hinzu. Wer weiß, wie er oder sie sich wirkungsvoll verteidigen kann, geht selbstsicher durch den Alltag.

Das Ziel ist es, den Gegner mit möglichst wenig Kraft zu besiegen

T.S.D. wurde von dem Münchener Michael Grüner, einem Schüler von Paul Vinka entwickelt, der wiederum Student und Freund von Bruce Lee war. Michael Grüners Konzept verbindet Techniken aus Bruce Lees Kampfkunststil Jeet Kune Do, bei dem vor allem der waffenlose Kampf im Vordergrund steht, und Filipino Martial Arts. Letzteres legt den Fokus auf den bewaffneten Kampf und orientiert sich dabei an Stockkampfstilen wie Kali, Arnis und Eskrima sowie Messerkampf und Ringen.

So viel zur Theorie. In der Praxis habe ich nun zwei Stöcke in der Hand und weiß nicht so recht, was ich damit machen soll. „Im Prinzip geht es um die drei Distanzen, die kurze, die mittlere und die lange“, sagt Martin Weiß. Wir beginnen mit der langen, das heißt, wir stehen gerade so weit auseinander, dass sich unsere Stöcke treffen können, und ich soll mit meinem ein X in die Luft zeichnen und so den des Trainers abwehren. „Ziel ist es, den Gegner mit so wenig Kraft wie möglich zu besiegen“, erklärt Martin Weiß. Das ist gut. Denn „so wenig Kraft wie möglich“, habe ich nachweißlich.

Bei T.S.D geht es nicht darum, wer „der Krasseste“ ist, wie es Martin Weiß ausdrückt, sondern darum, wer den Gegner am besten schwächen kann. Ziel ist immer die kontrollierte Flucht. Das heißt, ich muss meinem Gegner so aus dem Konzept bringen, dass ich weglaufen kann. „Was aber“, kommt da der berechtigte Einwurf des MT-Fotografen Volker Henkel, „wenn man gerade keinen Stock zur Hand hat?“ Martin Weiß grinst. „Wir üben immer zunächst mit den Stöcken, weil damit die Bewegungsabläufe einfacher zu erlernen sind. Aber was mit Stock funktioniert, funktioniert später auch ohne.“

Meine Trainingspartnerin ist nun Sandra Poliwoda. Die 32-Jährige aus Illingen macht seit drei Jahren T.S.D. und ist mittlerweile Co-Trainerin von Martin Weiß. Wir üben verschiedene Techniken in verschiedenen Distanzen, und wenn Martin Weiß die Übungen mit einem fortgeschrittenen Kursteilnehmer vorführt, wird mir fast schwindelig. Aber zum Glück kann man das Ganze am Anfang ganz langsam und Schritt für Schritt üben. Sandra Poliwoda hat Geduld mit mir und erklärt mir immer wieder, wann ich meine Stöcke wie einsetzen muss, um sie außer Gefecht zu setzen. Und das wäre dann im wahren Leben der Zeitpunkt, um zu flüchten. „Wir wollen den Gegner nicht plattmachen“, betont Martin Weiß, „sondern ihm seine Grenzen aufzeigen und bedrohliche Situationen bestenfalls bereits im Vorfeld zu vermeiden.“

Im Anschluss steht noch eine Fallschule auf dem Programm. Auf einer weichen Matte. Im Ernstfall fällt man natürlich deutlich unsanfter. „Wenn man auf Beton landet, ist es natürlich immer schlecht“, sagt Martin Weiß, „aber mit der richtigen Falltechnik kann man immerhin Schadensbegrenzung betreiben.“ Ich muss zugeben, meine ersten Versuche wären im Ernstfall ziemlich schmerzhaft gewesen. Aber mit ein bisschen Übung und den richtigen Tipps von Sandra Poliwoda, klappt es mit der Zeit immer besser.

Danach wird es richtig hart. Und deshalb setzen sich die Teilnehmer einen Motoradhelm auf. „Das Problem ist es, jemandem beizubringen, richtig zu schlagen“, erklärt Martin Weiß diese Maßnahme. Das aber sei wichtig, um im Ernstfall auch zu wissen, wie es sich anfühlt. Verletzt werden soll aber im T.S.D.-Training natürlich niemand.

„Matin Weiß ist ein Glücksgriff für unseren Verein“, sagt Peter Fischer, Taekwon-Do-Trainer und Vorsitzender des Vereins Kampfkunst Mühlacker. „Er ist mit Herz und Seele dabei.“ Bruce Lee jedenfalls hätte seine wahre Freude.

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