Sally lässt die Muskeln zittern

Mittrainiert: Bei der Skigymnastik des SSC Illingen spürt MT-Mitarbeiterin ihre Defizite vor allem in den Oberschenkeln

Von Julia Klassen Erstellt: 2. Dezember 2017, 00:00 Uhr
Sally lässt die Muskeln zittern Von wegen grelle Neon-Anzüge! Die Kleidung bei der Skigymnastik des SSC Illingen ist sehr leger, stellt Julia Klassen (Mitte) fest – ganz im Gegensatz zum Trainingsprogramm. Foto: Fotomoment

Ein Skiclub im Flachland? Das ist kein Widerspruch. Der Ski- und Snowboardclub Illingen bietet neben gemeinsamen Ausfahrten in verschiedene Skigebiete auch die passende Vorbereitung auf die Wintersportsaison an: die altbekannte Skigymnastik. MT-Reporterin Julia Klassen hat sie ausprobiert.

Illingen. Skigymnastik – das klingt, zugegebenermaßen, nicht besonders spannend. Bei mir ruft dieses Wort Erinnerungen an längst vergangene Fernsehvormittage hervor, in denen man gelangweilt durch seine drei Programme zappte, um dann – halb fasziniert, halb belustigt – beim Tele-Gym im Dritten hängenzubleiben. Dort gingen Frauen und Männer in neonfarbenen Ganzkörperanzügen tapfer lächelnd in die Knie oder hüpften wedelnd auf der Stelle, ebenfalls grinsend und unermüdlich. Manchmal kamen Skistöcke zum Einsatz und die tiefe Abfahrtshocke wurde gefühlte fünf Minuten gehalten.

Kurz gesagt: Meine Skigymnastikerfahrungen sind mehr als 20 Jahre her und beschränken sich aufs Zuschauen. Umso gespannter bin ich jetzt auf den Kurs, den der Ski- und Snowboardclub Illingen jedes Jahr von Oktober bis April anbietet.

Als ich dann in der Stromberghalle ankomme, bin ich schon mal erleichtert. Keine Ganzkörperanzüge in Sicht, dafür Daniela Bopp, die mich mit einem herzlichen Lächeln begrüßt. So langsam trudeln auch meine Mitstreiter ein. Bis zu 40, sagt die Fitnesstrainerin kämen regelmäßig zur Skigymnastik. Die meisten davon, weil sie sich auf den Winter vorbereiten wollen, einige aber auch, weil der Kurs Spaß und fit macht.

„Nicht alle Teilnehmer sind Skifahrer“, sagt die Fitnesstrainerin aus Illingen. Sie sind zwischen Anfang 20 und über 70 Jahre alt. Männer und Frauen halten sich die Waage. „In anderen Kursen sind die Frauen eindeutig in der Mehrzahl“, sagt Daniela Bopp, die unter anderem auch Aerobic, Step- und Rückenkurse leitet. Und eben weil so viele Männer dabei sind, sei der Kurs auch etwas intensiver, warnt sie mich und rät mir, wenn ich nicht mehr kann, einfach kurz Pause zu machen. Ich nicke und denke: Pause? Ich? Niemals!

Wenn die Muskulatur nicht mitspielt, ist der Skiurlaub schneller vorbei als geplant

Der Start ist noch ganz gemütlich. Ein paar Aerobic-Schritte zum Warmwerden. Keine ausgeklügelte Choreographie, dafür viele Wiederholungen, und immer wieder geht es ganz tief in die Knie oder auch mal in die Liegestützposition. Ich merke schon nach kurzer Zeit, wie Daniela Bopp das mit der Intensität gemeint hat.

Das Ziel der Skigymnastik ist es, die Muskulatur zu beanspruchen, die für den Skisport benötigt wird. Neben der Haltekraft in den Beinen spielt auch die Stabilität im Rumpf eine große Rolle. „Ich arbeite im Kraft-Ausdauer-Bereich“, erklärt Daniela Bopp, die selbst Ski und Snowboard fährt. Und immer wieder trifft sie auf der Piste Menschen, die sich nicht auf die sportliche Belastung in den Bergen vorbereitet haben. „Man kann Verletzungen vorbeugen, in dem man sich gezielt fit für den Winter macht“, sagt sie und betont: „Bei jeder Sportart trainiert man und macht sich vorher warm – nur beim Skifahren denkt jeder, er kann mit dem Lift hochfahren und gleich loslegen.“ Doch wenn die Muskulatur nicht mitspielt, kann der Skiurlaub schneller vorbei sein als geplant.

Damit dies nicht passiert, sind die meisten der Teilnehmer hier. Viele seit Oktober, jeden Mittwoch. „Manche bekommen aber auch erst kurz vor dem Urlaub ein schlechtes Gewissen“, weiß Daniela Bopp.

Die Oberschenkel brennen, mit wackligen Knien geht es danach auf die Matte.

Nach der Erwärmung kündigt die Trainerin eine gewisse „Sally“ an. Ich höre ein Raunen, einige Sportler stöhnen auf, andere grummeln vor sich hin. Sally scheint nicht sehr beliebt zu sein. Ich weiß auch bald, warum. Sally ist ein Lied von einem Künstler namens Moby. In der Fitnessszene ist es bekannt. Es dauert dreieinhalb Minuten und besteht hauptsachlich aus den Textfragmenten „Bring Sally up“ und „Bring Sally down“. Wie begeben uns also in die Abfahrtshocke, singt Moby „up“, geht es nach oben, bei „down“ nach unten. Entspannung ist nicht vorgesehen und dreieinhalb Minuten können lang sein. Meine Oberschenkel brennen, aber die Pause verkneife ich mir noch.

Danach geht es mit wackligen Knien auf die Matte. Nach einigen Übungen für die Beine und den Rumpf sind die Bauchmuskeln dran und wieder begleitet uns – na klar – Sally. Autsch! Das Lied stehe ich noch durch, danach mache ich dann doch schlapp. Pünktlich zur aktiven Entspannung bin ich aber wieder da.

Nach einer Stunde ist der Spaß vorbei und ich bin mir sicher: Besser kann man sich kaum auf die Skisaison vorbereiten.

Ich denke wieder an die Damen und Herren vom Tele-Gym. Dafür, dass ich sie einst belächelt habe, entschuldige ich mich an dieser Stelle in aller Form. Auch wenn ich ihre grellen Neon-Ganzkörperanzüge immer noch witzig finde.

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